29. Juli 2026, 6:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Eine Schlange, die fliegen kann? Was wie ein Mythos klingt, gibt es tatsächlich. Die Schmuckbaumnatter kann sich durch die Luft schlängeln und erstaunlich weit von Baum zu Baum gleiten – ganz ohne Flügel. Doch sie ist längst nicht das einzige Tier, das der Schwerkraft auf ungewöhnliche Weise trotzt. Von segelnden Fröschen über fliegende Spinnen bis hin zu kleinen Beuteltieren hat die Evolution einige verblüffende Lösungen hervorgebracht. PETBOOK stellt fünf Tiere vor, die auch ohne Flügel fliegen können.
Schmuckbaumnatter
Schlangen und Fliegen passen eigentlich nicht zusammen. Dennoch gibt es mit der Paradies-Schmuckbaumnattern (Chrysopelea paradisi) eine Art, die erstaunlich weit durch die Luft gleiten kann. Um von einem Baum zum nächsten zu gelangen, stößt sie sich kräftig vom Ast ab, flacht ihren Körper stark ab und formt ihn zu einer S-förmigen Struktur. Dadurch entsteht eine Art lebende Tragfläche, die den Flug stabilisiert.1
Während sie durch die Luft „schwimmt“, führt die Schlange kontinuierlich schlängelnde Bewegungen aus und kann so Distanzen von mehreren Dutzend Metern überwinden. Wissenschaftler vermuten, dass gerade diese besondere Körperhaltung und Bewegung dafür sorgen, dass die Tiere so kontrolliert durch die Luft gleiten können.
Gemeiner Flugdrache
Was sich erst einmal nach einem Utensil für das Drachensteigen liest, ist tatsächlich ein Reptil aus Südostasien. Ähnlich einem Superhelden-Cape trägt der Gemeine Flugdrache an der Unterseite seiner Vorderläufe einen Hautlappen, der im aufgespannten Zustand bis zu den Ansätzen der Hinterläufe reicht. So ergibt sich eine Art Luftsegel, mit dem er einige Meter weit durch die Luft gleiten kann. Seine Flugroute kann das Wildtier mithilfe des langen Schwanzes steuern.
Eigentliche Ruderfrösche
Auch Frösche haben Wege gefunden, ohne Flügel durch die Luft zu kommen. Bei den sogenannten Eigentlichen Ruderfröschen, zu denen auch der Wallace-Flugfrosch gehört, übernehmen große Flughäute zwischen Fingern und Zehen die Rolle eines Segels. Springt der Frosch von einem Ast, spreizt er seine Gliedmaßen und entfaltet die Hautflächen, die seinen Fall abbremsen und einen kontrollierten Gleitflug ermöglichen.
Auf diese Weise kann der Wallace-Flugfrosch bis zu 20 Meter weit durch die Luft segeln. Die Tiere leben vor allem in Bäumen und gelangen so problemlos von Krone zu Krone. Selbst bei der Partnersuche spielen die auffälligen Flughäute eine Rolle: Männchen spreizen ihre Zehen und winken den Weibchen damit regelrecht zu.
Flughörnchen als Haustier halten – geht das überhaupt artgerecht?
Warum es manchmal Spinnen „regnen“ kann
Spinnen
Wer im Spätsommer und Herbst schon einmal plötzlich Spinnenfäden im Gesicht hatte, ist vermutlich unfreiwillig Zeuge des Spinnenflugs geworden. Diesen verwenden besonders junge Spinnen, um sich neue Nahrungsgebiete zu erschließen und Revierstreitigkeiten mit anderen Spinnen zu vermeiden. Hierbei streckt die Spinne ihren Hinterleib in die Luft und produziert in sehr kurzer Zeit viele Spinnenfäden, die schließlich vom Wind erfasst werden und die leichte Jungspinne ohne Weiteres davontragen.
Da dies gehäuft im Spätsommer vorkommt, wird diese Zeit des Jahres auch Altweibersommer genannt. Die Bezeichnung geht auf das altdeutsche Wort „weiben“ zurück, das das Knüpfen von Spinnenweben meint. Beim Spinnenflug fliegen die Spinnen mitunter nicht nur ein paar Meter weit: Sie haben so schon Ozeane überquert und auf diese Weise neue Kontinente und Länder erobert.
Gleitbeutler
Wie der Name schon sagt, gehört der Gleitbeutler zu den Beuteltieren und kommt demnach auch nur im Osten von Australien und Teilen Neuguineas vor. Er ist gerade einmal 20 Zentimeter lang und trägt zwischen den Vorder- und Hinterläufen eine sogenannte Flugmembran. Setzt er nun zum Sprung von einem auf einen anderen Baum an, streckt er nach dem Absprung wie Superman die vier Beine und breitet damit die Flugmembran aus. So gleitet der Gleitbeutler bis zu 60 Meter durch die Luft und steuert die Flugrichtung dabei mit seinem langen Schwanz, der meist genauso lang ist wie der Körper des kleinen Beuteltiers.2
Die Gleitflüge unternimmt der Gleitbeutler dabei hauptsächlich in der Dunkelheit, denn er ist nachtaktiv. Das kleine Beuteltier vermeidet dabei den Bodenkontakt. Stattdessen bewegt er sich vor allem kletternd und gleitend von Baum zu Baum, um Früchte, Nüsse und Insekten zu fressen. In Deutschland sind Gleitbeutler sogar für die Haltung als Haustier zugelassen. Allerdings sollte hierbei bedacht werden, dass die weiten Gleitflüge in Gefangenschaft natürlich kaum ausführbar sind und eine artgerechte Haltung somit eigentlich unmöglich ist.