11. Mai 2026, 16:40 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Pferde verbringen täglich viele Stunden mit Fressen – und das hat einen guten Grund. Ihr Verdauungssystem ist auf eine nahezu permanente Futteraufnahme ausgerichtet. Was viele Pferdehalter unterschätzen: Eine zu geringe Heumenge kann ernsthafte Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden haben. Warum Heu mehr als ein Sattmacher ist und wie viel ein Pferd tatsächlich täglich benötigt, erklärt PETBOOK.
Pferde sind Dauerfresser – von Natur aus
Pferde verbrachten auch schon früher bis zu 16 Stunden täglich mit der Futteraufnahme. Da ihr Magen im Verhältnis zu ihrer Größe relativ klein ist, nehmen sie viele kleine Portionen Futter auf. Früher fraßen sie dabei enorme Mengen: Rund 50 bis 60 Kilogramm frisches Gras pro Tag. Allerdings muss bei frischem Gras immer der Wasserteil abgezogen werden. Dann entspricht die Nahrungsaufnahme einem Gewicht von etwa zehn bis zwölf Kilogramm Trockenmasse – ein Wert, der auch heute noch als Grundlage der Pferdefütterung gilt. 1
Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
Um für jedes Pferd die individuelle Menge an Heu zu bestimmen, geht man nach der sogenannten Heuformel: mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht des Tieres.
Ein 600 Kilogramm schweres Großpferd benötigt demnach neun bis zwölf Kilogramm Heu täglich. Aber Achtung: Diese Menge gilt als absolute Untergrenze. Die Berechnung beschreibt lediglich den Erhaltungsbedarf, also den Zustand ohne zusätzliche Arbeit oder Training. Bei höherem Energiebedarf sollten sich Pferdehalter von einem Tierarzt beraten lassen.2,3
Heu ist Basis jeder Pferdefütterung
Heu ist weit mehr als ein Sattmacher. Es liefert die lebenswichtige Rohfaser, die das Pferd im Dickdarm mithilfe von Mikroorganismen in Energie umwandelt. Anders als beim Menschen entsteht ein Großteil der Lebensenergie des Pferdes genau aus dieser Faserverwertung. Deshalb gilt: Heu und Gras sind das Fundament jedes Futterplans.
Bei Pferden mit geringer Arbeitsbelastung und hochwertigem Heu kann Kraftfutter sogar vollständig entfallen. Ergänzende Futtermittel wie Möhren, Äpfel oder Rüben liefern zusätzliche Vitamine – vor allem in der weidefreien Zeit.4
Warum lange Fresspausen krank machen
Pferde produzieren rund um die Uhr Magensäure. Neutralisiert wird sie ausschließlich durch Speichel – und der entsteht nur beim Kauen. Bleibt der Magen länger als vier Stunden leer, greift die Säure die Magenschleimhaut an. Die möglichen Folgen können Magengeschwüre oder Koliken sein.
Aus diesem Grund ist es entscheidend, dass Pferde möglichst kontinuierlich Raufutter zur Verfügung haben. Mehr Weidegang, Offenstallhaltung und ein jederzeit zugängliches Heuangebot können helfen, körperliche und auch psychische Schäden zu vermeiden.
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Wie sollte Heu gefüttert werden?
Pferde fressen am liebsten so, wie es auch ihre Vorfahren getan haben – also bodennah. Heunetze sollten daher nicht zu hoch hängen, gleichzeitig aber sicher angebracht sein, um Verletzungen zu vermeiden. Als Orientierung gilt: Die maximale Höhe für Tröge und Tränken beträgt 0,3 mal die Widerristhöhe des Pferdes. Raufutter sollte immer und vor allem vor dem Kraftfutter angeboten werden.
Heu ist kein Extra, sondern das Minimum
Wer sich fragt, wie viel Heu ein Pferd pro Tag frisst, sollte sich bewusst machen: Die empfohlene Menge ist kein Luxus, sondern das physiologische Minimum. Zu wenig Heu gefährdet nicht nur die Verdauung, sondern auch das Verhalten und das Wohlbefinden des Pferdes. Hochwertiges Heu in ausreichender Menge bleibt damit der wichtigste Baustein für eine gesunde und artgerechte Pferdehaltung.