23. Januar 2026, 16:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein Pinguin geht einfach weg – und das Internet dreht durch. Der „Lonely Penguin“ marschiert scheinbar grundlos von seiner Kolonie davon und wird hunderttausendfach als Meme geteilt. Was wie ein tierischer Existenzkrisen-Gag wirkt, stammt tatsächlich aus Werner Herzogs Dokumentation „Begegnungen am Ende der Welt“ – und ist biologisch deutlich spannender, als es auf den ersten Blick aussieht.
Die sozialen Medien sind oft die Geburtsstätten neuer Memes. Sie verbreiten sich in Windeseile – werden geteilt, geliket, repostet und schaffen es manchmal sogar aus dem Netz hinaus auf T-Shirts. Aktuell erobert ein neues tierisches Meme das Internet: der „Lonely Penguin“ (zu Deutsch: der einsame Pinguin). Zu sehen ist ein Pinguin, der schnurstracks von seiner Kolonie weg in die Weiten der Antarktis läuft – ganz allein und scheinbar unaufhaltsam. Doch was steckt hinter dem Meme? Und was hat der berühmte deutsche Regisseur Werner Herzog damit zu tun?
Worum geht es bei dem Meme?
Der „Lonely Penguin“ stammt aus einer Dokumentation von Werner Herzog, den viele auch durch seine Zusammenarbeit mit Schauspieler Klaus Kinski kennen. Im Jahr 2007 drehte Herzog in der Antarktis eine Dokumentation, bei der er gemeinsam mit seinem Kameramann den Wissenschaftler David Ainley begleitete. Im Fokus ihrer Beobachtungen standen unter anderem Adélie-Pinguine.
Bei einer dieser Beobachtungen kam es zu einem kuriosen Moment: Ein einzelner Adélie-Pinguin schien aus dem Nichts seine Kolonie zu verlassen und lief zielstrebig davon. Der Pinguin marschiert unbeirrt in die scheinbar endlosen Weiten der Antarktis. Doch erst die Tonspur macht die Szene zum Meme. Werner Herzog kommentiert das Geschehen mit einer Mischung aus Humor und Irritation und erklärt, der Pinguin laufe vermutlich in seinen Tod. Seine Worte enden mit einer Frage, die auch Zuschauende ratlos zurücklässt: „But why?“ – also: Warum?
„Gibt es so etwas wie Wahnsinn bei Pinguinen?“
Diese Frage stellt Werner Herzog in der Dokumentation dem Wissenschaftler David Ainley. Denn das Verhalten des gefilmten Adélie-Pinguins wirkt selbst für Fachleute ungewöhnlich: Das Tier entfernt sich zielstrebig von seiner Kolonie – jedoch nicht in Richtung offenen Wassers oder bekannter Nahrungsgebiete. Zwar sind Adélie-Pinguine durchaus allein oder in kleinen Gruppen unterwegs und legen große Strecken zurück. Doch dieser Marsch folgt keinem erkennbaren Zweck. Gerade diese Mischung aus Entschlossenheit und scheinbarer Ziellosigkeit macht die Szene so irritierend – und erklärt, warum sie Jahre später als „Lonely Penguin“ im Netz viral geht.
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Warum die Kolonien für Pinguine so wichtig sind
Für Adélie-Pinguine sind ihre Kolonien ein zentraler Bestandteil ihres Überlebens. Sie dienen als Brutplätze, erleichtern die Partnersuche und bieten Schutz vor Fressfeinden sowie vor den extremen klimatischen Bedingungen der Antarktis. Während der Brutzeit kehren die Tiere oft über weite Distanzen an dieselben Kolonien zurück und orientieren sich dabei stark an der Gruppe. Das soziale Gefüge hilft ihnen, Energie zu sparen, Gefahren früh zu erkennen und den Nachwuchs aufzuziehen. Sich dauerhaft von der Kolonie zu entfernen, erhöht das Risiko, erheblich zu erfrieren oder zu verhungern.1