29. Juli 2025, 16:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Hundehalter kennen das: Zwischen den Ballen ihrer Vierbeiner wächst dichtes Haar, das manchmal so lang wird, dass es beim Laufen stört oder voller Dreck hängt. Doch sollte man das Fell unter den Pfoten bei Hunden entfernen? Oder erfüllt es dort einen wichtigen Zweck?
Vor allem in den sozialen Medien zeigen Halter oder Hundefriseure Vorher-Nachher-Bilder von frisch getrimmten Hundepfoten. Immerhin sieht es ja auch irgendwie schöner und gepflegter aus. Zudem werden zuhauf besonders sichere Trimmer angeboten, mit denen man die Ballen des eigenen Vierbeiners besonders sanft ausrasieren kann. Doch ist das wirklich eine gute Idee?
Sollte man Hunden das Fell zwischen den Pfoten entfernen?
Mit einem klaren Ja oder Nein lässt sich diese Frage nicht beantworten, sagt Hundetrainerin Katharina Marioth. „Die Haare zwischen den Ballen erfüllen eine Schutzfunktion. Sie polstern, halten Dreck fern und unterstützen auf natürlichem Untergrund wie Wiese, Sand oder Waldboden sogar beim sicheren Laufen.“ So schützen die Haare zwischen den Ballen und an den Pfotenrändern die empfindlichen Hautpartien vor äußeren Einflüssen wie Kälte und Hitze, aber auch mechanischer Reibung, wie sie etwa beim Laufen entsteht.
Doch nicht nur das: Die Haare zwischen den Ballen dienen auch dem Hitzeschutz. Denn im Sommer puffern sie den Kontakt mit heißem Asphalt ab und isolieren im Winter gegen Kälte. „Zwar ersetzen sie keine Pfotenkontrolle oder Schutzmaßnahmen bei Extremtemperaturen, aber sie bieten einen natürlichen Schutzmechanismus gegen äußere Einflüsse“, erklärt Katharina Marioth.
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In diesen Fällen raten Experten zum Trimmen
Allerdings könne es durchaus Fälle geben, in denen es durchaus sinnvoll sein kann, das Fell unter den Pfoten vorsichtig zu kürzen, weiß die Expertin. „Zum Beispiel, wenn es extrem lang ist, regelmäßig verfilzt oder der Hund auf glatten Böden rutscht. Auch im Winter kann zu viel Fell zwischen den Ballen zur Bildung von Schneeklumpen führen.“ So können sich Schnee und Streusalz in langen Haaren festsetzen und schmerzhafte Eisklumpen bilden. In so einem Fall kann gekürztes Fell dieses Risiko durchaus reduzieren.
Allerdings gehe es dabei nicht ums vollständige Ausrasieren, sondern eher ums behutsame In-Form-Bringen, um Beweglichkeit, Hygiene und Hautgesundheit zu unterstützen, betont Katharina Marioth. So gebe es bestimmte Hundetypen und Rassen, bei denen so ein unterstützendes Eingreifen besonders viel Sinn machen kann. „Hunde mit starkem Zwischenzehenfell oder viel Unterwolle sind besonders anfällig für Verfilzungen und Schmutzansammlungen.“
„Die Haare zwischen den Ballen sollten nie komplett ausrasiert werden“
Dazu gehören beispielsweise Australian Shepherds, Golden Retriever, Border Collies oder auch Neufundländer. Berner Sennenhunde, Cocker Spaniel, Langhaar-Shelties oder auch Pudel (je nach Schnitt) können unter Umständen auch von einem solchen Schnitt profitieren. „Bei diesen Rassen kann eine regelmäßige, fachgerechte Kürzung sinnvoll sein, um Hautreizungen, Druckstellen oder unsauberen Gang zu vermeiden“, fasst Marioth zusammen.
Beim Kürzen sei aber weniger mehr, mahnt die Expertin. „Die Haare zwischen den Ballen sollten nie komplett ausrasiert werden, da sie die empfindliche Haut vor Reibung, Hitze und Kälte schützen.“ Doch nicht nur das: „Die Haare an den Pfoten haben eine tastende, wahrnehmende Funktion. Sie helfen dem Hund, Bodenbeschaffenheit, leichte Vibrationen oder feine Reize zu erkennen – ähnlich wie Tasthaare. Gerade bei unsicherem Untergrund, beim Balancieren oder bei älteren Hunden ist das ein wichtiger Beitrag zur Körperkoordination“, weiß Marioth.
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„Wer die Haare Ballen vollständig entfernt, nimmt dem ein Stück seiner natürlichen Wahrnehmung“
„Wer diese Haare also vollständig entfernt, nimmt dem Hund nicht nur Schutz, sondern auch ein Stück seiner natürlichen Wahrnehmung.“ Wer das Fell zwischen den Ballen dennoch kürzen möchte, sollte eine Schere mit abgerundeter Spitze oder einen leisen Trimmer mit Schutzaufsatz verwenden.“
Um die Prozedur so stressfrei wie möglich zu gestalten, sollten Vierbeiner an die Pfotenpflege gewöhnt sein, denn viele Tiere reagieren in diesem Bereich sehr sensibel. Daher rät Katharina Marioth im Zweifel eine Fachperson, zum Beispiel einen Groomer oder Tierarzt, hinzuzuziehen. „Ob Pfotenhaare gekürzt werden sollten, ist keine pauschale Entscheidung“, so Katharina Marioth abschließend.
„Wer unsicher ist, lässt lieber die Finger davon!“
„Es kommt auf Felltyp, Aktivitätsgrad, Untergrund und Hundepersönlichkeit an. In vielen Fällen reicht regelmäßiges Reinigen und Kämmen völlig aus. Wenn überhaupt gekürzt wird, dann bitte gezielt, vorsichtig und mit Blick auf Funktionalität, nicht auf Optik.“
Bei Unsicherheit solle man hier unbedingt professionelle Unterstützung holen, mahnt die Expertin. „Wer unsicher ist, lässt lieber die Finger davon. Denn diese kleinen Haare können eine große Rolle für Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden spielen.“
