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Neues Gesetz in Deutschland

Werden Tierversuche bald einfacher?

Noch immer werden Millionen Tiere für Tierversuche eingesetzt. Ein geplantes Gesetz sorgt nun für Kritik
Noch immer werden Millionen Tiere für Tierversuche eingesetzt. Ein geplantes Gesetz sorgt nun für Kritik Foto: Getty Images

2. November 2026, 11:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Es sind echte Horrorszenarien, die man da auf Bildern und in Videos sieht: Hunde mit Gasmasken, die giftige Stoffe einatmen sollen, Ratten, denen Stromschläge verpasst werden oder Affen, die mit schweren Krankheiten infiziert werden und darunter leiden. All das geschieht im Sinne der Forschung und der Firmen, die Tierversuche nutzen. Und all das soll, so zumindest eine Forderung aus dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, in Zukunft noch einfacher werden. 

Weniger Bürokratie – aber auch mehr Tierleid

Die Bundesregierung plant ein eigenes Tierversuchsgesetz, das losgelöst vom bereits existierenden Tierschutzgesetz ist. Konkret bedeutet das: Das Tierschutzgesetz legt fest, wie mit Tieren umzugehen ist, wie sie geschützt werden und welche Standards einzuhalten sind. Steht es nicht mehr in Verbindung mit dem Tierversuchsgesetz, gelten diese Schutzvorgaben bei Tierversuchen nicht mehr. Dann könnte es passieren, dass Kontrollen nicht mehr so oft oder gründlich stattfinden. Auch könnten Tierschutzverbände die Einhaltung der Regeln nicht mehr gerichtlich prüfen lassen. Das Leben von Tieren im Versuchslabor würde sich also vermutlich noch deutlich verschlimmern. 

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Wird das Gesetz allerdings verabschiedet, dann profitiert vor allem die Tierversuchslobby. Denn so werden unter anderem bürokratische Hürden in der Forschung verringert, was die Prozesse und die Forschung beschleunigt. 

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Über 80.000 Stimmen in der Petition

Doch final entschieden ist aktuell noch nichts. Unter anderem die Tierschutzorganisation „Peta“ und auch die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ riefen gemeinsam eine Petition ins Leben, die sich gegen das neue Tierversuchsgesetz stellt. Sie fordern, die Regelungen zu Tierversuchen im Tierschutzgesetz zu belassen und den Schutz der Tiere nicht noch weiter zu schwächen. In der Petition hieß es unter anderem:

„Es droht, dass erlaubt werden könnte, was zurzeit strafbar ist, beispielsweise das systematische Töten überzähliger Tiere aus wirtschaftlichen Gründen ohne die Anwendung einer Kaskadenregelung. Zudem könnten Qualzucht und betäubungslose Eingriffe/Tötungen/Amputationen erleichtert und die Pflicht zur verhaltensgerechten Unterbringung der Tiere aufgehoben werden.“

Nachdem die Petition am 20. Juli 2026 gestartet war, erreichte sie schon bis zum 31. August über 80.000 Stimmen. Zum Vergleich: Man braucht lediglich 30.000 Stimmen, um eine Petition vor den Bundestag zu bringen. 

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Erst kürzlich, am 12. Oktober, wurde darüber beraten. Dr. Christoph Maisack von der „Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht“ und Dr. Tamara Zietek von „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ standen gemeinsam vor dem Petitionsausschuss des Bundestages und sprachen dort vor den Bundestagsabgeordneten. Unter anderem machte Dr. Christoph Maisack dabei auch auf die alternativen Methoden zu Tierversuchen aufmerksam und betonte, dass es auch reichen könne, wenn man das aktuelle Tierschutzgesetz lediglich anpasse. Da es vor allem um die behördliche Vereinfachung gehe, könne man auch die Verwaltungsvorschriften im jetzigen Gesetz ändern. „Modernisieren Sie das Tierversuchsrecht – digital, einheitlich und fristgerecht. Stärken Sie den Einsatz tierversuchsfreier Methoden. Aber belassen Sie die Versuchstiere im allgemeinen bundeseinheitlichen Tierschutzgesetz“, sagte er. 

Alternative Methoden zu Tierversuchen

Mittlerweile gibt es einige Möglichkeiten, Medikamente, Kosmetika und Co. auch ohne Tiere zu testen. Ganz vorne mit dabei sind 3D-Zellstrukturen. Denn lange Zeit wurden Zellen in Laboren nur platt auf Glasplättchen unter dem Mikroskop beobachtet – genau wie damals im Biologieunterricht. Doch das hat einen großen Haken: Im menschlichen Körper liegen Zellen nicht flach nebeneinander, sondern wachsen und bewegen sich im Raum. Heute nutzt die Forschung deshalb sogenannte 3D-Matrizen. Darin können sich Zellen dreidimensional anordnen und fast genauso verhalten wie in einem echten Organismus. Bereits mit solchen Zellkulturen lassen sich grundlegende biologische Fragen komplett ohne Tiere klären. 

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Eine noch modernere Methode sind sogenannte Organ-Chips. Auf daumengroßen Plättchen wachsen winzige Versionen von Haut, Herz, Lunge, Darm, Niere, Leber oder sogar Vorstufen eines Gehirns. Schaltet man mehrere dieser Chips über feine Schläuche zusammen, entsteht ein künstlicher Blutkreislauf – und damit quasi ein Mensch im Miniaturformat.

Neue Wirkstoffe lassen sich so direkt im System testen. Forschende sehen genau, wie ein Medikament den Kreislauf durchwandert, verarbeitet wird und auf die verschiedenen Organe wirkt. Dabei gibt es einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tierversuchen. Denn da die Chips mit echten menschlichen Zellen arbeiten, fallen die Ergebnisse oft deutlich präziser und übertragbarer aus als bei Versuchen an Mäusen oder Ratten.

Auch in der Stammzellenforschung hat sich viel getan. Wissenschaftlern ist es heute möglich, ganz gewöhnliche Körperzellen – zum Beispiel aus der Haut – zu entnehmen und sie biologisch „zurückzusetzen“. Dadurch kann man sie anschließend dazu anregen, zu fast jedem beliebigen Gewebe oder Mini-Organ heranzureifen.

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