4. September 2025, 12:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ausgangssperre, Einsamkeit und viel Zeit zuhause – diese Faktoren führten in der Corona-Pandemie zu einem regelrechten Haustier-Boom. Spätestens als viele wieder zurück ins Büro mussten, bereuten jedoch einige ihre Entscheidung. Wie viele, wollte PETBOOK von seinen Lesern in einer Umfrage wissen. Die Ergebnisse spiegeln das wider, wovor Tierschützer bereits zu Beginn der Pandemie gewarnt hatten.
Über 15 Prozent bereuen die Anschaffung eines Haustiers während der Pandemie
Unsere PETBOOK-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Teilnehmer – 83 Prozent – ihre Entscheidung nicht bereut, sich während der Pandemie ein Haustier in ihr Leben geholt zu haben. Insgesamt beteiligten sich 25.244 Leser. Dementsprechend gaben 17 Prozent der Teilnehmer an, ihre Entscheidung zu bereuen. Ganz genau waren es 4169 Personen.
Bei zwei Dritteln war die Entscheidung lange geplant
Vor allem bei den Leuten, die ihre Entscheidung bereuen, könnte man vermuten, dass es sich um Spontankäufe gehandelt hat und vorher nicht genügend darüber nachgedacht wurde, wie viel Arbeit ein Haustier macht und welche finanzielle Belastung dadurch entsteht. Tatsächlich gaben aber 67 Prozent der Teilnehmer, die ihre Entscheidung bereuen, an, dass die Anschaffung des Haustiers während der Pandemie ohnehin schon lange geplant war.
Nur 12 Prozent hatten das Haustier laut Umfrage aus Einsamkeit angeschafft, 11 Prozent nannten den günstigen Zeitpunkt als Grund und 10 Prozent gaben an, es hätte sich um einen Spontankauf gehandelt. Ähnlich verhält es sich mit der Verteilung in der Gruppe, die die Anschaffung nicht bereut. Auch hier gab die Mehrheit – 70 Prozent – an, das Haustier schon vor der Pandemie lange geplant zu haben.
Viele haben die Situation unterschätzt
Das Ergebnis zeigt deutlich, dass viele Menschen unterschätzen, was es wirklich bedeutet, ein Haustier auf lange Zeit zu versorgen. Denn obwohl knapp 70 Prozent angaben, die Anschaffung schon lange geplant zu haben, bereuten sie es. Das bedeutet allerdings nicht, dass all diese Tiere im Tierheim gelandet sind oder abgegeben wurden. Diese Information wurde in der Umfrage nicht erfasst. Trotzdem spiegeln die Ergebnisse die Befürchtungen und Einschätzungen der Tierschützer zu Beginn der Pandemie wider.
Denn in den Jahren 2020 und 2021 kam es zu einem regelrechten Haustier-Boom, der dazu führte, dass sogar in den Tierheimen deutlich weniger Tiere waren. So berichteten die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime über eine enorm gestiegene Nachfrage nach Katzen und Hunden. Auch der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) meldet eine hohe Nachfrage nach Rassehundewelpen, die kaum noch gedeckt werden konnte. 1
Eine Million mehr Haustiere durch Pandemie-Zeit
Laut den Zahlen des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e. V. stieg die Zahl der in Deutschland gehaltenen Haustiere (Zierfische und Terrarientiere nicht einbegriffen) von 34 Mio. Heimtieren im Jahr 2019 auf 34,9 Mio. im Jahr 2020, wobei vor allem die Zahl der Katzen um eine Million Tiere zunahm.
Die Tierrechtsorganisation Peta bewertete die Zunahmen als „besorgniserregend“. Viele Menschen hätten sich während des Lockdowns und durch das Homeoffice spontan tierische Mitbewohner geholt. „Doch was geschieht mit den Katzen, Hunden, Kaninchen und Meerschweinchen, wenn ihre Halter wieder zur Arbeit gehen müssen?“, schrieb die Organisation in einem Blogeintrag am 25. März 2021.
Befürchtungen sind Realität geworden
Auch die deutschen Tierheime befürchteten, dass die hohe Nachfrage nach Welpen zu einem Bumerang würde, der die Einrichtungen vor kaum zu bewältigende Aufgaben stellte. „Denn nach dem Ende der Pandemie ist es vorstellbar, dass viele Tiere im Tierheim landen“, so die Sorgen der Tierschützer damals. 1
Mittlerweile sind die Befürchtungen Realität geworden. Bereits 2024 schien die Zahl der Menschen, die ihre Tiere loswerden wollen, so hoch wie nie zuvor, wie der Deutsche Tierschutzbund in einer Pressemeldung am 28.08.2024 mitteilte. Laut einer Trendumfrage des Vereins berichteten 69 Prozent der Tierheime davon, dass ihre Auslastung mindestens sehr hoch ist. 49 Prozent davon sind voll oder sogar übervoll. Nur 18 Prozent hatten überhaupt noch Kapazitäten, um Tiere aufzunehmen. Die Flut abgegebener und ausgesetzter Tiere sei enorm.
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Umfrage: Bereuen Sie die Anschaffung Ihres Haustiers während der Pandemie?
Die ernüchternde Bilanz nach dem Hunde-Boom
»Vielen war offenbar nicht bewusst, dass es wieder ein Leben nach dem Lockdown geben würde
Die Ergebnisse unserer PETBOOK-Umfrage spiegeln dieses Ausmaß wider – auch wenn nicht alle, die angaben, die Anschaffung ihres Haustiers bereut zu haben, das Tier tatsächlich auch abgaben. Doch selbst wenn man von lediglich 10 Prozent ausgeht, die das Tier wieder abgeben, würde das bei einer Million neu angeschafften Haustieren allein 100.000 Tiere deutschlandweit bedeuten, die in kurzer Zeit in den Tierheimen und Auffangstationen landen. Und das zusätzlich zu dem, was ohnehin immer zu bestimmten Zeiten wie den Sommerferien oder Weihnachten jedes Jahr wieder stattfindet. Die realen Zahlen dürften weitaus höher liegen.
„Dass es wieder ein Leben nach dem Lockdown geben würde, war dabei offenbar vielen Menschen nicht bewusst“, kommentiert der Tierschutzverein Dresden e. V. das Schicksal der Pandemie-Haustiere auf seiner Website. „Als aus Homeoffice wieder Büroarbeit wurde und flexible Arbeitszeiten plötzlich nicht mehr ganz so flexibel waren, wurden oft die einzig logischen Konsequenzen gezogen: Das neu angeschaffte Tier muss wieder weg.“
Die Ergebnisse der Umfrage im Überblick
Bereuen Sie die Anschaffung Ihres Haustiers während der Pandemie?
- Ja: 17 % (4169 Stimmen)
- Nein: 83 % (21075 Stimmen)
Was war der Grund der Anschaffung?
- Einsamkeit: 12 % bei „ja“, 10 % bei „nein“
- Günstiger Zeitpunkt: 11 % bei „ja“, 11 % bei „nein“
- Spontankauf: 10 % bei „ja“, 9 % bei „nein“
- War ohnehin schon lange geplant: 67 % bei „ja“, 70 % bei „nein“
Insgesamt wurde während des Voting-Zeitraums von Juli bis August 2025 25.244-mal abgestimmt. Die Teilnahme war pro Endgerät einmal möglich.
Hinweis der Redaktion: Das Voting wurde unter den PETBOOK-Lesern durchgeführt und ist nicht repräsentativ.