28. Juli 2026, 17:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Von wegen klein und harmlos: Der Honigdachs gilt als eines der furchtlosesten Tiere der Welt. Obwohl er nur etwa so groß wie ein Dackel wird, soll er sich sogar mit Löwen, Leoparden und Hyänen anlegen. Seinen Ruf verdankt der zähe Räuber einer ganzen Reihe außergewöhnlicher Anpassungen – von seiner dicken Haut bis hin zu seiner bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit gegen Schlangengift. PETBOOK stellt den beeindruckendsten Überlebenskünstler Afrikas vor.
Warum Honigdachse selbst große Raubtiere beeindrucken
Der Honigdachs (Mellivora capensis), auch Ratel genannt, gehört zur Familie der Marder. Mit einem Gewicht von meist nur sechs bis maximal 15 Kilogramm wirkt er zunächst wenig beeindruckend. Dennoch genießt dieses Wildtier in weiten Teilen Afrikas einen nahezu legendären Ruf. Das Tier legt sich mit Gegnern an, die um ein Vielfaches größer sind als es selbst, verteidigt sich gegen Löwen, Leoparden sowie Hyänen und frisst sogar hochgiftige Schlangen.1
Der Grund dafür ist eine Kombination aus außergewöhnlicher Wehrhaftigkeit, Zähigkeit und einem bemerkenswerten Kampfgeist. Guinness World Records führte den Honigdachs bereits als „furchtlosestes Säugetier der Welt“.
Eine Haut wie eine Rüstung
Eine der wichtigsten Waffen des Honigdachses versteckt sich direkt unter seinem Fell. Seine Haut ist außergewöhnlich dick und schützt so vor Bissen, Stichen und Kratzern. Gleichzeitig ist sie aber auch erstaunlich locker. Greift ein Löwe, Leopard oder eine Hyäne zu, kann sich der Honigdachs innerhalb seiner Haut drehen und nach dem Angreifer schnappen. Dadurch gelingt es ihm oft dann noch zurückzubeißen, wenn er bereits gepackt wurde. Außerdem haben große Raubtiere dadurch Schwierigkeiten, das Tier festzuhalten.
Auch interessant: Diese Tiere können mit einem Biss Knochen zerbrechen
Warum selbst Kobras auf dem Speiseplan stehen
Honigdachse sind Allesfresser, verschmähen aber auch gefährliche Beute nicht. Ein erstaunlich großer Teil ihrer Nahrung besteht aus Reptilien. Dabei stehen auch giftige Schlangen wie Kobras oder Mambas auf dem Speiseplan.
Forscher haben herausgefunden, dass Honigdachse über spezielle Anpassungen im Nervensystem verfügen. Diese sorgen dafür, dass bestimmte Neurotoxine giftiger Schlangen deutlich schlechter wirken als bei vielen anderen Säugetieren. Vollständig immun sind die Tiere zwar nicht, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Schlangengift ist aber trotzdem außergewöhnlich hoch.2
Lange Krallen machen den Honigdachs zum Alleskönner
Zusätzlich verfügt der Honigdachs über kräftige Vorderpfoten mit mehr als drei Zentimeter langen Krallen. Mit ihnen gräbt er, öffnet Termitenhügel und reißt sogar Bienenstöcke auf.
Seinen Namen verdankt er übrigens seiner Vorliebe für Honig. Honigdachse plündern regelmäßig Bienenstöcke und fressen neben dem süßen Naturprodukt auch die energiereichen Larven der Insekten. Neben den langen Krallen kommt ihm auch hier sein dickes Fell zugute. Das schützt den kleinen Räuber vor Bienenstichen.3
Ein übel riechendes Geheimnis
Sollten Haut, Zähne und Krallen nicht ausreichen, besitzt der Honigdachs noch eine weitere Verteidigungswaffe. Ähnlich wie Stinktiere kann er ein stark riechendes Sekret aus seinen Analdrüsen abgeben. Der moschusartige Geruch dient sowohl zur Reviermarkierung als auch zur Abschreckung möglicher Feinde.
8 faszinierende Fakten über Geparde
Warum klappern eigentlich Klapperschlangen?
Wo leben Honigdachse?
Das Verbreitungsgebiet des Honigdachses reicht von weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara bis nach Saudi-Arabien, Iran und Indien. Die Tiere gelten als ausgesprochen anpassungsfähig und kommen in Savannen, Halbwüsten, Wäldern und sogar Gebirgsregionen vor. Tagsüber ziehen sie sich häufig in selbst gegrabene oder übernommene Baue zurück.
Nicht unverwundbar
Trotz ihres Rufes sind Honigdachse nicht unbesiegbar. Vor allem Jungtiere fallen gelegentlich Leoparden, Schakalen oder Greifvögeln zum Opfer. Die größte Gefahr geht heute jedoch vom Menschen aus. In einigen Regionen geraten Honigdachse in Konflikt mit Imkern und Geflügelhaltern. Hinzu kommen Verkehrsunfälle, Fallen und Vergiftungen. Obwohl die Art von der Weltnaturschutzunion IUCN derzeit als nicht gefährdet eingestuft wird, nehmen die Bestände mancherorts stark ab.