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Was niedlich aussieht, hat einen ernsten Grund

Warum diese Pinguine rote Anzüge tragen müssen

Jasmin Reddmann
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

17. September 2026, 14:30 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Verletzte Pinguine in leuchtend roten Bodys mag zunächst wie eine ungewöhnliche Verkleidung aussehen. Dabei hat die stylische Mode einen ernsten medizinischen Hintergrund. Im Rehabilitationszentrum von Conservación Humboldt in Chile wird aktuell an speziell angepassten Schutzanzüge gearbeitet. Diese sollen offene und genähte Wunden der Pinguine bedecken und verhindern, dass die Tiere ihre Verletzungen selbst weiter aufpicken. PETBOOK sprach mit Tomás Pino Damke, Präsident von Conservación Humboldt, und Adolfo Momares, Direktor von Kimba, über erste Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt.

Pinguine können ihre eigenen Wunden verschlimmern

Hinter den kleinen roten Badeanzügen der Pinguine steckt ein plausibler Grund, erklärt Tomás Pino Damke gegenüber PETBOOK: „Die Idee entstand aus der Notwendigkeit, offene und genähte Wunden während des Heilungsprozesses zu schützen, insbesondere vor Verletzungen, die sich die Tiere während der Rehabilitation selbst zufügen können.“ Denn bei den kleinen Vögeln besteht bei einer Verletzung die Gefahr, dass sie sich die Wunden selbst aufpicken. Dadurch wird nicht nur der Heilungsprozess gestört, sondern auch die Entzündungsgefahr steigt.

Ursprünglich wurde der Anzug für Hunde und Katzen entwickelt

Der sogenannte CopperBody® stammt vom chilenischen Unternehmen KimbaVet. Die Schutzkleidung wurde ursprünglich für Hunde und Katzen entwickelt, etwa zur Begleitung der Genesung nach Operationen, bei Wunden oder bestimmten Hautproblemen. „Wir waren von dieser Herausforderung begeistert und haben von diesem Moment an unsere Erfahrung und unsere Ressourcen in die Entwicklung eingebracht“, sagt Adolfo Momares. Für ihn bedeute Innovation auch, „eine bestehende Lösung zu nehmen und zu fragen, wie sie an einen völlig anderen Bedarf angepasst werden kann“.

Für die Pinguine musste der Anzug an ihre Körperform, ihre Bewegungen und die besonderen Anforderungen einer Wildtierstation angepasst werden. Er liegt am Körper an, soll Bewegungen aber nicht wie eine starre Abdeckung einschränken.

Kupfer und Zink stecken direkt im Stoff

Das Material des CopperBody® besteht nach Angaben des Herstellers Kimba zu rund 65 Prozent aus Baumwolle, zu 30 Prozent aus einem Polyester sowie zu fünf Prozent aus Elastan. Zusätzlich wurden Kupfer und Zink nicht nur als Beschichtung auf der Oberfläche, sondern auch direkt in das Garn eingearbeitet. Dadurch sollen die antimikrobiellen Eigenschaften des Stoffes beim Waschen nicht einfach verloren gehen.

Insgesamt soll der Anzug zwei Aufgaben erfüllen:

  • Er bildet eine physische Barriere zwischen der Wunde und der Umgebung.
  • Die eingearbeitete Technologie hilft, die Vermehrung von Mikroorganismen auf dem Stoff zu begrenzen.

Der CopperBody® ersetzt allerdings keine tierärztliche Behandlung! Die Pinguine bleiben während der gesamten Anwendung unter der Aufsicht des Rehabilitationsteams. Der Anzug wird lediglich ergänzend eingesetzt.

Stört der Anzug die Pinguine?

„Bei unseren ersten Untersuchungen und Bewegungstests haben wir keine Anzeichen für Unbehagen, Bewegungseinschränkungen oder Schäden am Gefieder festgestellt“, berichtet Tomás Pino Damke. Die Pinguine bewegten sich mit dem CopperBody® und gingen ihren üblichen Aktivitäten nach. Auch Versuche, am eigenen Anzug oder an dem eines Artgenossen zu ziehen, Stoffteile abzubeißen oder Fasern zu verschlucken, habe das Team bislang nicht beobachtet.

Die Anwendung findet allerdings ausschließlich in der kontrollierten Umgebung des Rehabilitationszentrums statt. Dort können die Tiere überwacht und mögliche Probleme früh erkannt werden.

Erste Erfahrungen sind positiv

Mehrere verletzte Pinguine haben den Schutzanzug im Rettungszentrum bereits getragen. Die bisherigen Erfahrungen bewertet Conservación Humboldt als ermutigend. „Einer der wichtigsten Vorteile, die wir beobachtet haben, ist der wirksame Schutz der Wunden, insbesondere vor Selbstverletzungen“, sagt Tomás Pino Damke. Der Anzug halte die betroffene Stelle während der Genesung geschützt, ohne die tägliche Versorgung der Tiere wesentlich zu erschweren.

Wie stark der CopperBody® die eigentliche Wundheilung oder deren Dauer beeinflusst, ist dagegen noch offen. Als nächsten Schritt möchte das Team weitere Fälle sammeln und die Wirkung systematischer untersuchen.

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Die Pinguine tragen den Anzug nur vorübergehend

„Der CopperBody® ist nicht als dauerhafte Kleidung gedacht, sondern als therapeutisches Hilfsmittel während der Heilungsphase einer Verletzung“, betont Tomás Pino Damke. Wie lange ein Pinguin ihn tragen muss, hängt von der Art, dem Ausmaß und dem Verlauf der Verletzung ab. Die Dauer kann laut Conservación Humboldt von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen reichen. Einmal täglich wird der Body ausgezogen, um die Wunden zu kontrollieren und zu versorgen. Außerdem bekommen die Pinguine Gelegenheit, ihr Gefieder auf natürliche Weise zu pflegen.

Noch befindet sich das Projekt in der Erprobung

Die roten Anzüge liefern bereits wertvolle praktische Erfahrungen. Trotzdem wollen die Verantwortlichen zunächst weitere Daten sammeln, bevor sie über eine Anpassung für andere Wildtierarten nachdenken.

Das Projekt zeigt, wie eine ursprünglich für Haustiere entwickelte Idee möglicherweise auch in der Wildtierrehabilitation eingesetzt werden kann. Was auf den ersten Blick niedlich wirkt, soll vor allem eines: verletzten Pinguinen die Ruhe geben, die ihre Wunden zur Heilung brauchen.

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