Jedes Jahr im Oktober tauchen sie in den sozialen Netzwerken wieder auf: Warnungen an Katzenhalter, ihre schwarzen Freigänger an Halloween besser im Haus zu behalten. Es heißt, Tiere könnten in dieser Zeit gezielt verletzt werden, aus Aberglauben, Übermut oder weil jemand ein vermeintlich satanisches Ritual nachahmt. Schwarze Katzen würden an Halloween deshalb öfter vermisst. PETBOOK hat nachgefragt, was an den Warnungen dran ist.
Woher kommt der Aberglaube um schwarze Katzen?
Im Mittelalter galt die Katze für kirchliche Autoritäten als Symbol des Heidentums und damit des Bösen. Schwarz wiederum galt als dämonische Farbe. Manche glaubten, Hexen könnten sich in schwarze Katzen verwandeln, um unerkannt Unheil zu stiften, andere sahen im Tier den Teufel selbst. Wegen ihres lautlosen Schleichens und ihrer Nachtaktivität wurden Katzen mit schwarzer Magie in Verbindung gebracht. Zusammen mit vermeintlichen Hexen und Ketzern wurden unzählige Katzen misshandelt, ertränkt und verbrannt.1,2
Hier wird es schwierig. Wie hoch das Risiko für Freigänger tatsächlich ist, lasse sich nicht eindeutig klären, schreibt der Verein VETO Tierschutz in seinem Ratgeber. Verlässliche Statistiken zu solchen Fällen gibt es demnach nicht. Auch eine Anfrage der Stuttgarter Zeitung bei einem Tierschutzheim im Kreis Böblingen fiel eindeutig aus. Dort spielten solche Tierquälereien keine Rolle, hieß es.3
Unabhängig von Halloween haben schwarze Tiere im Tierheim schlechtere Karten. In einer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes 2020 gaben 48 Prozent der Tierheime an, dass sich schwarze Katzen schwerer vermitteln lassen als andersfarbige. Fast ebenso viele Heime nennen Aberglauben und Vorurteile als Ursache. Auch beim Besuch im Tierheim fallen dunkle Tiere offenbar später auf als helle.
Im Hamburger Tierheim Süderstraße wurden alle nicht schwarzen Kätzchen eines Wurfs schneller vermittelt als die schwarzen, berichtet Sprecher Sven Fraaß. Er erzählt auch von schwarzen Kitten, die ohne klaren Grund zurückgebracht wurden. „Die Gründe für die schwierigere Vermittlung schwarzer Tiere sind so unterschiedlich wie unsinnig“, sagt Caterina Mülhausen, Leiterin Campaigning beim Deutschen Tierschutzbund. „Dabei spielt die Fellfarbe für das Wesen der Tiere überhaupt keine Rolle.“ 4,5
Unabhängig vom Aberglauben bringt Halloween für Haustiere ganz alltägliche Risiken mit sich. Verkleidete Menschen, Gruseldeko und Besuch an der Haustür können Tiere irritieren oder ihnen Angst machen. VETO Tierschutz warnt, dass schlecht gesicherte Hunde sich erschrecken und weglaufen könnten. Der Deutsche Tierschutzbund rät außerdem, Haustiere von ungesunden Süßigkeiten fernzuhalten und auf Halloween-Kostüme für Haustiere zu verzichten.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, behält seine Katze rund um Halloween in der Nähe. Ein paar Tage Stubenarrest an Halloween sind für die meisten Tiere vermutlich gut verkraftbar. Wichtig ist außerdem, dass die Katze gechippt und bei einem Haustierregister gemeldet ist, damit sie ihrem Halter schnell zugeordnet werden kann, falls sie doch verloren geht. Und wer sich eine Katze wünscht, kann schwarzen Tieren im Tierheim ruhig eine Chance geben. Der Tierschutzbund rät, ihnen vorurteilsfrei zu begegnen.
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