30. Oktober 2026, 10:51 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Kaum ein Halloween-Fest kommt ohne sie aus: die schwarze Katze auf dem Kürbis, die Fledermaus an der Girlande und die Eule im Geisterwald. Dabei sind es ganz normale Tiere, die nachts unterwegs sind. Dass sie trotzdem als unheimlich gelten, liegt an Jahrhunderte altem Aberglauben, an kirchlichen Feindbildern und an Gruselgeschichten. PETBOOK erklärt, woher die spukhaften Tier-Legenden, die sich rund um Halloween ranken, stammen und was von ihnen bleibt.
Woher kommt Halloween eigentlich?
Die Wurzeln liegen auf den Britischen Inseln. Dort feierten die Kelten jeden Herbst das Fest Samhain, das als wahrscheinlicher Vorläufer von Halloween gilt. Nach dem keltischen Kalender war der 31. Oktober der letzte Tag des Jahres. Man glaubte, dass die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich in dieser Nacht am dünnsten ist. Das erklärt, warum Geister bis heute zu Halloween gehören. Die Kelten trugen laut Bat Conservation International Kostüme, um sich vor den Geistern zu schützen.
Später legte die Kirche den Feiertag Allerheiligen auf den 1. November, der Abend davor wurde als „All Hallows Eve“ bekannt, aus dem Halloween wurde. Irische Auswanderer brachten den Brauch im 19. Jahrhundert in die USA. In der Dunkelheit dieser Nacht entstanden die Geschichten, in denen die Tiere eine Rolle spielen.1,2
Warum gelten schwarze Katzen als Unglücksboten?
Schwarze Katzen gelten seit Jahrhunderten als Unheilsbringer. Im Mittelalter sah die Kirche die Katze als Symbol des Heidentums und damit des Bösen, Schwarz galt als dämonische Farbe. Manche glaubten, Hexen könnten sich in schwarze Katzen verwandeln, um unerkannt Unheil zu stiften, andere sahen im Tier den Teufel selbst. Auch ihr lautloses Schleichen und ihre Nachtaktivität sorgten dafür, dass Katzen mit schwarzer Magie in Verbindung gebracht wurden. Bis heute prägt dieses Bild die Halloween-Deko, in der die schwarze Katze neben Hexe und Kessel sitzt.3
Auch interessant: Sind schwarze Katzen an Halloween tatsächlich gefährdet?
Oft wird die päpstliche Bulle „Vox in Rama“ von 1233 als Beginn der Katzenverfolgung genannt. Papst Gregor IX. stellte darin Katzen als Werkzeuge des Teufels dar. Die Geschichte ist allerdings weniger eindeutig, als sie oft erzählt wird. Die Bulle beschreibt angebliche Rituale einer vermeintlichen Teufelssekte und enthält keinen Aufruf, Katzen zu töten. Dass es im Mittelalter eine organisierte Jagd auf Katzen gab, ist auch nicht belegt. Auch die oft wiederholte Behauptung, das Verschwinden der Katzen habe die Pest begünstigt, wird als übertrieben erachtet.4,5
Was haben Fledermäuse mit Halloween zu tun?
Hier gibt es eine ziemlich handfeste Erklärung. Zu Samhain zündeten die Kelten Feuer an. Die Flammen lockten Insekten an, und die Insekten lockten Fledermäuse an. Was die Kelten über die Tiere dachten, ist dagegen unklar.
Dass die Fledermaus später zum Gruseltier wurde, hat mit dem europäischen Teufelsbild zu tun. Fledermäuse galten wie Wölfe und Eulen als Helfer des Teufels, und Dämonen wurden früh mit Fledermausflügeln dargestellt. Dazu kommt, dass die Tiere im Dunkeln leben und ihre Orientierung per Ultraschall lange kaum erforscht war. Man schrieb ihnen deshalb magische Kräfte zu.6
Den größten Anteil am Image hat der Vampir. Seit Bram Stokers Roman „Dracula“ von 1897 tragen Vampire in Bildern oft einen Umhang, der an Fledermausflügel erinnert. Stoker soll sich unter anderem von Fledermausarten aus Lateinamerika inspirieren lassen haben, die sich tatsächlich vom Blut anderer Tiere ernähren.
Auch interessant: Gibt es blutsaugende Fledermäuse in Deutschland?
In China gelten Fledermäuse dagegen als Glücksbringer. In Europa stehen sie für „Zeichen von Unheil, Tod und Teufel“, wie es die Deutsche Digitale Bibliothek formuliert. Kurz vor Halloween sind sie übrigens noch unterwegs, denn ihr Winterschlaf beginnt erst Anfang November.7
Warum soll die Eule den Tod ankündigen?
Der Ruf der Eule gilt seit Langem als schlechtes Omen. Schon im antiken Rom glaubte man, der Ruf kündige den nahen Tod eines Menschen an. Im Mittelalter nannte man Eulen „Totenvögel“. Waldkäuze, die nachts um Häuser flogen, in denen eine Totenwache gehalten wurde, deutete man als Boten ins Jenseits, dabei jagten sie nur die vom Kerzenlicht angelockten Insekten. Außerdem galten Eulen als Überbringer von Seuchen und Unglück und als Gehilfen von Hexen und dem Teufel.
Auch interessant: Greifen Eulen wirklich Menschen an?
Im 20. Jahrhundert nagelten Landbewohner sogar lebende Eulen mit ausgebreiteten Flügeln an Scheunentore, um den Hof vor Blitzschlag, Feuer, Hagel und Seuchen zu schützen. Eine direkte Verbindung zu Samhain oder Halloween sind nicht belegt. Die Eule passt aber ins Bild einer Nacht, in der es um Tod, Geister und Hexen geht.
Dass die Eule auch ganz anders gesehen werden kann, zeigt Athen. Dort stand sie für Weisheit. Noch heute ist sie das Wappentier vieler Schulen, Universitäten und Verlage.8
Sind schwarze Katzen an Halloween tatsächlich gefährdet?
Darum werden schwarze Katzen schlechter vermittelt
Wie stark hält sich der Eulen-Aberglaube bis heute?
Erstaunlich stark. Ein Team der Universität Lausanne um den Biologen Alexandre Roulin und die Sozialwissenschaftlerin Christine Mohr hat den Aberglauben um Eulen weltweit erfasst. Per Online-Fragebogen in 35 Sprachen hatten bis Dezember 2020 rund 10.000 Menschen teilgenommen. Der Aberglaube ist demnach in Afrika viel stärker als in Indien und englischsprachigen Ländern.
Die Beispiele sind sehr unterschiedlich. In Bern soll der Ruf einer Eule die Geburt eines Kindes ankündigen statt eines Todes. In der Mongolei heißt es, Eulen stehlen nachts die Fingernägel der Menschen. In Kamerun gilt die Eule als so böse, dass sie keinen richtigen Namen hat. Man spricht vom „gruseligen Vogel“.9
Auch interessant: 7 Tiere, die aussehen wie aus einem Horrorfilm
Was sind die Tiere in Wirklichkeit?
In Wirklichkeit sind diese Tiere einfach sehr nützliche Nachtschwärmer. Fledermäuse fangen Insekten, Eulen jagen Mäuse und Ratten, und die schwarze Katze ist, wie jede andere Katze, ein Haustier mit einer Fellfarbe. Im Projekt „Peace Owl“ setzen Landwirte im Westjordanland und in Jordanien Eulen ein, um Nagetiere zu bekämpfen, und konnten dadurch Chemikalien einsparen. Roulin sagt dazu: „Um diese Raubvögel besser zu erhalten und ihr Überleben zu sichern, müssen wir zeigen, dass sie nützlich sind.“
Auch interessant: Was Menschenblut mit dem Liebesleben dieser Spinne zu tun hat
Wer an Halloween Deko aufhängt, kann das also mit gutem Gewissen tun. Wichtig ist nur, dass aus dem Spaß am Grusel kein Vorurteil gegen echte Tiere wird.