2. September 2025, 14:02 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Wenn die Katze plötzlich am Futternapf scharrt, als würde sie ihn mit ihrer Toilette verwechseln, ist dies für Halter ziemlich irritierend. PETBOOK-Redakteurin und Katzenexpertin Louisa Stoeffler weiß, welche Gründe es für das Verhalten geben kann – und warum es manchmal mehr mit Instinkt, manchmal aber auch mit Alltagsproblemen zu tun hat.
Übersicht
Meine Beobachtungen aus Katzensitting – und Haltung
Als Katzensitterin bekomme ich regelmäßig Einblicke in Haushalte mit mehreren Katzen – und gerade dort ist mir das Scharren am Napf besonders häufig aufgefallen. Einmal betreute ich ein Pärchen aus Katze und Kater. Die Dynamik zwischen den beiden stimmte überhaupt nicht. Die Katze war die „Mobberin“, der Kater der eher Zurückgezogene. Sie wollte nicht einmal einen Raum mit ihm teilen, nur auf dem Kratzbaum hatte er vor ihr Ruhe.
Die Näpfe der beiden standen dicht nebeneinander und der Futterplatz war nicht sonderlich sauber. Natürlich war die Kätzin auch die Erste am Napf. Kaum hatte sie ein paar Bissen verschlungen, scharrte sie am Boden, als wollte sie die Reste verschwinden lassen. Wenn der Kater schließlich an den Napf „durfte“, scharrte er ebenfalls. Für mich wirkte es bei ihr wie der Wunsch, ihrem Mitbewohner das Essen streitig zu machen, und bei ihm wie der Versuch, sich irgendwie vor der dominanten Mitbewohnerin abzusichern und seinen Stress abzubauen.
Doch dieses Phänomen zeigt sich nicht nur bei unterschiedlichen Geschlechtern, sondern auch bei zwei Kätzinnen, die dasselbe Thema auf ihre Weise ausleben. Auch hier stehen die Näpfe viel zu nah beieinander. Die eine stürzt sich gern auf das Futter der anderen, was nicht selten in Knurren, erhobenen Pfoten und angespannten Blicken endet. Besonders spannend: Wenn eine Katze ihr Futter nicht aufessen kann, versucht sie oft, es zu verscharren – ganz offensichtlich, damit die andere es nicht bekommt. Hier mischen sich uralte Instinkte mit einer handfesten Konkurrenzsituation im Alltag.
Auch bei meinem Kater Remo habe ich das Verhalten schon ein paar Mal bemerkt. Da er alleinlebt, gibt es bei ihm andere Gründe, die das Kratzen am Napf erklären können. Er zeigt es vor allem, wenn noch etwas im Napf drin ist.
Darum tragen Katzen ihr Futter aus dem Napf
Warum kratzt meine Katze am Rand des Katzenklos?
9 Gründe, warum Katzen am Napf scharren
Diese Beobachtungen zeigen zunächst einmal, dass es Katzen beim Scharren am Napf vor allem um die Ressource Futter geht. Manche berichten zwar auch, dass das Tier dies am Wassernapf zeigt, allerdings ist es am „Fresschen“ doch um einiges verbreiteter.
Wie immer, wenn es um Katzen geht, gibt es meist nicht nur einen Grund für ein bestimmtes Verhalten, sondern gleich mehrere. Manche sind harmlos, andere weisen auf Stress oder Unwohlsein hin. Wer genauer hinsieht, erkennt meist schnell, was die eigene Katze bewegt.
Reste tarnen
Der erste Grund, warum Katzen am Napf scharren, ist das sogenannte Food Caching, das biologisch tief verankert ist. In der Wildnis wäre es gefährlich, Futter offen liegenzulassen. Der Geruch könnte größere Beutegreifer oder Rivalen anlocken. Deshalb vergraben Wild- oder Straßenkatzen Reste oder decken sie ab.
Bei einigen Hauskatzen ist dieses Verhalten noch so tief verankert, dass sie es auch in der sicheren Umgebung ihres Zuhauses noch immer zeigen. Dies könnte zum Beispiel der Grund sein, warum Remo, der aus dem spanischen Tierschutz stammt, mitunter versucht, sein Futter „für schlechte Zeiten“ zu vergraben. Manche Katzen versuchen sogar, Dinge wie alte Tüten, Geschirrtücher oder Zeitungen über den Napf zu ziehen.
Territorium markieren
Katzen haben zwischen den Zehen Pheromondrüsen. Mit diesen verteilen sie ihre Duftstoffe beim Kratzen und markieren Orte für sich als ganz besonders wertvoll. Im Mehrkatzenhaushalt kann dies also nicht nur dem Impuls dienen, das Futter vor dem Mitbewohner zu „tarnen“ sondern sendet auch die olfaktorische Botschaft: „Das gehört mir.“
Allerdings kann es auch noch weitere Situationen geben, in denen Katzen ihre Futterplätze markieren. Bei Remo fällt es mir besonders dann auf, wenn ich seinen Platz gereinigt habe. Da er dort fast ausschließlich Nassfutter bekommt, und die Angewohnheit hat, sein Futter aus dem Napf zu tragen, muss ich dort relativ häufig sauber machen. Ist der Platz gerade hygienisch rein, passt meinem Kater das manchmal gar nicht, und er muss vor dem Fressen erst einmal den Platz wieder „nach sich“ riechen lassen. 1
Ordnung schaffen
Dieser Grund dafür, dass Katzen manchmal am Napf scharren, liegt ebenfalls tief in ihrer Natur. Denn wer möchte schon, dass man von einem größeren Tier aufgestöbert wird, weil man seinen Futterplatz nicht ordentlich zurückgelassen hat? Entsprechend fangen einige penible Katzen sofort nach der Mahlzeit an, Krümel zu beseitigen oder die Duftnoten des Mahls am Boden „wegzuputzen“. Besonders wer in der Nähe des Napfes schläft, weil dieser sich etwa in der Nähe des Kratzbaums befindet, der mag es besonders ordentlich haben.
Tretelnde Vorfreude
Beim Treteln handelt es sich im Grunde nicht um Scharren. Die Tiere bearbeiten dabei den Bereich um den Napf herum mit den Pfoten, ähnlich wie sie es auch beim Kuscheln auf Kissen, Decken oder dem Schoß ihrer Halter tun. Dieses Verhalten stammt aus der Kittenzeit und signalisiert Wohlbefinden. Am Napf bedeutet es: „Ich freue mich auf mein Futter.“ Besonders weiche Unterlagen regen das Kneten zusätzlich an.
Unpassende Portionsgröße
Dies zeigt sich vor allem beim sogenannten „Free feeding“, mit einem immer gefüllten Napf mit Trockenfutter. Dieses verliert außerhalb der Packung häufig schnell sein Aroma und viele Katzen mögen es dann nicht mehr zu sich nehmen. Sie beginnen dann, den Rest symbolisch zu vergraben. Für sie ist die Sache erledigt – das Essen soll „verschwinden“, damit etwas Besseres kommt.
Auch beim Nassfutter kann man das beobachten. Da es relativ schnell verdirbt und schlecht riecht, kann die Katze hiermit auch zum Ausdruck bringen, dass es für sie bereits nicht mehr appetitlich duftet und man es besser entfernen sollte. In diesem Fall sagt die Katze so sehr deutlich: „Danke, das war’s.“
Ablehnung oder Unverträglichkeit
Wir merken also, dass Scharren am Napf vor allem Unzufriedenheit bedeutet. Besonders, wenn Katzen gar nicht fressen, kann dies auch völlige Futterverweigerung bedeuten. Manche zeigen es, wenn ihnen das Futter schlicht nicht schmeckt, es direkt kalt aus dem Kühlschrank in den Napf geklatscht wird oder wenn sie eine Sorte nicht vertragen.
Sind Katzen nur eine bestimmte Sorte Futter gewöhnt, kann ein neues so kategorisch abgelehnt werden. Doch auch gesundheitliche Ursachen sind möglich: Magen-Darm-Probleme, Futtermittelunverträglichkeiten oder andere Erkrankungen können dahinterstecken. Wenn das Scharren also neu auftritt und die Katze weniger frisst, sollte man genauer hinsehen.
Falscher Futterplatz
Nicht nur das Futter selbst, auch die Umgebung spielt eine Rolle. Ein Napf, der zu eng oder zu tief ist, kann die empfindlichen Schnurrhaare der Katze reizen und dazu führen, dass sie Futter am Napfrand liegen lässt. Auch laute Umgebungen, Durchgangsbereiche oder die Nähe zur Katzentoilette können Stress auslösen. In solchen Fällen versucht die Katze, das Problem durch Scharren zu kompensieren und gewissermaßen „Dampf“ bzw. Anspannung damit abzulassen. Wirklich wohlfühlen tut sie sich beim Fressen also nicht.
Konkurrenz im Mehrkatzenhaushalt
Wie eingangs erwähnt, kann es besonders in Haushalten mit mehreren Katzen zu Scharren am Napf kommen. Entweder als Versuch, Futter zu sichern, oder Rivalen fernzuhalten. Wer Angst hat, dass ein Mitbewohner gleich auftaucht, zeigt sein Revierverhalten besonders deutlich. Manche Katzen fressen dann nur, wenn andere Tiere nicht im Raum sind, oder scharren demonstrativ am Napf, um Besitzansprüche zu markieren.
Generell empfehle ich Haltern, die mir dieses Problem bei ihren Tieren beschreiben, immer: Füttert die Tiere nicht direkt nebeneinander, sondern richtet ihnen Futterplätze mit genügend Abstand ein. Wenn eine Katze der anderen ständig das Futter klaut oder die andere eine langsamere Esserin ist, ist es sogar sinnvoll, die Tiere in unterschiedlichen Räumen mit verschlossenen Türen zu füttern. So haben alle Katzen Ruhe, um ihr Futter zu genießen, und keine verleibt sich eine doppelte Ration ein.
Schmutziger Futterplatz
Ebenso wie der zu saubere Futterplatz kann auch ein zu schmutziger das Verhalten auslösen. Katzen haben eine feine Nase und können sehr sensibel auf Sauberkeit reagieren. Ein verschmierter Napf, alte Futterreste oder auch ein unangenehm riechender Untergrund genügen oft, damit die Katze das Futter ablehnt. Dies muss auch nicht nur Schmutz sein, sondern vielleicht auch eine stark riechende Plastikmatte am Platz.
Scharren wird dann zum Protestsignal – „So will ich das nicht fressen.“ Mit einem frisch gespülten Napf und einem sauberen Untergrund verschwindet das Verhalten oft genauso schnell, wie es gekommen ist.
Wie man das Verhalten verhindern kann
Grundsätzlich gilt: Scharren am Napf ist weder gefährlich noch ungesund. Viele Halter finden es sogar charmant, wenn die Katze nach dem Fressen so tut, als müsse sie den Boden aufbuddeln. Es kann ein Überbleibsel aus wilden Zeiten oder Ausdruck von Ordnungsliebe sein. Allerdings zeigt es häufig, dass etwas nicht ideal läuft.
Am wirkungsvollsten ist es, die Rahmenbedingungen zu ändern: Steht das Futter für die Katze am falschen Platz, sollte man einen ruhigeren Ort suchen, den man gut reinigen kann. Auch kleinere Portionen helfen, weil weniger Reste übrigbleiben, die die Katze „vergraben“ möchte. Nassfutterreste sollte man nach 15 bis 30 Minuten ohnehin wegräumen, da sie schnell verderben.
Im Mehrkatzenhaushalt kann es ein Zeichen von Ressourcenkonkurrenz sein, dem man leicht mit einem anderen Arrangement der Näpfe vorbeugen kann. Tritt das Verhalten plötzlich auf, zusammen mit Appetitlosigkeit oder Verdauungsproblemen, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. 2
