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2 Millionen Behandlungsdaten untersucht

Diese Hunderassen neigen laut Studie mehr zu Durchfallerkrankungen

Ein Goldendoddle Designerhund liegt krank im Badezimmer
Manche Hunde scheinen häufiger Durchfall zu haben als andere. Eine Studie bestätigt die Annahme. Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

13. Juni 2025, 14:06 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Durchfall ist weder für Mensch noch Tier angenehm. Klar, dass Halter ihren Vierbeinern gern schnell helfen wollen. Doch gibt es Hunderassen, die häufiger zu Durchfall neigen? Und warum geben Veterinäre immer noch so schnell Antibiotika? Eine Studie hat es untersucht.

Akuter Durchfall ist für Hunde nicht nur unangenehm, sondern auch einer der häufigsten Gründe für einen Tierarztbesuch. Eine groß angelegte britische Studie zeigt nun: Jeder zwölfte Hund wird jährlich wegen akuten Durchfalls behandelt – meist sehr erfolgreich. Anhand der Daten konnten Forscher auch ermitteln, welche Tiere eine eher empfindliche Verdauung haben und fanden klare Korrelationen zu Durchfall bei Mischlingen, reinrassigen sowie Designerhunden. Anhand der Daten konnte man auch sehen, welche Tiere am wenigsten mit Diarrhö in einer Praxis landen. Doch ein anderes Detail sorgt für Stirnrunzeln: Trotz klarer Empfehlungen dagegen erhalten viele Hunde immer noch Antibiotika – oft ohne echten medizinischen Grund.

Durchfall bei Hunden nicht immer eigenständige Diagnose

Durchfall zählt zu den häufigsten Symptomen bei Hunden in der tierärztlichen Praxis – wird jedoch oft nicht als eigenständige Diagnose erfasst. Schätzungen zufolge wird nur etwa ein Drittel der betroffenen Hunde überhaupt einem Tierarzt vorgestellt. Frühere Studien berichteten Prävalenzraten zwischen 2,2 und 3,8 Prozent.

Die aktuelle Untersuchung kommt jedoch auf deutlich höhere Werte. Obwohl akuter Durchfall meist selbstlimitierend ist – sprich, durch bestimmte Faktoren begrenzt oder zeitlich limitiert –, werden häufig Antibiotika verordnet. Und das trotz wachsender Kritik und Angst vor Antibiotikaresistenzen.

Eine europäische Expertenkommission und britische nationale Leitlinien raten daher bei milden und moderaten Fällen klar von einer Antibiotikagabe ab. Dennoch bleibt der Einsatz verbreitet, oft getrieben durch die Angst von Tierärzten, Erwartungen der Halter nicht zu erfüllen. Diese Diskrepanz zwischen klinischer Realität und medizinischer Evidenz war Ausgangspunkt der Studie.

Diarrhö beim Hund häufiger als gedacht – aber gut behandelbar

Die Studie des Royal Veterinary Colleges (RVC) in Zusammenarbeit mit dem Willows Veterinary Centre hat die Behandlung akuten Durchfalls bei Hunden unter die Lupe genommen. Die Analyse nutzte die VetCompass-Datenbank, die elektronische Gesundheitsdaten von Tierarztpraxen im Vereinigten Königreich sammelt. Es wurde ein Querschnitt aus dem Jahr 2019 analysiert, mit Fokus auf neu auftretende, unkomplizierte akute Durchfallereignisse.

Insgesamt umfasste das Ausgangskollektiv 2.250.417 Hunde. Per Textsuche wurden über 800.000 Verdachtsfälle ermittelt, von denen 8053 manuell überprüft wurden. Die Studie erschien am 11. Juni 2025 in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“. Ziel war es, Häufigkeit, Risikofaktoren und Therapiemuster dieser weitverbreiteten Erkrankung im Alltag der Tierarztpraxis wissenschaftlich zu untersuchen.

1835 Fälle erfüllten die Kriterien und wurden als „akuter Durchfall“, bei Mischlingen, reinrassigen sowie bei den sogenannten Designerhunden klassifiziert. Ein Vorfall galt als „akut“, wenn kein Durchfall in den 30 Tagen zuvor dokumentiert war und keine andere übergeordnete Diagnose (z. B. Infektion oder Vergiftung) gestellt wurde. Für die Analyse wurden auch Angaben zu Rasse, Alter, Geschlecht, Gewicht, Begleitsymptomen und Behandlungsmethoden berücksichtigt.

Designerhunde häufiger wegen Durchfall behandelt

Der geschätzte Jahresinzidenzwert für akuten Durchfall lag bei 8,18 Prozent – deutlich höher als bisher angenommen. Bei 80,27 Prozent der Fälle reichte jedoch ein einziger Tierarztbesuch aus. Die häufigsten Begleitsymptome waren Erbrechen (44,25 %), Appetitverlust (27,68 %) und Abgeschlagenheit (24,20 %). In 29,32 Prozent der Fälle wurde blutiger Durchfall dokumentiert.

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Trotz gegenteiliger Empfehlungen erhielten 38,2 Prozent der Hunde Antibiotika – bei blutigem Durchfall sogar 58,55 Prozent. Die am häufigsten verabreichten Präparate waren Metronidazol (65,19 %), gefolgt von Amoxicillin. Die meistverwendeten anderen Behandlungen waren Probiotika (59,62 %), Diätmanagement (43,98 %) und das Antiemetikum Maropitant (24,03 %).

Um zu schauen, welche Hunde ein erhöhtes Risiko für Durchfall haben, wurden Mischlings als Ausgangspunkt genommen und die Inzidenz von dort aus berechnet. Sechs Rassen zeigten dabei ein erhöhtes Risiko im Vergleich:

Das Risiko war auch bei sehr jungen (<3 Jahre) und älteren (>9 Jahre) Hunden deutlich erhöht. Kastrierte oder sterilisierte Tiere hatten ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko im Vergleich zu intakten Hunden.

Durchfall bleibt zentrales Thema für Tierärzte und Halter

Auch bei Cavalier King Charles Spaniel, Labradoodle, Golden Retriever und English Bulldog zeigten sich grenzwertige Korrelationen. Deutlich weniger häufig zeigte sich Durchfall besonders bei Chihuahua und Jack Russell Terrier, aber auch die Französische Bulldogge, Husky und Patterdale Terrier fanden sich auf den letzten Plätzen.

Diese Studie bietet erstmals auf breiter Datenbasis fundierte Einblicke in das Management von akutem Durchfall im tierärztlichen Alltag. Die hohe Inzidenz zeigt, dass Durchfall ein zentrales Thema für Tierärzte und Halter bleibt. Besonders bemerkenswert ist, dass bei über 80 Prozent der Hunde ein einziger Besuch ausreichte – ein Hinweis darauf, dass die Prognose unter tierärztlicher Betreuung insgesamt sehr gut ist.

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Dennoch ist der häufige Einsatz von Antibiotika bedenklich. Dieser steht im klaren Widerspruch zu aktuellen Leitlinien und könnte zur Entwicklung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Die identifizierten Risikogruppen – bestimmte Rassen sowie sehr junge und ältere Tiere – bieten eine wichtige Grundlage für gezieltere Prävention und Aufklärung.

Zudem zeigen die Ergebnisse, dass sogenannte Designerhunde offenbar besonders häufig von Durchfall betroffen sind, was Züchter und zukünftige Halter zum Nachdenken anregen sollte.

Die Studie beruht auf elektronischen Gesundheitsdaten von 2019 und spiegeln hauptsächlich die Praxisstandards großer tierärztlicher Ketten wider, nicht unbedingt das gesamte Spektrum der britischen Tiermedizin. Allerdings sind die Datensätze auch umfassend und sehr aussagekräftig. Sie bieten ein umfassenderes Bild, als es in vielen anderen Ländern ohne entsprechende Digitalisierung möglich ist. Zudem ist die tierärztliche Gesundheitsversorgung in Großbritannien mit einem Großteil der entwickelten Welt gut vergleichbar, sodass die Daten auch in Deutschland Anwendung finden können.

Fazit

Diese umfassende Untersuchung zeigt: Akuter Durchfall ist bei Hunden weitverbreitet, verläuft meist harmlos – und wird dennoch häufig mit Antibiotika behandelt, obwohl dies in vielen Fällen medizinisch nicht nötig wäre. Für Tierärzte sowie Halter bedeutet das: Mehr Vertrauen in unterstützende Therapien wie Diät und Probiotika, weniger „Sicherheitsverordnungen“ mit Antibiotika. Zukünftige Aufklärungsarbeit sollte besonders bei den Haltern risikobehafteter Rassen, Designerhunden und für Durchfall prädestinierten Altersgruppen ansetzen. 1

Quellen

  1. O’Neill DG, Prisk LJ, Brodbelt DC, Church DB, Allerton F (2025): Epidemiology and clinical management of acute diarrhoea in dogs under primary veterinary care in the UK. PLOS ONE 20(6): e0324203. ↩︎

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