24. November 2025, 6:04 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wissen Sie, wie Pferde „Hallo“ sagen? Nicht mit einem Wiehern oder Kopfnicken – sondern mit Blicken, Bewegungen und feinen Gesten. Pferde sprechen mit ihrem ganzen Körper. Wer diese Zeichen zu deuten weiß, kann die Beziehung zwischen Mensch und Tier nachhaltig stärken. PETBOOK zeigt, worauf es dabei ankommt.
Pferde kommunizieren über ihre Körpersprache
Pferde verständigen sich auf erstaunlich feine Weise – hauptsächlich über ihre Körpersprache. Sie gelten als hochsensible Tiere, die selbst schon kleinste Signale ihrer Artgenossen wahrnehmen und deuten können. Wer diese nonverbale Sprache nicht versteht, übersieht leicht wichtige Botschaften. Natürlich wiehern Pferde manchmal oder brummen leise, doch die eigentliche Kommunikation findet still statt – über Maul, Augen, Ohren und Schweif.
Wie wichtig es ist, auf diese Zeichen zu achten, habe ich an meiner Pony-Stute gelernt. Sie war aufmerksam, lebhaft und stets wachsam – typisch für ein Fluchttier. Beim Spazierengehen registrierte sie jede Bewegung und jedes Geräusch in ihrer Umgebung. Auch wenn sie ruhig wirkte, verrieten ihre Ohren, dass sie ständig „zuhörte“. Raschelte es im Gebüsch oder huschte eine Maus vorbei, spannte sie sich an – deutlich zu sehen an der festgezogenen Oberlippe. In solchen Momenten half oft schon ein sanftes Wort oder eine ruhige Geste, um ihr zu zeigen: Alles ist gut, keine Gefahr. Wer aber das Verhalten des Pferdes abstraft, weil es stehen bleibt oder anfängt zu tänzeln, der kann die Bindung zu seinem Tier schädigen.
Wie Pferde sich begrüßen
Wenn sich zwei Pferde begegnen, kann man ein sehr typisches Verhalten beobachten. Zuerst nähern sie sich langsam und vorsichtig an – mit gespitzten Ohren und aufmerksamem Blick. Sie möchten herausfinden, ob das andere Pferd freundlich ist und von ihm keine Gefahr ausgeht. Dann beginnen sie, aneinander zu beschnuppern – aber nicht an beliebiger Stelle, sondern ganz gezielt an den Nüstern des anderen. Dort können Pferde Gerüche besonders gut wahrnehmen. Über den Geruchssinn erkennen sie, ob das andere Tier vertraut oder fremd ist.
Oft hört man dabei ein leises Schnauben, mit dem die Pferde zeigen, dass sie entspannt sind. Wenn sie sich sympathisch sind, bleibt es nicht nur beim Beschnuppern: Manche Pferde berühren sich sanft mit der Nase oder beginnen, einander am Hals oder Widerrist zu kraulen. Bei einer ersten Begegnung kann es aber auch sein, dass ein Pferd kurz zurückweicht oder den Kopf hebt, um die Situation besser einschätzen zu können. Das gehört mit dazu und heißt nicht direkt, dass die Tiere sich nicht leiden können. Ein Gefühl von Sicherheit und des gegenseitigen Respekts entsteht nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt mit kleinen Annäherungen.
Warum man Pferde nicht einfach anfassen sollte
Pferde haben, genau wie Menschen, ihren eigenen persönlichen Bereich. Als Fluchttiere sind sie ständig damit beschäftigt, ihre Umgebung aufmerksam zu beobachten. Sollte sich etwas als gefährlich herausstellen, können sie sofort reagieren – meist, indem sie die Flucht ergreifen. Wenn Pferde neue Gegenstände oder Lebewesen kennenlernen, tun sie das in ihrem eigenen Tempo und auf ihre Weise.
Wer auf ein fremdes Pferd zugeht und es sofort berührt, kann leicht dessen Grenzen überschreiten. Für das Tier fühlt sich das wie ein Übergriff an. Es erschrickt oder zieht sich innerlich zurück. Solche Erfahrungen wirken sich oft negativ auf die Beziehung zwischen Mensch und Pferd aus – sie wird angespannt, statt vertrauensvoll. Respekt und Geduld sind daher die wichtigste Grundlage für eine harmonische Verbindung.
Wie Sie die Körpersprache von Pferden lesen können
Die ersten Trainingsschritte mit dem eigenen Pferd
So sagen sie ihrem Pferd richtig „Hallo“
Für viele Pferdehalter ist es der schönste Moment des Tages: endlich das eigene Pferd zu sehen. Selbst wenn dafür ein langer Weg über die Koppel oder ein matschiger Paddock nötig ist, lohnt sich jeder Schritt. Wenn ich meine Stute rief, hatte ich oft Glück – und konnte ich mir ein paar Meter sparen. Gemächlich trottete sie heran, meist noch mit einem Büschel Gras oder Heu im Maul. An manchen Tagen aber nahm sie plötzlich Schwung auf, trabte oder galoppierte mir freudig entgegen.
Unser Begrüßungsritual blieb immer dasselbe: Ich hielt ihr meinen Handrücken hin, damit sie daran schnuppern konnte. Sie prüfte kurz meinen Geruch, schnaubte zufrieden – und die Stimmung war klar. Dann folgte die erste kleine Kuscheleinheit. Ich kraulte sie am Widerrist, so wie es Pferde tun, die sich mögen. Dabei wurde sie ganz entspannt, ließ die Unterlippe hängen und genoss den Moment. Manchmal verzichtete ich dann auf das Halfter und ging einfach los Richtung Koppelausgang. Meine Stute folgte mir von selbst – ein stilles Zeichen von Vertrauen und Verbundenheit.
Mit der richtigen Begrüßung bauen Sie Vertrauen auf
Pferde verständigen sich auf ihre eigene, stille Weise. Wer lernt, diese nonverbale Kommunikation zu verstehen, kann eine tiefe Bindung zu seinem Pferd aufbauen. Eine ruhige und behutsame Begrüßung mit einem respektvollen Abstand zeigt dem Pferd: „Ich sehe dich, ich respektiere dich, von mir geht keine Gefahr aus“. Auf einer solchen Basis kann nachhaltiges Vertrauen entstehen und die Bindung zwischen Tier und Mensch gestärkt werden.