19. August 2026, 6:36 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Wie oft muss ein Hund Gassi gehen? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Denn Spaziergänge sind für Hunde weit mehr als nur eine Toilettenpause: Sie dienen der Bewegung, Beschäftigung, sozialen Kontakten und dem Erkunden der Umwelt. Wie oft ein Hund raus sollte, hängt deshalb von Faktoren wie Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Aktivitätslevel ab. PETBOOK gibt eine Orientierung.
Übersicht
Ist Gassigehen mit dem Hund gesetzlich geregelt?
Immer wieder liest oder hört man vom sogenannten „Gassi-Gesetz“. Gemeint ist damit meist die überarbeitete Tierschutz-Hundeverordnung, deren neue Regelungen Anfang 2022 in Kraft traten. Sie schreibt vor, dass Hunden ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers gewährt werden muss. Die Dauer und Häufigkeit des Auslaufs sind dabei an die Rasse, das Alter und den Gesundheitszustand des jeweiligen Hundes anzupassen.
Zudem ist in § 2 festgeschrieben, dem Hund „mehrmals täglich in ausreichender Dauer Umgang mit der Person, die den Hund hält, betreut oder zu betreuen hat (Betreuungsperson)“ zu gewähren. Auch daraus ergibt sich keine konkrete Vorgabe, wie oft oder wie lange ein Hundehalter mit seinem Hund spazieren gehen muss. Eine gesetzliche Pflicht, mit ausgewachsenen Hunden mindestens zweimal täglich für mindestens eine Stunde Gassi zu gehen, gibt es in dieser Form nicht.
Müssen Halter auf die Uhr schauen beim Gassigehen?
Diese Aussage entstand damals bei der Neufassung des Paragrafen 2 der Tierschutz-Hundeverordnung. Damals wurde die Länge des Auslaufs bzw. Gassigehens noch einmal konkretisiert und von der von der Juristin Daniela Müller, Expertin für Tierrechtsfragen, eingeordnet in einem Erklärvideo zur Tierschutz-Hundeverordnung eingeordnet. Die heute geltende Verordnung schreibt jedoch keine konkrete Dauer oder Anzahl von Gassirunden vor.1
In der Tierschutz-Hundeverordnung gibt es keine Vorgabe, dass Hunde mindestens zweimal täglich eine Stunde ausgeführt werden müssen. § 2 verlangt lediglich „ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers“, angepasst an Rasse, Alter und Gesundheitszustand. Regelmäßige Spaziergänge und ausreichend Bewegung bleiben dennoch wichtig. Ein Aufenthalt im Garten ersetzt diese nicht automatisch. Wer seinen Hund nicht ausreichend ausführen kann, sollte daher beispielsweise einen Dogwalker oder eine andere geeignete Betreuungsperson organisieren.
Woher kommt eigentlich der Begriff „Gassi gehen“?
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Wie oft ist ein Gassigang wirklich notwendig?
Rein körperlich können es Hunde acht bis zehn Stunden aushalten, ohne vor die Tür zu müssen – in Ausnahmefällen sogar noch länger. Auf Dauer reizen solch lange Zeitabstände jedoch die Blase der Vierbeiner. Das ständige „Aushaltenmüssen“ schlägt außerdem aufs Gemüt. Hunde, die sich nicht erleichtern dürfen, zeigen dann mit Winseln, Bellen oder unruhigem Umherlaufen, dass sie mal müssen. Manche fangen gar an, Gegenstände zu benagen oder sich anderweitig vom Drang, nach draußen zu wollen, abzulenken.
Das Gassigehen bestimmt also wesentlich das Wohlbefinden, das Verhalten und letztlich auch die Gesundheit eines Hundes. Andererseits ist die Häufigkeit aber auch von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Nicht jeder Hund tickt gleich. Wie auch bei uns Menschen gibt es faule Exemplare oder solche, die nicht bei jedem Wetter vor die Tür wollen. Ein Halter findet durch genaue Beobachtung heraus, was und wie viel Auslauf seinem Vierbeiner über die gesetzliche Regelung hinaus guttut.
Daran können sich Halter bei der Gassi-Planung orientieren
Wer seinem Hund ein Optimum beim Gassigehen bieten möchte, aber noch ein wenig Orientierung braucht, sollte auf folgende Punkte achten:
Empfehlung von Experten
Tierärzte, Züchter und Tierschützer empfehlen je nach Hund mehrere Gassirunden am Tag. Eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestdauer von einer Stunde täglich gibt es allerdings nicht. Die Tierschutz-Hundeverordnung schreibt lediglich vor, dass Hunden ausreichend Auslauf im Freien und mehrmals täglich ausreichend lange Kontakt zu ihrer Betreuungsperson ermöglicht werden muss.
Wie viel Bewegung ein Hund tatsächlich braucht, hängt unter anderem von Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Aktivitätslevel ab. Manche Hunde kommen mit mehreren kürzeren Runden gut zurecht, andere brauchen deutlich mehr Bewegung und Beschäftigung. Die Spaziergänge können dabei über den Tag verteilt werden. Wer berufstätig ist, kann beispielsweise morgens und abends längere Runden einplanen und tagsüber kürzere Pausen einlegen.
Alter des Hundes
- Welpen benötigen viel häufigere Gassirunden als ausgewachsene Hunde. Bis zur Stubenreinheit können sogar Intervalle von 30 Minuten bis zwei Stunden notwendig sein. Diese können dann nach und nach verlängert werden.
- Ausgewachsene Hunde mögen drei bis fünf Runden pro Tag.
- Senioren gehen wiederum lieber kürzer und häufiger spazieren. Bei ihnen kommt es häufig auch zur Inkontinenz.
Rasse
- Aktive Rassen wie Golden Retriever, Weimaraner, Huskys oder Border Collies: Ein Gassigang ist bei ihnen nicht mit Auslastung zu verwechseln! Das bedeutet, dass sie sich zwar ausreichend bewegen, vor allem aber geistig ausgelastet werden müssen. Ein stundenlanges Rennen reicht ihnen nicht. Sie benötigen geistiges Futter in Form von Such- oder Schnüffelspielen, die das Gehirn fordern. Natürlich können diese in jede Gassirunde eingebaut werden.
- Große Rassen wie z. B. der Berner Sennenhund oder die Dogge sagt man nach, dass sie eher gemütlich seien und sich mit wenig Auslauf begnügen würden. Richtig ist jedoch, dass auch sie gefordert werden wollen – nicht in Form von Kilometern, sondern mit Aufgaben. Ihnen gefallen ebenfalls Such- oder auch Versteckspiele. Auch die häufige Wahl einer neuen Gassiroute bietet den grauen Zellen Abwechslung.
- Kleine Rassen können definitiv nicht über einen Kamm geschert werden. Während bei manchen kurzköpfigen Rassen wie Möpsen oder Französischen Bulldoggen aufgrund der Anatomie keine langen Runden möglich sind, fordern andere wie etwa Jack Russell Terrier ein Auspowern geradezu ein. Auch der Chihuahua tippelt gern längere Runden durch den Wald. Eines haben die Kleinen jedoch alle gemein: Sie wollen – statt in einer Tragetasche – auf eigenen Füßen ihre Runden drehen.
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Gesundheitszustand
Grundsätzlich fördert regelmäßiges, ausreichendes Gassigehen die Gesundheit des Hundes. Verdauung, Knochen und Gelenke werden in Schuss gehalten, das Gewicht bleibt unter Kontrolle. Dennoch sollte immer wieder aufs Neue der aktuelle Gesundheitszustand betrachtet werden. Klar, ist der Vierbeiner krank, werden automatisch kürzere Runden gedreht.
Die sogenannten brachycephalen – also kurzköpfigen – Rassen erleben jedoch aufgrund ihres Körperbaus oft schon Einschränkungen. So bekommt ein Mops beispielsweise aufgrund seines platten Gesichts und der verformten Atmungsorgane häufig schlecht Luft. Ein langer Spaziergang bietet sich hier nicht an.
Auch bei extrem übergewichtigen Hunden ist Vorsicht geboten. Bevor man längere Strecken plant, ist hier vielleicht eine Diät ratsam, die – gepaart mit langsamer, schonender Bewegung – ausgebaut werden kann.