3. September 2026, 6:06 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Katzen zeigen meist sehr deutlich, ob sie jemanden mögen oder lieber auf Abstand gehen. Fängt eine Katze plötzlich an zu fauchen, sich zu verstecken oder mit der Pfote auszuholen, steckt dahinter oft mehr als bloße schlechte Laune. Die Gründe können vielfältig sein – von Stress und Veränderungen im Alltag bis hin zu Schmerzen oder Krankheiten. Bestimmte Verhaltensweisen verraten dabei, dass sich die Katze unwohl fühlt oder die Beziehung zum Menschen gerade belastet ist. Oft lässt sich die Bindung mit etwas Geduld, Verständnis und den richtigen Maßnahmen jedoch wieder stärken.
Katzen sind sehr soziale Wesen
Auch wenn es viele noch immer überrascht: Katzen sind soziale Tiere, die mit ihren Haltern enge und komplexe Bindungen eingehen. Die unabhängige Einzelgängerin, die Menschen lediglich als Personal betrachtet, ist weitgehend ein Mythos.
Krystin Vitale Shreve, Forscherin für Tierverhalten an der Oregon State University, beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, was Katzen mögen und was eher nicht. Bereits 2017 fanden sie und ihre Kollegen in einer Studie heraus, dass Katzen die Interaktion mit Menschen häufig Spielzeug oder Futter vorziehen.
Zwei Jahre später zeigte die Katzenforscherin in einer weiteren Untersuchung, dass Katzen auf das Verhalten ihrer Menschen reagieren. Ignorieren wir sie plötzlich oder verändern unser Verhalten, ziehen sich oft auch die Tiere zurück. Umgekehrt erwidern viele Katzen die Aufmerksamkeit, wenn Menschen den Kontakt suchen. Für die Studie beobachteten die Wissenschaftler 23 Katzen aus Privathaushalten und 23 Tiere aus Tierheimen. Streichelten die Menschen die Katzen, sprachen sie mit ihnen oder nannten sie beim Namen, schenkten die Tiere ihnen deutlich häufiger Aufmerksamkeit.
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Katzen aus dem Tierschutz brauchen mehr Aufmerksamkeit
Krystin Vitale Shreve und ihre Kollegen konnten in der Untersuchung von 2019 auch feststellen, dass es einen Unterschied zwischen Katzen gibt, die ein Zuhause haben und denen, die in einem Tierheim leben. Es könne die Kontaktfreudigkeit der Katze beeinflussen, ob Katzen zu Hause oder im Tierheim leben, schreiben die Wissenschaftler in der Studie. Tierheim-Katzen verbrachten während der Untersuchung mehr Zeit mit den Menschen, als Tiere, die ein festes Zuhause hatten.
Die Untersuchung legt nahe, dass die Tiere unsere Aufmerksamkeit sehr schätzen und sie anhänglicher anstatt distanzierter werden, wenn sie zeitweise in einem Tierheim ohne ausreichende Kontakte leben. Sie wollen also gern mit uns leben und sind sehr sozial eingestellte Wesen.
Diese 13 Anzeichen zeigen Katzen, wenn sie ihre Halter nicht mögen
Die Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass Hauskatzen den Aufmerksamkeitszustand des Menschen erkennen und ihr Verhalten entsprechend anpassten. Das zeigt, dass sie empfindlich auf soziale Signale des Menschen reagieren und tendenziell sozialer sind, wenn sie einem aufmerksamen Menschen begegnen.
Katzen haben meist aber auch bestimmte Gründe, weshalb sie manche Menschen nicht mögen oder gerade auf ihren Halter schlecht zu sprechen sind. Dies erkennt man leicht durch die Mittel, die der Katze zur Kommunikation zur Verfügung stehen. Auf folgende, häufig plötzlich auftretende und geänderte Verhaltensweisen sollte man achten:
- die Katze kommt nicht zur Begrüßung, wenn man die Wohnung/das Haus betritt
- das Tier möchte nicht mehr mit im Bett schlafen
- sie ignoriert den Menschen, der den Raum betritt
- ihr Schwanz ist gesenkt – ein deutliches Zeichen der Missachtung
- Streicheleinheiten werden verweigert
- die Katze schnurrt nicht mehr
- sie vermeidet Blickkontakt
- die Katze versteckt sich
- sie faucht, beißt oder kratzt plötzlich Menschen oder Einrichtungsgegenstände
- sie sträubt ihr Fell und legt die Ohren an
- sie schläft nicht in einer entspannten Position und zeigt den Bauch nicht
- das Tier wird unrein oder erleichtert sich auf Kleidung der Halter
- die Katze macht einen Buckel, brummt und schlägt mit der Pfote
Die Verhaltensweisen 8 bis 13 wird das Tier zeigen, wenn es wirklich Angst oder vielleicht sogar Schmerzen hat. Wie man dies noch an weiteren Anzeichen erkennen kann, lesen Sie in diesem Artikel: Woran man erkennt, dass eine Katze Schmerzen hat.
11 Gründe, warum Katzen fauchen
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Warum mag die Katze mich plötzlich nicht mehr?
Dass Katzen ihr Verhalten ändern, kann verschiedene Ursachen haben. Häufig spielen Veränderungen im Alltag eine Rolle. Eine zweite Katze, ein Hund oder auch neue Arbeitszeiten können die gewohnte Routine durcheinanderbringen. Ebenso können ein neuer Mitbewohner, Partner oder die Geburt eines Kindes dazu führen, dass die Tiere vorübergehend unausgeglichen reagieren.
Auch Veränderungen im Revier können Freigänger belasten. Vielleicht ist ein neuer Kater aufgetaucht, der die bereits ansässige Katze verdrängt oder mobbt. In solchen Fällen sollten Halter besonders aufmerksam sein und das Tier regelmäßig auf Verletzungen untersuchen. Meidet die Katze deshalb den Freigang, kann ihr zumindest ein geschützter Platz auf Balkon oder Terrasse angeboten werden.
Wie kann man die Beziehung zur Katze reparieren?
Allerdings zeigen die Tiere ihr Unbehagen auch dann, wenn es keine direkten Veränderungen der Umgebung gibt. Dies liegt dann in erster Linie daran, dass ihnen langweilig ist oder sie nicht ausgelastet sind. Um die Bindung zu dem Tier (wieder) zu stärken, sollte man:
- regelmäßige Spieleinheiten in den Alltag integrieren
- mit dem Tier kuscheln
- die Wohnung katzenfreundlich einrichten (Versteck- und Spielmöglichkeiten)
- Abwechslung im Alltag bieten, zum Beispiel mit Clicker-Training
- ihr einen Platz am Fenster oder auf dem Balkon einrichten
- das Tier im Bett schlafen lassen
- dem Tier Aufmerksamkeit und Liebe schenken
Mit diesen Tipps sollte sich die Katze in kurzer Zeit wieder wohl und zufrieden fühlen. Sollten die Anzeichen jedoch nicht verschwinden, kann es auch sein, dass eine unentdeckte Krankheit beim Tier für Unbehagen sorgt. Dies sollte man mit einem Besuch beim Tierarzt abklären.
Meine Erfahrung
Es gab eine Zeit, als ich glaubte, dass mein Kater Remo mich ganz urplötzlich nicht mehr mochte. Er fauchte, brummte und ließ sich kaum von mir beruhigen, geschweige denn anfassen. Das war sehr untypisch für ihn, denn eigentlich haben ich und mein spanischer Tierschutz-Kater eine außergewöhnlich enge und gute Bindung. Ich ging also direkt mit ihm zum Tierarzt, wo festgestellt wurde, dass er eine Infektion mit hohem Fieber und starken Schmerzen im Schwanzbereich hatte.
Nach der Diagnose musste er ein paar Tage Medikamente nehmen. In dieser Zeit brauchte er viel Ruhe und ich gab mir besondere Mühe dabei, ihn nicht an den schmerzenden Stellen zu berühren und ihm so viel Freiraum wie möglich zu geben. Andernfalls hätte es leicht passieren können, dass er die Schmerzen mit mir assoziiert und aggressives Verhalten zeigt. Nach einer Woche ging es ihm aber wieder gut und er kam von selbst wieder zu mir.