16. Juni 2026, 16:58 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Katzenhalter kennen das Gefühl: Nach einem anstrengenden Tag auf dem Sofa die Katze streicheln, ihr Schnurren hören und sofort entspannen. Doch genau dieses Bild stellt eine neue Studie aus den Niederlanden zumindest teilweise infrage. Die Forscher fanden heraus, dass Katzen zwar grundsätzlich zu mehr positiven Gefühlen beitragen, in akuten Stresssituationen aber offenbar anders wirken als bisher angenommen.
Katzen tun uns gut – aber nicht unbedingt als Stresspuffer
Für die Studie begleiteten Wissenschaftler 188 Hunde- und Katzenhalter im Alltag. Die Teilnehmer erhielten über fünf Tage hinweg bis zu zehn Benachrichtigungen täglich auf ihr Smartphone und beantworteten Fragen zu ihrer Stimmung, ihrem Stresslevel und dazu, ob sie gerade mit ihrem Haustier interagierten. Insgesamt kamen fast 8000 Datensätze zusammen.1
Das Ergebnis fiel zunächst positiv aus: Sowohl Hunde- als auch Katzenhalter fühlten sich in Momenten, in denen sie intensiver mit ihrem Tier interagierten, besser. Sie berichteten von mehr positiven und weniger negativen Gefühlen. Die emotionale Wirkung war bei beiden Tierarten ähnlich stark.
Überraschend wurde es jedoch, als die Forscher den Einfluss von Stress untersuchten. Denn weder Hunde noch Katzen konnten die negativen Auswirkungen von Stress auf die Stimmung der Halter messbar abfedern. Die oft angenommene Funktion als „Stresspuffer“ ließ sich in der Untersuchung nicht nachweisen.
Bei Katzen zeigte sich sogar ein gegenteiliger Effekt
Besonders überraschend: Bei Katzenhaltern fanden die Forscher einen Zusammenhang, der genau in die entgegengesetzte Richtung weist. Je intensiver gestresste Teilnehmer mit ihrer Katze interagierten, desto stärker waren ihre negativen Gefühle mit dem Stress verbunden. Die Interaktion schien die negativen Emotionen also nicht abzuschwächen, sondern teilweise sogar zu verstärken.
Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass dieser Effekt vorsichtig interpretiert werden müsse. Die Gruppe der Katzenhalter war kleiner als die der Hundehalter, zudem fiel der beobachtete Zusammenhang insgesamt eher gering aus. Weitere Untersuchungen seien nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Das widerspricht früheren Erkenntnissen nur auf den ersten Blick
Tatsächlich zeigen andere Studien seit Jahren, dass Katzen einen positiven Einfluss auf ihre Besitzer haben können. Forscher der Tokyo University of Agriculture untersuchten beispielsweise 32 Katzenhalter in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung. Die Teilnehmer verbrachten entweder zehn Minuten wie gewohnt mit ihrer Katze oder saßen lediglich in ihrer Nähe, ohne aktiv mit ihr zu interagieren.2
Auch diese Ergebnisse überraschten die Wissenschaftler. Während die Besitzer die gemeinsame Zeit subjektiv als angenehm und beruhigend wahrnahmen, zeigte ihr Körper etwas anderes. Die Herzfrequenz stieg an, gleichzeitig nahm die Aktivität des parasympathischen Nervensystems ab – jenes Teils des Nervensystems, der normalerweise mit Entspannung verbunden wird.
Auch zwischen Herzfrequenz, Cortisol und Oxytocin fanden die Forscher Zusammenhänge. Die Interaktion mit der Katze führte offenbar nicht zu einer klassischen Entspannungsreaktion, sondern eher zu einer Form positiver Aktivierung.
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Katzen erzeugen möglicherweise „positiven Stress“
Die japanischen Wissenschaftler vermuten deshalb, dass Katzen nicht in erster Linie beruhigen, sondern eine Form von sogenanntem „Eustress“ auslösen können. Darunter verstehen Forscher positiven Stress – also eine angenehme Aktivierung des Körpers, die nicht belastet, sondern sogar gesundheitsfördernd wirken kann. Ähnliche Reaktionen kennt man etwa von sportlicher Aktivität, spannenden Erlebnissen oder positiven sozialen Begegnungen.
Nach Ansicht der Forscher könnte genau dieser Mechanismus erklären, warum viele Katzenhalter sich nach dem Kontakt mit ihrem Tier besser fühlen, obwohl der Körper gleichzeitig physiologisch aktiviert wird.
Warum Katzen anders wirken könnten als Hunde
Die Autoren der neuen niederländischen Studie haben dafür eine mögliche Erklärung. Katzen bieten ihren Besitzern häufig eher eine ruhige, passive Form von Gesellschaft. Gerade in belastenden Situationen könne diese Art von Nähe emotional besonders intensiv wirken. Dadurch könnten negative Gefühle möglicherweise stärker wahrgenommen werden, statt in den Hintergrund zu treten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Katzen ihren Haltern schaden. Im Gegenteil: Die Studie bestätigt erneut, dass Katzen grundsätzlich mit mehr positiven und weniger negativen Gefühlen verbunden sind. Die Forscher vermuten lediglich, dass der Nutzen nicht dadurch entsteht, dass Katzen akuten Stress reduzieren. Stattdessen könnten sie vor allem ein Gefühl von Verbundenheit vermitteln und Einsamkeit verringern.
Die Katze macht uns also möglicherweise nicht unbedingt ruhiger – aber sie kann dennoch dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen.