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Unkontrolliertes Urinieren

Inkontinenz beim Hund – Symptome erkennen und richtig handeln

Hund hat auf einer Matte uriniert
Nasser Schlafplatz oder Urintröpfchen – Inkontinenz beim Hund kann viele Ursachen haben und sollte tierärztlich abgeklärt werden Foto: Getty Images/Ирина Мещерякова
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Porträtbild Mareike Schmidt
Redakteurin

25. April 2026, 12:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ein nasser Fleck auf dem Lieblingsplatz des Hundes oder kleine Urintröpfchen auf dem Boden – solche Situationen sorgen bei Haltern schnell für Verunsicherung. Was zunächst wie ein einmaliges Missgeschick wirkt, kann sich als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem entpuppen. Denn hinter unkontrolliertem Harnverlust steckt nicht selten eine Erkrankung, die eine gezielte Behandlung erfordert. PETBOOK erklärt, woran Halter Inkontinenz erkennen und welche Maßnahmen helfen können.

Symptome von Inkontinenz beim Hund

Nicht jeder Hund, der unkontrolliert pinkelt, hat direkt eine Blasenschwäche. Halter sollten daher auch auf andere Symptome achten, die für eine Inkontinenz sprechen könnten.

  • Der Hund muss deutlich häufiger Wasser lassen und trinkt mehr als sonst
  • Unbewusster Urinverlust im Schlaf, beim Treppensteigen oder Husten, Aufstehen oder Ablegen
  • Häufiges Harnpressen, oft mit sichtbaren Schmerzen verbunden
  • Hund fühlt sich sichtlich unwohl, hat Schmerzen oder humpelt sogar

Falls Ihnen diese Symptome vermehrt auffallen, sollten Sie diese bei Ihrem Tierarzt abklären lassen.

Mögliche Ursachen von plötzlichem Harnverlust beim Hund

Bei der Inkontinenz wird zwischen primärer und sekundärer Inkontinenz unterschieden. Bei der primären Inkontinenz handelt es sich um einen Defekt des Harnröhrenverschlusses. Für die sekundäre Inkontinenz jedoch braucht es zunächst eine Ursache, aus der eine Inkontinenz entsteht.1

Primäre Harninkontinenz

Für die primäre Harninkontinenz kann es verschiedene Ursachen geben. Oft sind alte und kastrierte Hündinnen betroffen. Grund dafür sind der geschwächte Schließmuskel der Blase und ein generell schwaches Bindegewebe. Zu dieser Schwäche kommt es durch die Abnahme des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Alter und nach der Kastration. Daher tritt die Blasenschwäche häufiger bei kastrierten Hündinnen als bei kastrierten Rüden auf.

Die Inkontinenz bei Hündinnen wird außerdem durch die weibliche Anatomie begünstigt: Die Harnröhre ist bei ihnen kürzer und gerader als bei Rüden. Daher kann der Harn leichter nach außen gelangen.

Eine weitere Ursache für die primäre Inkontinenz ist die Fehlbildung des Harnleiters (Ektopischer Harnleiter). Hier mündet der Harnleiter nicht wie gewöhnlich in die Harnblase, sondern direkt in die Harnröhre. Je nachdem, wie tief der Harnleiter in der Harnröhre liegt, wird entweder einer oder sogar beide Schließmuskeln umgangen.2

Sekundäre Harninkontinenz

Zu einer sekundären Harninkontinenz kann es durch verschiedene Krankheiten kommen. Besonders häufig dafür verantwortlich sind:

  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Blasenentzündung (Zystitis)
  • Harnsteine (Urolithiasis)
  • Diabetes
  • Nierenerkrankungen
  • Tumore, die die Nerven schädigen oder direkt die Blase beeinträchtigen
  • Folge von Unfällen: Traumata, Rückenverletzungen, Bandscheibenvorfall
  • Stress
  • Demenz: Alte Tiere verlieren häufig ungewollt Urin. Aufgrund der Demenz bemerken sie ihren Harndrang nicht oder vergessen ihn während des Gassigehens
  • Arthrose: Die allgemeine Schwächung der Muskulatur tritt häufig bei älteren Tieren auf und bedingt eine Blasenschwäche.3

Auch interessant: Nierenversagen beim Hund rechtzeitig erkennen und behandeln

Kann man Inkontinenz beim Hund behandeln?

Für eine Behandlung ist es wichtig, die genaue Ursache der Inkontinenz des Hundes zu kennen. In vielen Fällen kann die Inkontinenz dann erfolgreich behandelt werden.

Hormonelle Schwankungen und Erkrankungen können mithilfe einer Hormontherapie behandelt werden. Hierbei wird das fehlende Hormon durch Präparate ersetzt. Bei der Behandlung mit Östrogen kommt es aber häufig zu Nebenwirkungen. Daher muss sie in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen und streng kontrolliert werden.

Im Fall einer Blasenentzündung kann die Einnahme von entzündungshemmenden Mitteln helfen. Wenn die Blasenentzündung bakteriellen Ursprungs ist, kann sie mithilfe eines Antibiotikums bekämpft werden. Harnsteine können mit einer speziellen Diät behandelt werden, damit sich die Steine wieder auflösen. Wenn dies nicht anschlägt, müssen sie operativ entfernt werden.

Wenn Inkontinenz beim Hund als eine Folge der Kastration auftritt, kann sie durch Neuraltherapie oder Akupunktur behandelt werden. In einigen Fällen kommen auch Medikamente zum Einsatz. Die Behandlung richtet sich immer nach dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Alter des Hundes.

Fehlbildungen und Tumore können in der Regel operativ vom Tierarzt entfernt werden. Andere Behandlungsmöglichkeiten für Tumore sind Bestrahlung und Chemotherapie.

Was kann ich als Halter tun?

Um den Hund bestmöglich bei seiner Inkontinenz zu unterstützen, kann man als Halter einiges tun:

  • Die Anzahl der Gassirunden erhöhen, um dem Hund häufiger Möglichkeiten zu geben, Urin zu lassen
  • Einsatz von Hundewindeln
  • Die Schlafplätze des Hundes mit wasserdichten Unterlagen ausstatten
  • Reinigungsmittel griffbereit haben, um schnellstmöglich das Malheur zu beseitigen

Und das Wichtigste: Bestrafen Sie niemals Ihren Hund für das unbewusste Urinieren. Er macht es nicht mit Absicht und ist höchstwahrscheinlich selbst verunsichert. Schimpfen kann ihn in dieser ohnehin schon unangenehmen Situation weiter stressen. Der entstandene Stress kann dann zu einer Verschlechterung seines Zustands führen.

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Kann Inkontinenz für den Hund gefährlich werden?

Prinzipiell ist eine Blasenschwäche für den Hund nicht gefährlich. Dennoch ist sie für den Vierbeiner und auch für seinen Halter unangenehm und störend. Je nach Symptomatik kann auch eine schwerere Erkrankung, etwa ein Blasentumor, hinter der Inkontinenz stecken. Daher ist eine gründliche Abklärung beim Tierarzt wichtig.

Welche Hunde sind besonders anfällig?

Inkontinenz kann prinzipiell alle Hunde betreffen. Oftmals sind aber auch ältere Hündinnen betroffen. Das kann mit einem niedrigen Östrogenspiegel bei kastrierten Hündinnen oder einem schwachen Bindegewebe zusammenhängen, wie bereits zuvor erwähnt. Dennoch sind einige Rassen stärker betroffen als andere. Anfälliger für eine Harninkontinenz gelten Boxer, Dalmatiner, Rottweiler, Weimaraner und Deutscher Schäferhund.4

Boxer, Golden Retriever, Labrador Retriever, Terrier und Pudel leiden zudem häufiger an einem ektopischen Harnleiter.

Quellen

  1. doktorbark.de, „Inkontinenz, besonders bei der Hündin ein Problem“ (aufgerufen am 25.04.2026) ↩︎
  2. tierklinik-bielefeld.de, „Ekopter Urether – Fehlbildung der Harnleiter“ (aufgerufen am 25.04.2026) ↩︎
  3. derhund.de, „Inkontinenz bei Hunden – Ursachen und Behandlung“ (aufgerufen am 25.04.2026) ↩︎
  4. tierarzt-onlineverzeichnis.de, „Inkontinenz beim Hund – worin liegen die Ursachen?“ (aufgerufen am 25.04.2026) ↩︎

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