Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Insekten Alle Themen
Biologin erklärt

Machen Hornissen oder Wespen eigentlich auch Honig?

Hornisse an Blüte
Auch Hornissen fliegen gelegentlich mal Blüten an – Nektar sammeln sie dort aber nicht Foto: Getty Images
Artikel teilen
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

18. Mai 2026, 17:06 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wer Wespen oder Hornissen an Blüten beobachtet, fragt sich schnell: Machen die Insekten vielleicht auch Honig? Schließlich leben auch sie in großen Staaten – wie Honigbienen. Doch obwohl Wespen und Hornissen durchaus süße Pflanzensäfte aufnehmen, legen sie keine Honigvorräte an. Warum das so ist, weshalb ihre Brut ganz anders ernährt wird als bei Bienen, erklärt PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider.

Wespen und Hornissen besuchen auch Blüten

Honigbienen kennt jeder: Sie fliegen von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und machen daraus Honig. Doch wer im Sommer genauer hinschaut, entdeckt auch Wespen oder sogar Hornissen an Blüten. Kein Wunder also, dass sich viele Menschen fragen: Machen Wespen und Hornissen vielleicht ebenfalls Honig?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Zwar nehmen auch Wespen Nektar auf, doch Honig produzieren sie nicht. Daher gibt es in einem Wespennest oder Hornissenstaat weder Honigwaben noch Vorratskammern voller süßer Reserven. Warum das so ist, wird verständlicher, wenn man sich anschaut, warum Honigbienen überhaupt Vorräte anlegen.

Nektar ja, Honig nein – warum Wespen und Hornissen keine Vorräte anlegen

Honig ist für Bienen vor allem eines: ein Wintervorrat. Honigbienenvölker überstehen den Winter als gesamter Staat. Tausende Tiere müssen monatelang versorgt werden, obwohl draußen nichts blüht. Deshalb sammeln Bienen enorme Mengen Nektar und verarbeiten ihn zu haltbarem Honig.

Auch Hummeln legen kleine Honigvorräte an – obwohl bei ihnen nur die begatteten Jungköniginnen überwintern. Der Honig dient dort vor allem als Energiereserve für das Volk während der Saison.

Wespen und Hornissen verfolgen dagegen eine völlig andere Strategie. Ihre Staaten sterben im Herbst ab. Nur die jungen Königinnen überleben den Winter und gründen im nächsten Frühjahr ein neues Nest. Große Nahrungsvorräte wären deshalb gar nicht sinnvoll.

Das zeigt sich auch im Aufbau ihrer Nester. Bei Bienen und Hummeln gibt es unterschiedliche Zellen: manche dienen der Brut, andere als Vorratskammern für Pollen oder Honig. In Wespen- und Hornissennestern existiert diese Trennung nicht. Jede einzelne Zelle ist eine Brutzelle. Dort wird ein Ei abgelegt, aus dem sich später eine Larve entwickelt. Platz für Honigvorräte gibt es nicht.

Hinzu kommt: Wespen und Hornissen ernähren ihre Brut ganz anders als Bienen.

So ernähren sich Wespen und Hornissen

Bienen sammeln große Mengen Pollen, weil ihre Larven viel Eiweiß für das Wachstum benötigen. Wespen und Hornissen decken diesen Eiweißbedarf dagegen über tierische Nahrung. Sie jagen andere Insekten oder nutzen auch Aas als Proteinquelle.

Vor allem Hornissen sind beeindruckende Jägerinnen. Sie erbeuten Fliegen, Bremsen oder andere Insekten, zerkauen sie zu einem Brei und verfüttern diesen an ihre Larven. Die Brut bekommt also eiweißreiche „Fleischkost“ statt Pollenbrei.

Das Problem dabei: Tierische Nahrung lässt sich kaum lagern. Ein Vorratslager voller Insekten würde schnell verderben. Wespen müssten ihre Beute praktisch konservieren, damit sie nicht im Nest verrottet. Deshalb sammeln sie immer nur so viel Nahrung, wie gerade benötigt wird.

Die erwachsenen Tiere selbst haben übrigens einen ganz anderen Speiseplan als ihre Larven. Ausgewachsene Wespen und Hornissen wachsen nicht mehr. Sie brauchen vor allem Energie zum Fliegen – und die gewinnen sie aus Zucker. Deshalb trinken sie Nektar oder andere süße Flüssigkeiten.

Auch interessant: Darum fliegen Wespen im Sommer verstärkt auf Fleisch und Wurst 

Mehr zum Thema

Warum Wespen vor allem im Spätsommer an die Marmelade gehen

Viele Menschen kennen das: Im Hochsommer scheint keine Kaffeetafel sicher vor Wespen zu sein. Kuchen, Limonade oder Marmelade ziehen die Insekten magisch an. Doch warum passiert das besonders im Spätsommer?

Der Grund liegt im Nahrungsangebot der Natur. Im Frühjahr und Frühsommer finden Wespen meist noch genügend Blüten und andere Zuckerquellen wie Früchte. Gegen Ende des Sommers wird das Angebot jedoch knapper. Gleichzeitig befinden sich die Wespenstaaten in ihrer größten Entwicklungsphase – es gibt also besonders viele hungrige Tiere.

Jetzt beginnen Wespen, nach alternativen Zuckerquellen zu suchen. Dabei werden sie deutlich risikofreudiger und fliegen auch menschliche Nahrung an. Selbst Honigbienenvölker werden manchmal ausgeraubt, wenn dort leicht zugängiger Honig lockt. Das gilt allerdings nur für die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Andere Wespenarten oder auch Hornissen verhalten sich dabei meist deutlich zurückhaltender als die bekannten „Kuchenwespen“.

In der Natur spielt dann vor allem Efeu eine wichtige Rolle. Die spät blühende Pflanze gehört zu den letzten großen Nektarquellen des Jahres. Imker sprechen hier von einer „Tracht“, also einer Zeit mit besonders reichem Blütenangebot. Wer im Herbst einen blühenden Efeu beobachtet, entdeckt dort oft zahlreiche Wespen, Bienen und andere Insekten gleichzeitig. Für viele Wespen ist dieser Nektar jetzt überlebenswichtig.

Fazit: Kein Honig, aber trotzdem nützlich

Wespen und Hornissen fliegen zwar ab und zu Blüten an, produzieren aber keinen Honig. Anders als Honigbienen legen sie keine Vorräte an, weil ihre Staaten den Winter nicht überstehen. Stattdessen nutzen sie ihre Nestzellen ausschließlich für die Brut.

Übrigens: Wespen versorgen ihre Brut täglich mit rund 250 Gramm Insekten. Darunter Fliegen, Stechmücken, Raupen und Blattläuse. Sie sind also nicht nur lästig, sondern auch ziemlich nützlich.1

Wer genauer hinsieht, entdeckt hinter dem oft schlechten Ruf der Wespen faszinierende soziale Insekten mit einer völlig anderen Lebensweise als die der Honigbienen.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin


Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Von 2018 bis 2022 arbeitete sie als Redakteurin beim Deutschen Bienenjournal, einer Fachzeitschrift für Imker, und hält seit über 15 Jahren eigene Bienenvölker im Botanischen Garten Berlin.

Quellen

  1. quarks.de, „Darum sind Wespen ... eigentlich ganz okay“ (aufgerufen am 18.05.2026) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.