Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Verbrannte Weide durch Hitzewelle

Kaum noch Gras für Pferde – jetzt müssen Halter handeln 

Ein Pferd frisst Heu
Auch Pferde leiden stark unter der Sommerhitze Foto: Getty Images
Artikel teilen
Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

15. August 2026, 11:44 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die anhaltende Hitzewelle macht nicht nur uns, sondern auch unseren Pferden zu schaffen. Aus den Weiden sind braune, staubtrockene Flächen geworden, die nicht mehr genügend Nahrung bieten. Trotzdem verbringen Pferde mitunter viele Stunden dort. PETBOOK erklärt, welche gefährlichen Folgen das haben kann und wann Halter zufüttern müssen. 

Pferde sind darauf eingestellt, über viele Stunden immer wieder kleine Mengen rohfaserreichen Futters aufzunehmen. Das ist ihr „Job“, denn ihr Magen produziert fortlaufend Magensäure. Beim Kauen entsteht Speichel, der dazu beiträgt, diese Säure abzupuffern. 

Bleibt der Magen lange leer, fehlt ein Teil dieses Schutzes. Das kann innerhalb kürzester Zeit zu schweren Schäden an der Magenschleimhaut führen. Fresspausen von mehr als vier Stunden sollten deshalb unbedingt vermieden werden. 

Wie viel Heu muss bei vertrocknetem Gras zugefüttert werden? 

Können Weiden den Futterbedarf nicht mehr liefern, weil sie zu trocken und verbrannt sind, muss die fehlende Grasmenge zwingend durch Heu ersetzt werden.  

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft empfiehlt mindestens 1,5 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für ein 600 Kilogramm schweres Pferd sind das mindestens neun Kilogramm, für ein 700 Kilogramm schweres mindestens 10,5 Kilogramm täglich. 1

Die genaue Ration hängt neben dem Gewicht auch von Alter, Gesundheitszustand, Haltung und Bewegung ab. 2,3

Plötzliche Futterwechsel belasten das Verdauungssystem 

Doch Vorsicht, eine plötzliche Futterumstellung kann das empfindliche Verdauungssystem belasten. Pferde, die bislang einen großen Teil ihres Futters über Gras aufgenommen haben, sollten schrittweise an die veränderte Heuration gewöhnt werden. 4

Sowohl bei kleinen als auch bei großen Pferdeherden, müssen alle Tiere ans Heu gelangen können. Das gilt besonders für rangniedrige Pferde. Slowfeeder oder geeignete engmaschige Heunetze können dabei helfen, die Fresszeit zu verlängern. Sie müssen sicher angebracht sein und in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. 5

Diese Fragen sollten sich Pferdehalter jetzt täglich stellen 

Bei anhaltender Trockenheit kann sich das Futterangebot schnell weiter verschlechtern. Deshalb reicht es nicht, nur vom Zaun aus einen Blick auf die Weide zu werfen. 6, 7

Pferdehalter sollten täglich prüfen: 

  • Finden die Pferde noch genügend Gras oder suchen sie nur nach einzelnen Halmen? 
  • Wie viele Stunden können sie tatsächlich fressen? 
  • Wird rechtzeitig ausreichend Heu angeboten? 
  • Können alle Tiere ohne Streit und Verdrängung ans Futter? 
  • Bleiben Gewicht und körperlicher Zustand stabil? 
  • Stürzen sich die Pferde ungewöhnlich gierig auf das Heu? 

Ein weiterer Risikofaktor für die Gesundheit kommt hinzu: Wird das Gras knapp, fressen Pferde möglicherweise auch weniger schmackhafte Pflanzen. Dadurch kann die Gefahr steigen, dass sie giftige Weidepflanzen anknabbern. Auch die Zäune sollten jetzt besonders sorgfältig kontrolliert werden, da hungrige Pferde verstärkt versuchen können, außerhalb der Fläche an Gras zu gelangen. 8

Wasser und Schatten werden bei Hitze noch wichtiger 

Vertrocknet das Gras, fällt zugleich ein Teil der Flüssigkeit weg, die Pferde sonst über frisches Weidegras aufnehmen. Für ein Pferd werden ungefähr fünf Liter Wasser je 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag angesetzt. Ein 600 bis 700 Kilogramm schweres Pferd benötigt damit schon unter normalen Bedingungen etwa 30 bis 35 Liter. Bei Hitze, Bewegung oder starkem Schwitzen kann der Bedarf deutlich steigen, mitunter auf 60 Liter und mehr. 9

Ein gewöhnlicher Wassereimer für mehrere Pferde kann daher schnell zu wenig sein. Entscheidend sind sein Fassungsvermögen und die Frage, wie häufig er kontrolliert und nachgefüllt wird. Das Wasser sollte sauber und frisch sein; Eimer und Tränken gehören möglichst in den Schatten. 

Schwitzt ein Pferd stark, steigt neben dem Wasser- auch der Natriumbedarf. Dann sollte geprüft werden, ob die Salz- und Elektrolytversorgung zur tatsächlichen Belastung und zur übrigen Fütterung passt. 

Auch der Schutz vor direkter Sonne darf nicht fehlen. Stehen Pferde über längere Zeit tagsüber auf der Weide, muss ein ausreichend großer natürlicher oder künstlicher Witterungsschutz vorhanden sein, den alle Tiere gleichzeitig nutzen können. 

Mehr zum Thema

Was können besorgte Passanten tun? 

Wer Pferde wiederholt über viele Stunden auf einer nahezu kahlen Weide ohne sichtbares Heu, ausreichendes Wasser oder Schatten beobachtet, sollte nicht vorschnell urteilen, aber auch nicht wegsehen. Von außen ist beispielsweise nicht erkennbar, wann die Pferde vor und nach dem Weidegang gefüttert oder wie häufig Wassereimer aufgefüllt werden. 

Sinnvoll ist es, die Situation über mehrere Tage zu unterschiedlichen Zeiten zu beobachten. Ort, Datum, Uhrzeit und sichtbare Bedingungen können sachlich notiert werden. Wenn möglich, sollte zunächst ruhig mit dem Halter gesprochen werden. 

Bleibt die Versorgung offensichtlich unzureichend, ist das zuständige Veterinäramt der richtige Ansprechpartner. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, Beobachtungen möglichst genau zu dokumentieren. Bei einem akuten Notfall sollte unmittelbar die Polizei verständigt werden. 10

Auch interessant: Hund verletzt, Katze gefunden, Reh angefahren – was darf ich im Notfall?

Fazit 

Wenn Hitze und Trockenheit das Gras vernichtet haben, ist eine Pferdeweide irgendwann nur noch ein Auslauf. Dann müssen Halter die Fütterung anpassen und Heu anbieten. Nicht erst am Abend, sondern so, dass während des Weideaufenthalts keine langen Fresspausen entstehen. 

Entscheidend ist nicht, wie viele Stunden ein Pferd draußen steht. Entscheidend ist, ob es während dieser Zeit tatsächlich genügend zu fressen und zu trinken hat und der Sonne ausweichen kann. Gerade jetzt müssen Pferdehalter deshalb täglich genau hinsehen.

Quellen

  1. dlg.org, „Das Tier im Blick – Pferde“ (aufgerufen am 15.08.2026) ↩︎
  2. pferdesport-deutschland.de, „Auslauf und Weide“ (aufgerufen am 15.08.2026) ↩︎
  3. Schwarzer, A. et al. (2024): „Pferdehaltung auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand“, Positionspapier der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz ↩︎
  4. Murray, M. J. und Eichorn, E. S. (1996): „Effects of intermittent feed deprivation, intermittent feed deprivation with ranitidine administration, and stall confinement with ad libitum access to hay on gastric ulceration in horses“, American Journal of Veterinary Research, 57(11), 1599–1603 ↩︎
  5. LUFA NRW/Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: „Empfehlungen für die Pferdefütterung nach den Fütterungshinweisen der GfE 2014 ↩︎
  6. Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen: „Tierwohl-Check Pferd – Leitfaden“ – PDF-Dokument ↩︎
  7. lw-heute.de, „Wenn die Pferdeweide zum Auslauf wird“ (aufgerufen am 15.08.2026) ↩︎
  8. Gartland, B. et al. (2024): „Time budgets differ in horses during continuous and space-restricted rotational grazing“, Veterinary and Animal Science, 25, 100371 ↩︎
  9. liebegg.ch, „Wasser - ein wichtiges Futtermittel“ (aufgerufen am 15.08.2026) ↩︎
  10. tierschutzbund.de, „So können Sie Tierquälerei melden“ (aufgerufen am 15.08.2026) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.