1. Januar 2026, 16:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Das Pferd wirkt lustlos, frisst schlechter als sonst oder zeigt immer wieder leichte Koliksymptome – besonders nach der Fütterung oder beim Training? Solche Veränderungen werden im Alltag leicht als Stress, Trainingsproblem oder Alterserscheinung abgetan. Dahinter können jedoch schmerzhafte Veränderungen der Magenschleimhaut stecken. Magengeschwüre gehören zu den häufigsten Erkrankungen beim Pferd und bleiben dennoch oft lange unerkannt. PETBOOK klärt auf, wie sie entstehen, welche Symptome ernst zu nehmen sind und welche Behandlungsmöglichkeiten helfen.
Wie entstehen Magengeschwüre beim Pferd?
Der Magen des Pferdes ist mit einem Volumen von rund 8 bis 15 Litern proportional zum Körper vergleichsweise klein. Gleichzeitig produziert er – anders als der menschliche Magen – kontinuierlich Magensäure, unabhängig davon, ob Futter aufgenommen wird oder nicht. In freier Wildbahn verbringen Pferde bis zu 16 Stunden täglich mit der Nahrungsaufnahme. Dieses nahezu dauerhafte Fressen sorgt dafür, dass die Magensäure ständig durch Futter und Speichel abgepuffert wird.
Der Pferdemagen ist zudem anatomisch in zwei unterschiedliche Bereiche gegliedert. Der obere Abschnitt ist mit einer drüsenlosen Schleimhaut ausgekleidet, die als Speicher dient, aber kaum Schutz vor Magensäure bietet. Sie reagiert besonders empfindlich auf saure Einflüsse. Der untere Magenanteil besteht aus einer Drüsenschleimhaut, die Verdauungsenzyme bildet und über eigene Schutzmechanismen verfügt. Bleibt der Magen über längere Zeit leer oder wird vermehrt Magensäure produziert, gerät dieses Schutzsystem aus dem Gleichgewicht. Die Schleimhaut kann sich entzünden – schmerzhafte Läsionen und Magengeschwüre sind die Folge.1, 2
Gründe, warum Pferde Magengeschwüre bekommen
Magengeschwüre werden unter dem Begriff Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) zusammengefasst. Man unterscheidet zwischen Geschwüren der drüsenlosen Schleimhaut (Equine Squamous Gastric Disease, ESGD) und Veränderungen der Drüsenschleimhaut (Equine Glandular Gastric Disease, EGGD).
Grundsätzlich können Pferde aller Altersgruppen betroffen sein. Wobei es bestimmte Risikogruppen gibt, bei denen die Wahrscheinlichkeit höher ist, Magengeschwüre zu bekommen. Eine der häufigsten betroffenen Gruppen sind Rennpferde. Doch warum bekommen Pferde überhaupt Magengeschwüre? Dafür kann es viele verschiedene Ursachen geben:
- Stress: durch Training, Turniere, Transport, Stallwechsel oder soziale Konflikte
- Fütterungsfehler: lange Hungerphasen, kraftfutterbetonte Rationen und zu wenig Raufutter
- Haltungsbedingungen: reine Boxenhaltung ohne Auslauf, oder dauerhafte Unruhe in großen Gruppen
- Intensives Training: Magensäure vermehrt an empfindliche Magenbereiche schwappt
- Medikamente
- Begleiterkrankungen: orthopädische Probleme, oder vorausgegangene Koliken
Symptome erkennen
Die Symptome von Magengeschwüren sind vielfältig und oft unspezifisch. Viele Veränderungen entwickeln sich schleichend und werden erst spät mit dem Magen in Verbindung gebracht. Typische Anzeichen im Alltag sind:
- Wiederkehrende, meist leichte Koliken, häufig nach der Futteraufnahme
- Verminderter oder wählerischer Appetit
- Gewichtsverlust und Abmagerung
- Schlechter Allgemeinzustand
- Zähneknirschen oder sogenanntes Leerkauen
- Häufiges Flehmen oder Gähnen
- Verminderte Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit
- Verhaltensänderungen
- harter Bauch
Nicht jedes Pferd zeigt alle Symptome. Gerade bei Sport- und Freizeitpferden werden Leistungsabfall oder Verhaltensänderungen häufig anderen Ursachen zugeschrieben.
Diagnose
Besteht der Verdacht auf Magengeschwüre, sichert der Tierarzt die Diagnose idealerweise mit einer Gastroskopie (Magenspiegelung) ab. Dabei führt er ein Endoskop über den Nasengang und die Speiseröhre in den Magen ein und untersucht die Schleimhaut direkt. Voraussetzung für die Untersuchung ist ein mindestens zwölfstündiges Fasten, da der Magen vollständig entleert sein muss.
Der Tierarzt führt die Gastroskopie unter Sedation durch und sie dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten. Die Untersuchung ermöglicht eine genaue Beurteilung der Magenschleimhaut und erlaubt die Unterscheidung zwischen Geschwüren der drüsenlosen Schleimhaut (ESGD) und Veränderungen der Drüsenschleimhaut (EGGD). Gleichzeitig erkennt der Tierarzt weitere Erkrankungen wie Tumoren, Magenentleerungsstörungen oder Magendasseln.3, 4
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Behandlung
Die Therapie richtet der Tierarzt nach Lage und Schweregrad der Geschwüre aus. In den meisten Fällen setzt er Medikamente ein, die die Produktion von Magensäure hemmen. Die Behandlung erstreckt sich meist über etwa vier Wochen. Anschließend empfiehlt der Tierarzt eine Kontroll-Gastroskopie, um die vollständige Abheilung der Schleimhaut zu überprüfen. Bei konsequenter Therapie ist die Prognose sehr gut.
Magengeschwüre können aber auch in akuten Situationen operiert werden. Das kommt allerdings eher selten vor.
Vorbeugung im Alltag
Um Magengeschwüren wirksam vorzubeugen, kann man den Alltag am Stall gut optimieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei Stress, der die Entstehung von Geschwüren begünstigt.
Außerdem sollten Pferdehalter darauf achten, ihrem Pferd mehrmals täglich hochwertiges Raufutter anzubieten und lange Fresspausen konsequent zu vermeiden. Während einer laufenden Behandlung ist es sinnvoll, auf Kraftfutter zu verzichten. Nach Abschluss der Therapie sollte Kraftfutter nur in kleinen Mengen und immer nach der Raufuttergabe gefüttert werden.
Langsames Fressen fördert die Speichelbildung und trägt dazu bei, die Magensäure zu neutralisieren. Gleichzeitig sollten Pferdehalter Stressfaktoren gezielt reduzieren. Zu den häufigsten Auslösern zählen Stallwechsel, Transporte, soziale Unruhe in der Gruppe oder ein zu intensives Training. Klare Tagesabläufe, ruhige Haltungsbedingungen und ein an den Gesundheitszustand angepasstes Trainingspensum entlasten den Magen nachhaltig. Auch regelmäßige Bewegung und Weidegang wirken sich positiv auf das Wohlbefinden und die Magengesundheit aus. Besteht ein erhöhter Energiebedarf, können pflanzliche Öle oder getreidefreie Futtermittel eingesetzt werden. Sämtliche Maßnahmen sollten individuell auf das Pferd abgestimmt und stets in enger Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.