Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Verhalten erklärt

Warum Pferde mit den Hufen scharren

Pferd scharrt mit dem Huf
Wenn ein Pferd mit dem Huf scharrt, kann das verschiedene Gründe haben. Foto: GettyImages / SashaFoxWalters
Artikel teilen
PETBOOK-Redaktion

7. März 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit am Putzplatz – und schon hallt es durch die Stallgasse: ein Huf auf Beton. Viele Pferdebesitzer kennen dieses Geräusch nur zu gut – das Pferd scharrt. Doch was steckt wirklich hinter dem Hufscharren? Ist es bloße Ungeduld, eine schlechte Angewohnheit – oder ein ernstzunehmendes Signal?

Beim Putzen möchte man eigentlich nur mal kurz zurück in die Sattelkammer huschen, und schon hört man ein altbekanntes Geräusch. Ein Ratsch und ein heller Knall. Halb genervt und halb in Sorge eilt man zum Pferd zurück, welches einen ganz unschuldig mit großen Augen anschaut. Bei meiner Ponystute Little Princess war es lange Zeit ähnlich. Und lange wusste ich ebenso nicht, warum das Pferd scharrte.

So ergeht es auch zahlreichen anderen Leuten, wie sich aus Pferdeforen herauslesen lässt. Doch nachdem viele Nutzer ihr Leid geteilt und um Tipps und Tricks gebeten haben, folgt eine Menge an Ratschlägen, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Von „Der will nur Aufmerksamkeit“ bis zu „Putze einfach das Bein, mit dem er scharrt“ ist alles dabei. Aber bringt das was oder liegt der Problemherd ganz woanders?

Warum Hufescharren nicht erst am Putzplatz beginnt

Menschen, die sich vielleicht nicht bis zum Abwinken mit Pferden beschäftigen, fragen sich zu Recht: „Pferde scharren doch auch in der Natur, warum ist das jetzt ein Problem?“ Und damit liegen sie gar nicht so falsch. Pferde scharren nicht erst, seitdem sie am Putzplatz gestriegelt werden. Eigentlich ist das Hufescharren sogar natürlich, erklärt ein Forscherteam um Christina L. Butler und Katherine A. Houpt vom College of Veterinary Medicine der Cornell University in einer Studie mit dem Titel „Scharren bei Standardbred-Rennpferden: Vorkommen und Verhaltensmuster“. In der Studie wurde das Scharrverhalten von Rennpferden über den Tag untersucht.

Vorangestellt hieß es, dass Pferde in der Natur häufig scharren. Oftmals dient das Hufklopfen als Kommunikationsmittel, hilft bei der Futtersuche oder zum Auflockern des Bodens, bevor sich Pferde zum Wälzen hinlegen. Hufescharren ist also per se nichts Schlechtes. Was unterscheidet also dieses Scharren von dem in der Stallgasse, in der Box oder auf dem Putzplatz? Wenn ein Pferd den Huf über den harten Betonboden schleift, dann wird das oft als unerzogen wahrgenommen. Aber meistens ist das nicht der Fall und es stecken ganz andere Gründe dahinter. 1

Auch interessant: Darum kaufen viele ihrer Katze jetzt einen Betonblock

Warum Scharren problematisch werden kann

So natürlich das Scharren grundsätzlich ist, so sehr kommt es auf das Maß und den Kontext an. Einzelne, situative Bewegungen auf weichem Boden, wie im Stroh, auf der Weide oder sogar im Seewasser, sind meist unbedenklich. Kritisch wird es jedoch, wenn ein Pferd regelmäßig und über längere Zeit auf hartem Untergrund scharrt, etwa auf Beton in der Stallgasse oder auf dem Putzplatz.

Dabei können Hufe besonders stark abgenutzt werden. Treten die Bewegungen zudem auffallend häufig in angespannten Situationen auf oder gehören sie dauerhaft zum Alltag, lohnt sich eine genauere Beobachtung. Entscheidend ist also weniger die Bewegung selbst als ihre Intensität, Häufigkeit und der Zusammenhang, in dem sie gezeigt wird.2

Auch interessant: Schlafen Pferde wirklich nur im Stehen?

„Der will nur Aufmerksamkeit!“

Tatsächlich habe ich es in meinem aktiven Reitleben schon erlebt, dass einige Pferdehalter die Schuld bei ihrem Tier suchten und das Verhalten sogar oftmals unbewusst negativ verstärkten. Denn Pferde lernen schnell: Scharren sie – und der Mensch reagiert sofort, sei es mit Aufmerksamkeit, Ansprache oder indem er schneller mit Futter oder dem Herausbringen beginnt –, verknüpfen sie beides miteinander. Das Verhalten wird so ungewollt gefestigt. In solchen Fällen hat das Scharren nichts mit „Bösesein“ zu tun, sondern ist schlicht ein Ergebnis von Lernprozessen. Pferde sind Meister darin, Muster zu erkennen. Manchmal sagt das Scharren daher weniger über den Charakter des Pferdes aus als über die Abläufe im Stall.

Allerdings sollte man das Tier nicht einfach ignorieren. Ich habe immer wieder erlebt, wie hilfreich es ist, genau hinzusehen und die Signale des Pferdes ernst zu nehmen, um dem eigentlichen Problem auf die Spur zu kommen.

Pferde kommunizieren nämlich anders als wir Menschen. Während wir oft unsere Bedürfnisse verbalisieren können, teilen sich Pferde eher über Körpersprache mit. Nebenbei brummen sie auch mal gelegentlich vor sich hin, wiehern oder quietschen auch mal auf. Wenn die Tiere mit den Hufen scharren, dann kann das auch eine Art Signal sein. 3

Mehr zum Thema

Wenn das Pferd in der Box scharrt

Scharrt ein Pferd in der Box, lohnt sich ein genauer Blick auf die Umstände. In einer Studie der Cornell University wurden 41 Standardbred-Rennpferde über 62 Tage hinweg zweimal täglich in ihren 3,3 × 3 Meter großen Stallboxen beobachtet. Mehr als die Hälfte der Tiere – 58,5 Prozent – zeigte mindestens einmal Scharrverhalten. Auffällig war, dass die Pferde am Nachmittag, also mehrere Stunden nach dem Training, signifikant häufiger scharrten als am Morgen vor dem Training. An trainingsfreien Tagen verschwand dieser Unterschied. Das deutet darauf hin, dass Scharren in der Box nicht automatisch Ungeduld oder Aufmerksamkeitssuche bedeutet. 4

Die Forscher vermuten vielmehr, dass körperliche Belastung eine Rolle spielen könnte – etwa, wenn Pferde versuchen, ihr Gewicht anders zu verteilen oder sich durch leichtes Verändern des Untergrunds eine bequemere Standposition zu schaffen. Statt das Verhalten vorschnell als „Unart“ zu bewerten, sollte man also auch mögliche körperliche Ursachen in Betracht ziehen. Die Forscher kamen allerdings auch zu dem Schluss, dass diese Fragen noch weiterer wissenschaftlicher Aufklärung bedürfen.

Wenn ein Scharren mehr sagt als tausend Worte

Scharren kann außerdem ein Ausdruck von Erregung, Nervosität oder Erwartung sein. Vielleicht kennen Sie das: Auf dem Nachbarpaddock entsteht plötzlich Bewegung, es geht gleich zum Training oder eine neue Situation sorgt für Aufmerksamkeit – und Ihr Pferd beginnt, unruhig mit dem Huf über den Boden zu schaben. In solchen Momenten steigt die innere Spannung, und das Scharren wird zum sichtbaren Zeichen dafür.

Oft bleibt es nicht bei dieser einen Bewegung. Der Hals spannt sich an, die Haltung wird etwas aufrechter, der Blick richtet sich konzentriert nach vorn, manchmal ist auch ein leises Brummen oder Wiehern zu hören. Das Pferd ist wach, aufmerksam und die Ohren sind gespitzt. Statt vorschnell von einer Unart zu sprechen, lohnt es sich daher, das Gesamtbild zu betrachten: Häufig steckt schlicht eine gespürte Anspannung hinter dem Verhalten.

Im Ernstfall kann aber auch ein solches Verhalten auf mögliche Schmerzen hinweisen. Oft ist es dann sinnvoll, das Pferd beim Tierarzt vorzustellen und abklären zu lassen. Gerade wenn noch Symptome, wie Schweifschlagen oder Tritte gegen den Bauch dazukommen.

Quellen

  1. petmd.com, „Why Do Horses Paw the Ground?“ (aufgerufen am 07.03.2026) ↩︎
  2. landtiere.de“, „Wenn das Pferd mit den Hufen scharrt – mangelnde Erziehung oder Stress?“ (aufgerufen am 07.03.2026) ↩︎
  3. pm-forum-digital.de, „Die Sprache der Pferde“ (aufgerufen am 07.03.2026) ↩︎
  4. Butler, C. L., Houpt, K. A. (2014): Pawing by Standardbred Racehorses: Frequency and Patterns. Journal of Equine Science, Vol. 25, No. 3, S. 57–59. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.