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Warum beißen sich Katzen beim Putzen ins Fell?

Kater Remo beißt sich beim Putzen ins Fell
Besonders an den Pfoten hilft manchmal alles Putzen nichts und Kater Remo beißt sich hinein. Aber warum? Foto: Louisa Stoeffler
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

23. April 2026, 17:39 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wer seine Katze beim Putzen beobachtet, kennt das Bild: Neben dem ausgiebigen Lecken beißt sie plötzlich mit den Zähnen ins Fell, knabbert kurz daran und macht dann scheinbar entspannt weiter. Für viele Halter wirkt dieses Verhalten irritierend. Tatsächlich ist es in vielen Fällen völlig normal – kann aber auch ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt. PETBOOK-Redakteurin und Katzenexpertin Louisa Stoeffler ordnet das Verhalten ein.

Wenn’s beim Putzen etwas „bissiger“ wird

Es ist 4 Uhr morgens, alles ist still – bis plötzlich ein leises, aber sehr bestimmtes Knips-knips-knips neben dem Kopf ertönt. Kater Remo hat beschlossen, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt für eine besonders gründliche Fellpflege ist. Und die besteht nicht nur aus elegantem Schlecken, sondern auch aus hingebungsvollem Ins-Fell-Beißen – mit entsprechendem Geräusch. Viele Katzenhalter kennen genau diese Angewohnheit und fragen sich dabei früher oder später: Ist das eigentlich normal – oder sollte ich mir Sorgen machen?

Die kurze Antwort: Ja, Katzen dürfen das. Wenn es um ihr Fell geht, sind sie tatsächlich kleine Perfektionisten. Ihre raue Zunge funktioniert zwar wie eine Bürste, aber für die Feinarbeit greifen sie zusätzlich auf ihre Zähne zurück. Vor allem die kleinen Schneidezähne vorn im Maul kommen dabei zum Einsatz – und wirken ein bisschen wie ein eingebautes Haarpflege-Utensil. Oder, wenn man so will: echte „Kämmzähne“.

Mit diesen winzigen Werkzeugen zupfen und knibbeln Katzen lose Haare aus dem Fell, lösen kleine Verfilzungen und bearbeiten Stellen, an die die Zunge allein nicht gut herankommt. Das sieht für uns manchmal ruppig aus und klingt – gerade nachts neben dem Ohr – erstaunlich laut, ist aber völlig normales Pflegeverhalten. Zumindest so lange, wie sie dabei entspannt bleiben und ihre Haut in Ruhe lassen.

Wenn das Verhalten auffällig wird

Gerade bei dichtem oder längerem Fell lässt sich dieses Knabbern besonders häufig beobachten. Es wirkt für Außenstehende oft grob, ist für die Katze aber ein ganz normaler Bestandteil ihrer Pflege – solange es ruhig und kontrolliert abläuft und die Haut dabei unverletzt bleibt.

Auffällig wird es erst, wenn sich der Charakter des Putzens verändert. Wenn aus dem gelegentlichen Kämmen ein fast schon hektisches Knabbern wird oder die Katze immer wieder dieselbe Stelle bearbeitet, lohnt sich ein genauerer Blick. Putzt sich die Katze deutlich mehr als sonst oder konzentriert sie sich immer wieder auf dieselben Körperstellen, spricht das eher gegen normales Verhalten.

Auch kleine Details sind wichtig: Wirkt die Katze unruhig? Hört sie kaum noch auf? Kann man ihr Verhalten unterbrechen oder ist sie nur noch darauf fokussiert? Entstehen vielleicht sogar lichte Stellen im Fell? Dann ist das kein kosmetisches Feintuning mehr, sondern eher ein Hinweis darauf, dass etwas sie stört. In solchen Fällen steckt häufig nicht mehr nur Pflege dahinter, sondern ein konkreter Auslöser, den die Katze zu lindern versucht.

Juckreiz als häufiger Auslöser

Besonders oft steckt Juckreiz hinter dem Fellbeißen. Parasiten wie Flöhe oder Milben sind klassische Ursachen. Selbst ein geringer Befall kann ausreichen, um die Haut stark zu reizen. Die Katze versucht dann, die betroffenen Stellen mit den Zähnen zu erreichen, weil die Zunge allein nicht ausreicht, um das unangenehme Gefühl zu lindern.

Typischerweise sind dann vor allem Rücken, Flanken oder der Bereich am Schwanzansatz betroffen. Für Halter ist das Problem nicht immer sofort sichtbar – gerade Flöhe werden leicht übersehen, besonders bei Katzen mit schwarzem, langem oder stark gemustertem Fell.

Allergien und Hautreizungen

Neben Parasiten können auch Allergien dazu führen, dass Katzen sich ins Fell beißen. Dabei reagiert die Haut überempfindlich auf bestimmte Stoffe, etwa im Futter oder in der Umgebung. Auch eine Flohspeichelallergie ist weitverbreitet und sorgt für starken Juckreiz, selbst wenn nur wenige Parasiten vorhanden sind. Die Haut kann in solchen Fällen gerötet, schuppig oder empfindlich sein. Manche Katzen zeigen zusätzlich Unruhe oder wirken insgesamt gereizter.

Schmerzen als unterschätzte Ursache

Katzen beißen auch manchmal gezielt in ihr Fell, wenn sie Schmerzen haben. Das kann etwa bei Entzündungen, kleinen Verletzungen oder auch bei tieferliegenden Problemen wie Gelenkbeschwerden der Fall sein.

Gerade ältere Tiere mit Arthrose bearbeiten häufig bestimmte Körperregionen intensiver. Für Außenstehende sieht das zunächst wie übertriebene Fellpflege aus, tatsächlich versucht die Katze aber, eine schmerzhafte Stelle zu „behandeln“.

Stress und psychische Auslöser

Auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle. Katzen reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrem Umfeld. Ein Umzug, neue Mitbewohner – ob Mensch oder Tier – oder auch anhaltende Langeweile können Stress auslösen.

Einige Katzen beginnen dann, sich übermäßig zu putzen. Das Beißen ins Fell wird zu einer Art Ventil, um innere Anspannung abzubauen. In ausgeprägten Fällen kann sich daraus eine sogenannte psychogene Leckalopezie (auch bekannt als FSA) entwickeln, bei der sich die Tiere regelrecht kahlputzen.

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Wann man handeln sollte

Entscheidend ist also nicht das Verhalten an sich, sondern dessen Intensität und Entwicklung. Solange die Katze sich ruhig putzt und keine Veränderungen an Haut oder Fell sichtbar sind, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge.

Sobald jedoch kahle Stellen entstehen, die Haut gereizt wirkt oder das Putzen deutlich zunimmt, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden. Denn sowohl Parasiten als auch Allergien oder Schmerzen lassen sich meist gut behandeln – vorausgesetzt, sie werden erkannt.

Fazit

Dass sich eine Katze beim Putzen ins Fell beißt, gehört zu ihrem ganz normalen Repertoire. Mit ihren kleinen Schneidezähnen geht sie dabei erstaunlich präzise vor – fast wie mit einem Mini-Kamm.

Anders sieht es aus, wenn sich etwas verändert. Werden die „Kämmzähne“ plötzlich zum Dauereinsatz, wirkt die Katze gestresst oder zeigt das Fell kahle Stellen, sollte man genauer hinschauen – und im Zweifel den Tierarzt draufschauen lassen.

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