Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Glossar Alle Themen
Älteste Pferderasse

Das macht ein echtes Araberpferd aus

Araberpferd galoppierend auf der Wiese
Die Rasse der Araberpferde gehört zu den ältesten Pferderassen der Welt. Foto: Getty Images
Artikel teilen
Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

8. Oktober 2025, 6:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Kaum ein anderes Pferd verbindet so viel Eleganz, Ausdauer und Geschichte wie der Araber. Seine geschmeidigen Bewegungen, der hoch getragene Schweif und die unverkennbare Kopfform mit konkavem Profil machen ihn zur Ikone unter den Pferderassen. Doch dieses Pferd ist weit mehr als nur ein schönes Gesicht – es zählt zu den ältesten Pferderassen der Welt und hat unzählige andere Rassen geprägt. Was macht ihn so einzigartig?

Herkunft

Das Araberpferd stammt ursprünglich von der Arabischen Halbinsel und gilt als eine der ältesten, rein gezogenen Pferderassen weltweit. Seine Ursprünge lassen sich auf die Zuchtlinien der Beduinen zurückführen, die diese Tiere in den unwirtlichen Bedingungen der Wüste selektiv züchteten. Araber wurden dort nicht nur als Reit- und Lastentiere eingesetzt, sondern auch eng in das Leben der Menschen integriert, was ihre menschenbezogene Art prägte. Viele Legenden ranken sich um ihren Ursprung – von göttlicher Erschaffung bis hin zur Begleitung des Propheten Mohammed.

Im Laufe der Jahrhunderte fanden Araberpferde ihren Weg nach Europa – meist über Handels- und Eroberungszüge – und wurden dort aufgrund ihrer Härte, Schnelligkeit und Ausdauer gezielt zur Veredelung anderer Rassen eingesetzt. Trakehner, Englische Vollblüter, American Quarter Horses und viele weitere tragen bis heute Araberblut in sich. Damit wurde der Araber zu einem der einflussreichsten genetischen Grundpfeiler der modernen Pferdezucht.

Aussehen & Fell

Das Araberpferd zeichnet sich durch einen eleganten und schlanken Körperbau aus. Mit einem Stockmaß zwischen 140 und 160 cm und einem Gewicht von etwa 350 bis 550 kg gehört es zu den leichteren Rassen. Der Körperbau ist oft quadratisch, mit gut ausgeprägter Muskulatur und einem hoch angesetzten Schweif.

Charakteristisch ist der sogenannte Hechtkopf: eine konkave Profillinie mit großem Augenausdruck, breiten Nüstern und einem feinen, kleinen Maul. Die Augen liegen hoch und weit auseinander, was dem Gesicht eine große Ausdruckskraft verleiht. Eine anatomische Besonderheit ist das reduzierte Skelett: Araber besitzen nur 17 Rippen (statt 18), fünf Lendenwirbel (statt sechs) und 15 Schweifwirbel (statt 16 bis 18), was zum typischen Erscheinungsbild beiträgt.

Farblich dominieren Schimmel, doch auch Füchse, Braune und Rappen sind vertreten. Bei Partbred-Arabern treten vereinzelt auch Sonderfarben oder Scheckungen auf.

Charakter & Gemüt

Araber gelten als temperamentvoll, sensibel und gleichzeitig sehr menschenbezogen. Ihre feine Wahrnehmung macht sie besonders empfänglich für Stimmungen und Signale, weshalb sie stark auf ihre Bezugsperson reagieren. Viele Araber entwickeln eine enge Bindung zum Menschen, was sie im Umgang kooperativ und vorsichtig macht.

Oft wird ihnen ein Hang zur Schreckhaftigkeit nachgesagt – dies ist jedoch häufig die Folge von unsachgemäßer Haltung oder falschem Training. Richtig behandelt zeigen Araber sich als äußerst freundlich, neugierig und lernwillig. Ihre Lebhaftigkeit und ihr Tatendrang machen sie zu idealen Partnern für erfahrene Reiter mit Feingefühl.

Gang & Disziplin

Die Ausbildung eines Arabers erfordert Geduld, Konsequenz und vor allem Einfühlungsvermögen. Aufgrund ihrer Intelligenz und Sensibilität lernen Araber schnell – sowohl Positives als auch Negatives. Eine klare, ruhige Kommunikation und eine vertrauensvolle Beziehung bilden die Basis für eine erfolgreiche Ausbildung. Im Reitsport überzeugen sie besonders im Distanzreiten, sind aber auch in Disziplinen wie Dressur oder Springen vielseitig einsetzbar.

Dominanz oder Druck führen oft zum Rückzug oder zu Nervosität. Stattdessen sind positive Verstärkung und abwechslungsreiche Trainingseinheiten empfehlenswert. Frühzeitige Sozialisierung und gezielte Reize helfen, die Reizverarbeitung zu verbessern und die Neigung zur Schreckhaftigkeit zu verringern. In der Familie integrieren sich Araber meist problemlos, sofern ihre emotionalen und körperlichen Bedürfnisse beachtet werden.

Richtige Haltung & Pflege

Araber sind anpassungsfähige Pferde mit hohem Bewegungsdrang. Als ehemalige Wüstenpferde benötigen sie täglichen Auslauf, idealerweise auf Weiden mit Sozialkontakt in Offenstallhaltung. Auch Boxenhaltung ist möglich, sollte jedoch ganztägigen Freigang gewährleisten.

Aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels neigen sie bei Bewegungsmangel oder energiereicher Fütterung zu Übergewicht. Eine ausgewogene Fütterung, regelmäßige Bewegung und soziale Integration sind daher essenziell für das körperliche und seelische Wohlbefinden.

Pflegeleicht im Fell, benötigen Araber dennoch regelmäßige Hufkontrollen, Parasitenprophylaxe und Zahnpflege. Ihre Kälteempfindlichkeit macht wind- und wettergeschützte Unterstände im Winter sinnvoll.

Ernährung

Die Ernährung des Arabers sollte sich an seinem natürlichen Bedarf orientieren: hochwertiges Raufutter wie Heu oder frisches Weidegras bildet die Basis. Kraftfutter ist nur bei erhöhtem Energiebedarf (z. B. im Training oder Sporteinsatz) erforderlich und sollte individuell angepasst werden.

Aufgrund ihres effizienten Stoffwechsels sind Araber anfällig für Überfütterung. Eine zu energiereiche oder unausgewogene Fütterung kann zu Stoffwechselproblemen wie Hufrehe oder Insulinresistenz führen. Ergänzungsfuttermittel sollten nur gezielt eingesetzt werden, etwa bei Mineralstoffmangel oder erhöhtem Leistungsbedarf.

Frisches Wasser und strukturreiches Futter zur Unterstützung der Verdauung gehören zum Standard.

Mehr zum Thema

Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Trotz ihrer Robustheit sind Araberpferde nicht frei von gesundheitlichen Risiken. Genetisch bedingte Krankheiten wie das Severe Combined Immunodeficiency (SCID) oder Cerebelläre Abiotrophie (CA) können in bestimmten Linien auftreten, weshalb bei der Zucht ein strenges Gesundheitsmanagement nötig ist.

Ein weiteres Thema ist die Qualzucht: Übertriebene Kopfform (extremer Hechtkopf) kann zu Atemproblemen oder neurologischen Beeinträchtigungen führen. Seriöse Züchter achten auf ausgewogene, funktionale Körperformen.

Durch artgerechte Haltung, ausgewogene Fütterung und regelmäßige tierärztliche Kontrollen lassen sich viele gesundheitliche Probleme frühzeitig erkennen und vermeiden.

Der Araber im Überblick

  • Charakter: sensibel, temperamentvoll, menschenbezogen, freundlich
  • Stockmaß: ca. 140–160 cm
  • Typ: Vollblüter
  • Fellfarbe: überwiegend Schimmel, auch Fuchs, Braun, Rappe; bei Partbred auch Sonderfarben
  • Gang: schwungvoll, raumgreifend und elegant
  • Disziplin: Freizeitreiten, Englisches Reiten
  • Besonderheiten: Hechtkopf, hoher Schweifansatz, reduzierte Wirbelanzahl

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.