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Zucht seit 1732

Wie der Trakehner vom Militärpferd zum Dressur-Star wurde

Fuchs Trakehner
Trakehner gehören zu den beliebtesten Pferderassen. Neben den Lipizzanern sind sie die einzige Rasse, die zum immateriellen Kulturerbe gehört. Foto: Getty Images
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Werkstudentin

21. Februar 2026, 12:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Fast 300 Jahre Zuchtgeschichte, olympisches Gold und eine Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe: Der Trakehner ist weit mehr als nur ein elegantes Sportpferd. PETBOOK klärt über die Herkunft, den Charakter und die Pflege der Rasse auf.

Herkunft

Trakehner sind elegante Pferde mit ausdrucksstarkem Gangbild und haben hierzulande einen beinahe legendären Ruf. Seit 2022 zählt ihre Zucht sogar zum immateriellen Kulturerbe. Doch wie kam es dazu?

Bereits im Jahr 1732 nahm die Zuchtgeschichte ihren Anfang: Im ostpreußischen Trakehnen veranlasste Friedrich Wilhelm I., auch als „Soldatenkönig“ bekannt, die Zucht von robusten und leistungsfähigen Pferden. In erster Linie sollten die neu gezüchteten Pferde als Fahr- und Kutschpferde eingesetzt werden. Schon wenig später verlagerte sich jedoch der Schwerpunkt. Fortan standen militärische Anforderungen im Mittelpunkt, weshalb ein besonders ausdauerndes, schnelles und belastbares Reitpferd gefragt war. Um diesen sportlicheren Typ zu erreichen, wurden Englische Vollblüter, Shagya-Araber und Anglo-Araber eingekreuzt – ein Einfluss, der die Rasse bis heute prägt.

Im Laufe der Zeit wurde die Zucht über Generationen hinweg weiterentwickelt. Allerdings brach die Zucht im Zuge des Zweiten Weltkriegs zusammen. Die Bestände sanken stark und die Zucht kam nahezu zum Erliegen. Erst in den Jahren danach gelang schrittweise der Wiederaufbau. Infolgedessen etablierte sich der Trakehner nicht nur als erfolgreiches Sportpferd, sondern wurde auch gezielt zur Veredelung anderer Warmblutrassen eingesetzt.

Heute begegnet man Trakehnern vor allem im Dressursport. So gewann etwa die Trakehner-Stute Dalera BB unter Jessica von Bredow-Werndl vier olympische Goldmedaillen. Schließlich wurde 2022 die Trakehner-Zucht als immaterielles Kulturerbe durch die Deutsche UNESCO-Kommission anerkannt.

Aussehen

Der Trakehner gilt als Inbegriff des edlen Sportpferdes: elegant, motiviert und harmonisch gebaut. Mit einem Stockmaß von etwa 150 bis 170 Zentimetern zählt er zu den mittelgroßen Warmblütern. Besonders ins Auge fallen dabei der lange, fein geschwungene Hals und die ausgeprägt bemuskelte Hinterhand, die ihm äußerlich Dynamik und Ausdruck verleihen. Zudem unterstreichen seine langen, schlanken Beine den sportlichen Typ und sorgen für ein federndes, raumgreifendes Gangbild. Auch der Kopf zeigt ein besonderes Merkmal: Er zeigt meist eine gerade bis leicht konkave Profillinie sowie große, wache Augen, die ihm einen aufmerksamen Ausdruck geben.

Auch im Hinblick auf Fellfarben zeigt sich die Rasse vielseitig: Am häufigsten sind Füchse, Braune und Rappen vertreten. Hingegen kommen Schecken nur selten vor. Zudem sind Mähne und Schweif in den meisten Fällen eher fein und seidig statt besonders üppig.

Charakter & Gemüt

Trakehner sind vor allem für ihr sportliches Talent und ihre große Leistungsbereitschaft bekannt. Es gibt kaum eine Disziplin, in der sie nicht überzeugen: In der Dressur beeindrucken sie mit Eleganz und raumgreifenden Bewegungen, im Springsport zeigen sie sich schnell, aufmerksam und wendig.

Gleichzeitig haben sie den Ruf, nicht ganz unkompliziert zu sein – was vor allem mit ihrem hohen Vollblutanteil zusammenhängt. Viele Reiter beschreiben den „Trakehner-Charakter“ als sensibel und temperamentvoll. Sie reagieren fein auf Hilfen, nehmen Stimmungen schnell wahr und benötigen eine ruhige, sichere Führung. Wer sensibel mit seinem Pferd umgeht und entsprechendes Einfühlungsvermögen besitzt, wie gegenüber allen anderen Pferden auch, wird auch in Trakehnern einen engen Freund finden.

Gang & Disziplin

Mit ihren raumgreifenden Bewegungen sind Trakehner im Sport sehr gefragt. Auch in der Dressur sind sie regelmäßig auf Turnieren zu sehen – hier überzeugen sie mit Eleganz, Taktgefühl und Ausdruck. Insgesamt gilt die Rasse als vielseitiger Allrounder und wird auch gerne von Freizeitreitern geritten.

Das Aushängeschild der Rasse ist ihr Gangbild. Oftmals werden ihre raumgreifenden und federnden Gänge gelobt. Sie tragen sich schwungvoll und haben einen taktsicheren Gang.

Richtige Haltung & Pflege

Wie alle Pferde brauchen auch Trakehner viel Bewegung und Kontakt zu Artgenossen. Als soziale Herdentiere sollten sie in der Gruppe gehalten werden – mit täglichem Weide- oder Paddockgang.

Zur täglichen Pflege gehören das gründliche Putzen vor dem Training ebenso wie das regelmäßige Kontrollieren und Abtasten von Beinen, Gelenken und Hufen. So lassen sich Schwellungen, kleine Verletzungen oder Wärme frühzeitig erkennen. Auch die Hufpflege durch den Hufschmied ist in festen Abständen wichtig.

Eine saubere Umgebung trägt maßgeblich zur Gesundheit bei: Boxen oder Offenställe sollten täglich ausgemistet werden, damit die Pferde trocken und hygienisch stehen und Krankheiten wie Mauke verhindert werden können.

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Ernährung

Bei der Pferdefütterung muss Haltern bewusst sein, dass Pferde ständig Zugang zu Raufutter haben müssen. Auch wenn Pferde den ganzen Tag auf der Koppel gegrast haben, muss abends in der Box oder im Offenstall immer ausreichend Heu den Tieren zur Verfügung stehen.

Wenn Ihr Pferd viel bewegt wird, ist es ratsam, sich von Ihrem Tierarzt über mögliche Zufütterung von Kraftfutter beraten zu lassen.

Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten

Auch beim Trakehner treten einige Erkrankungen etwas häufiger auf, darunter Mauke, Koliken, Hufrehe oder Ohrentzündungen. Auslöser sind oft Haltungs- und Fütterungsfehler wie zu viel Zucker und Stärke, Übergewicht, Bewegungsmangel oder Stress. Eine artgerechte Haltung und angepasste Fütterung sind deshalb besonders wichtig.

Zudem steht seit einigen Jahren die vererbbare Muskel-Integritäts-Myopathie (MIM, früher PSSM2) im Fokus. Diese genetische Muskelerkrankung kann die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Verschiedene Zuchtverbände setzen deshalb auf Gentests, um betroffene Tiere frühzeitig zu erkennen und die Gesundheit der Rasse langfristig zu erhalten.

Trakehner im Überblick:

  • Charakter: aufgeweckt, neugierig, lernwillig
  • Stockmaß: 150–170 Zentimeter
  • Fellfarbe: alle, meistens Fuchs, Brauner oder Rappe
  • Gang: schwungvoll, federnd
  • Disziplin: Englisch, vor allem Dressur
  • Besonderheiten: neben Lipizzanern einzige Zucht als immaterielles Kulturerbe


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