Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Katzenverhalten Alle Themen
Forscher räumen mit Mythos auf

Dieses Katzenverhalten ist nicht immer ein Zeichen von Zuneigung

eine Katze putzt eine andere Katze am Kopf
Halter finden es sofort niedlich, wenn sich zwei Katzen putzen. Dabei kann das auch ein Zeichen für Stress sein Foto: Getty Images
Artikel teilen
Jasmin Reddmann
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Jasmin Reddmann Redakteurin

13. Juli 2026, 17:14 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Wenn sich zwei Katzen gegenseitig das Fell lecken, gilt das für viele Halter als Zeichen einer besonders engen Freundschaft. Doch genau dieser weit verbreitete Glaube gerät jetzt ins Wanken. Eine neue Studie zeigt: Gegenseitiges Putzen kann zwar Zuneigung ausdrücken, manchmal steckt dahinter aber auch Stress oder ein brodelnder Konflikt zwischen den Tieren.

Gegenseitiges Putzen hat zwei Gesichter

In einer Studie werteten Forscher der Universität Gent und der University of Lincoln Videoaufnahmen von 53 Katzenpaaren aus Mehrkatzenhaushalten aus. Die Wissenschaftler beobachteten dabei zwei völlig unterschiedliche Situationen, in denen sich Katzen gegenseitig putzten:1

  • Zum einen trat das Verhalten bei entspannten Katzen auf, die engen Körperkontakt suchten, nebeneinander lagen und ihre Körperhaltung aufeinander abstimmten. Häufig folgte anschließend spielerisches Raufen – ein möglicher Hinweis darauf, dass das Putzen tatsächlich die soziale Bindung stärken kann.
  • Zum anderen zeigte sich dasselbe Verhalten aber auch bei Katzen, die Anzeichen von Anspannung erkennen ließen.

Auch Stress kann dahinterstecken

In manchen Situationen drehten Katzen während des Putzens die Ohren nach hinten, leckten sich auffällig häufig über die Lippen oder schüttelten den Kopf. Teilweise gingen dem Putzen sogar Pfotenhiebe oder Bisse voraus oder folgten kurz darauf. Nach Einschätzung der Forscher können diese Verhaltensweisen sogenannte Übersprungshandlungen sein. Das könnte auf einen inneren Konflikt oder Stress zwischen den Tieren hindeuten.

Das bedeutet allerdings noch nicht, dass sich die Katzen grundsätzlich nicht mögen. Vielmehr scheint das gegenseitige Putzen je nach Situation unterschiedliche Funktionen zu erfüllen. Es kann sowohl Nähe schaffen als auch helfen, Spannungen zwischen den Tieren abzubauen.

Mehr zum Thema

Nicht jede putzende Katze ist mit der anderen befreundet

Interessant fanden die Forscher außerdem, dass sich die Katzen vor allem Kopf und Ohren leckten. Das sind die Körperstellen, die sie selbst bei sich nur sehr schwer erreichen können. Das spricht dafür, dass gegenseitiges Putzen neben sozialen Aspekten auch ganz einfach einen praktischen Nutzen haben könnte. Ob dabei tatsächlich die Fellpflege im Vordergrund steht, ließ sich mit dieser Studie allerdings nicht beantworten.

Überraschend war außerdem, dass sich verwandte oder gemeinsam aufgewachsene Katzen nicht häufiger gegenseitig putzten als Tiere ohne enge familiäre Bindung. Alle Gruppen zeigten das Verhalten. Allein daran lasse sich deshalb keine besonders enge Freundschaft zwischen zwei Katzen erkennen, stellten die Forscher fest.

Entscheidend ist der Gesamteindruck

Das Fazit der Forscher fällt deshalb deutlich differenzierter aus: Gegenseitiges Putzen ist nicht automatisch ein Liebesbeweis. Wirken beide Katzen entspannt, suchen freiwillig Körperkontakt und bleiben anschließend friedlich beieinander, spricht vieles für eine positive soziale Beziehung. Zeigen sie dagegen zurückgelegte Ohren, Stresssignale oder aggressives Verhalten, kann das Putzen auch Teil einer konfliktreichen Situation sein.

Quellen

  1. Van Belle MJR et al.: Unravelling feline social dynamics – A video-based observational study on allogrooming in domestic cats. Applied Animal Behaviour Science (2026), DOI: 10.1016/j.applanim.2026.107038 ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.