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Ist BARF für Hunde wirklich gesund? Fachtierärztin erklärt Risiken

BARFen: Hund schaut auf Fleisch und Kartoffeln
Beim Barfen steht viel rohes Fleisch auf dem Speiseplan des Hundes, aber auch kohlenhydrathaltige Lebensmitteln wie Kartoffeln Foto: Getty Images
Porträt Manuela Bauer
Freie Autorin

28. August 2026, 12:52 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Immer mehr Hundehalter verzichten auf Fertigfutter und stellen die Mahlzeiten ihres Vierbeiners selbst zusammen. Barfen verspricht frische Zutaten und volle Kontrolle über den Napfinhalt, birgt bei falscher Anwendung jedoch das Risiko einer Mangelernährung. PETBOOK erklärt, wie die Fütterungsmethode funktioniert, welche Nährstoffe der Hund benötigt und mit welchen Rezepten der Einstieg gelingt.

Was bedeutet BARF?

Für die Abkürzung BARF gibt es mehrere Deutungen. Ursprünglich wurde sie unter anderem als „Bones and Raw Food“, also „Knochen und rohes Futter“, verwendet. Später setzte sich die englische Bezeichnung „Biologically Appropriate Raw Food“ durch. Im Deutschen wird BARF meist mit „biologisch artgerechtes rohes Futter“ übersetzt.

Was ist BARF-Befürwortern wichtig?

Viele BARF-Anhänger möchten ihren Hund möglichst naturnah ernähren und genau kontrollieren, welche Zutaten im Napf landen. Einige Konzepte orientieren sich dabei an der Zusammensetzung eines Beutetiers. Der heutige Haushund ist jedoch kein Wolf: Im Laufe der Domestikation hat sich unter anderem seine Fähigkeit verbessert, Stärke zu verdauen. Je nach Hund können deshalb auch gekochter Reis, Kartoffeln oder andere Kohlenhydratquellen Bestandteil einer individuell berechneten Ration sein.

BARF für Hunde: Karotten, Kürbiskerne, rohes Knochenfleisch, Innereien und Lachsöl
Karotten, Kürbiskerne, rohes Knochenfleisch, Innereien und Lachsöl – so könnte ein BARF-Menü aussehen Foto: Getty Images

Wie setzt sich BARF-Futter zusammen?

Viele BARF-Modelle sehen ungefähr 70 bis 80 Prozent tierische Bestandteile und 20 bis 30 Prozent pflanzliche Zutaten vor. Zum tierischen Anteil können Muskelfleisch, Innereien und gegebenenfalls rohe fleischige Knochen gehören. Der pflanzliche Anteil besteht beispielsweise aus Gemüse, kleinen Mengen Obst und, je nach Konzept, gekochten Kohlenhydratquellen.

Diese Prozentwerte sind lediglich grobe Orientierungshilfen. Ob die Mahlzeit den individuellen Bedarf des Hundes deckt, lässt sich erst anhand der verwendeten Zutaten und ihrer Nährstoffgehalte beurteilen.

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Der Einstieg ins richtige Barfen

Dr. Julia Fritz ist seit 2010 Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik und leitet seit 2011 die auf Ernährung spezialisierte Praxis „Napfcheck“ in München /Planegg. Sie empfiehlt, nur erwachsene und gesunde Hunde roh zu füttern. „Bei Welpen kann es zu Fehlversorgungen kommen, gerade im Hinblick auf Kalzium und Phosphor, und wenn die Ration zu viel Fett enthält, führt das zu Wachstumsstörungen“, erklärt sie PETBOOK. „Bei kranken Hunden ist es auch schwierig, denn die brauchen in der Regel weniger Eiweiß und mehr Kohlenhydrate, das widerspricht dem Barfen eher.“

Erweist sich der eigene Vierbeiner für diese Art von Fütterung als geeignet, sollte man nicht einfach mit dem Barfen beginnen. Ratsam ist es, vorab sorgfältig zu recherchieren, wie man den optimalen Futterplan für die Bedürfnisse seines Hundes zusammenstellt.

Wer eine selbst zusammengestellte Ration füttern möchte, sollte sie idealerweise von einer Fachtierärztin oder einem Fachtierarzt für Tierernährung beziehungsweise einer entsprechend qualifizierten tierärztlichen Ernährungsberatung berechnen oder überprüfen lassen. Berater wie Dr. Julia Fritz erstellt dann die passende Zusammensetzung, z. B. aus Fettsäuren und Bedarfswerten, womit ein Laie wahrscheinlich eher überfordert wäre. Wer es sich aber selbst zutraut, den Futterplan für seinen Hund zusammenzustellen, für den gibt es Hilfsmittel wie BARF-Rechner, etwa futter-rechner.de. Anfänger können auch zu fertigen BARF-Menüs greifen.

Welches Zubehör benötigt man bei BARF?

Die BARF-Ausstattung fällt relativ einfach aus, man benötigt:

  • Schneidebrett
  • scharfes Messer
  • Pürierstab oder Mixer
  • Küchenwaage
  • diverse Frischhaltedosen in unterschiedlichen Größen
  • Frischhaltebeutel
  • Kühltruhe oder Gefrierschrank

Wo bekomme ich die Zutaten für das Barfen her?

Fleisch, Knochen und Innereien sollte man schon aus Kostengründen nicht beim Metzger oder Supermarkt kaufen. Auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sollte man es nicht unterstützen, dass noch mehr Tiere geschlachtet werden. Eine gute Wahl ist es, direkt zum Schlachthof zu gehen. Dort gibt es oft spezielle Metzger, die Schlachtabfälle für Tiernahrung verwerten. Außerdem bekommt man hier auch Innereien wie Pansen und Milz.

Wer in ländlicher Gegend wohnt, geht am besten zum Bauern seines Vertrauens. Natürlich kann man das alles heutzutage auch in Online-Shops bekommen. Hier sollte man die Kühlkette unter die Lupe nehmen. Auf den ersten Blick sind die Produkte oft günstiger, die Versandkosten können den Preisvorteil aber wieder zunichtemachen.

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Besteht die Gefahr einer Mangelernährung?

Wie viel Fleisch, Knochen, Innereien, Obst und Gemüse in den Napf müssen, wird also genau berechnet. Meist reichen die Vitamine, Mineralien und Spurenelemente nicht aus, und es müssen Öle und Nahrungsergänzungsmittel in die Futterration gemischt werden, weiß Dr. Julia Fritz: „Man muss aufpassen, denn nicht jeden Nährstoffmangel sieht man einem Hund gleich an. Kupfer und Zink, wenn da ein Mangel ist, sieht man Fellveränderungen.“ Schnell sehe man auch eine Unterversorgung mit Linolsäure, eine Omega 6 Fettsäure. Wenn diese fehle, „kriegen die Tiere nach zwei bis sechs Monaten ein stumpfes Fell“, so die Fachtierärztin.

Ein regelmäßiger Gesundheits-Check beim Tierarzt ist gut, aber nicht immer zuverlässig, weiß Dr. Julia Fritz: „Es gibt sogenannte BARF-Profile, bei denen das Blut auf bestimmte Mineralien, Spurenelemente, Vitamine etc. untersucht wird, davon halte ich persönlich aber wenig, denn darüber lässt sich eigentlich nicht wirklich alles feststellen.“ Einen Kalzium-Mangel im Blut sehe man nicht, weil der Spiegel immer gleich sei. „Fehlt Kalzium in der Nahrung, holt sich das der Körper aus den eigenen Knochen und die werden dann irgendwann porös. Für mich ist das deshalb reine Geldmacherei“, so das Urteil der Expertin.

Welche Hygieneregeln gelten beim Barfen?

Bei rohem Fleisch ist eine sorgfältige Küchenhygiene besonders wichtig. Hände, Messer, Näpfe und Arbeitsflächen sollten nach dem Kontakt gründlich gereinigt werden. Rohfutter muss durchgehend gekühlt, getrennt von Lebensmitteln für Menschen gelagert und nach dem Auftauen zeitnah verfüttert werden. Futterreste sollten nicht längere Zeit im Napf stehen bleiben.

In Haushalten mit kleinen Kindern, Schwangeren, älteren oder immungeschwächten Personen sollte vor der Rohfütterung tierärztlicher Rat eingeholt werden. Krankheitserreger können nicht nur beim Zubereiten, sondern auch über den Speichel oder Kot des Hundes weitergegeben werden.

Wie stelle ich den Hund auf BARF um?

Ist der Hund bereits seit Jahren an sein Alleinfuttermittel aus der Dose gewöhnt, sollte man es vorsichtig angehen. Hat er bisher Trockenfutter bekommen, ist die Umstellung für seine Verdauung eventuell noch schwieriger, da Trockenfutter vorwiegend aus Kohlenhydraten besteht. Da kann es in der Umstellungsphase zu weichem und auch weniger Kot kommen. Sollte er erbrechen, bitte den Tierarzt aufsuchen.

Die Umgewöhnung kann sich über mehrere Wochen hinziehen. Dabei sind folgende Schritte denkbar:

  1. In einem ersten Schritt kann man das Fleisch gekocht verabreichen und dann erst nach und nach auf eine rohe Fütterung umstellen.
  2. Anschließend kann man dem Hund dann zum Beispiel ein Stück gewolftes Rind mit einer pürierten Karotte anzubieten. Nimmt er es nicht an, kann man das Fleisch kurz anbraten oder überbrühen.
  3. Als nächsten Schritt bietet man ihm Innereien an.
  4. Wenn das alles gut geklappt hat, kann man zur Knochenfütterung übergehen. Hier verwendet man am Anfang weiche Knochen wie Hühnerhälse oder Hühnerflügel. Sollte der Hund Durchfall bekommen, geht man wieder einen Schritt zurück.
  5. Erst ganz zum Schluss versucht man Kräuter, Öle und Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen.
Ein Hund liegt traurig neben dem Futternapf
Manchmal gestaltet sich die Futterumstellung auf Barfen schwierig und der Hund verweigert das neue Futter Foto: Unsplash

Fazit zum Barfen

Auf den ersten Blick scheint Barfen sehr aufwendig zu sein. Und auch wenn man nach einiger Zeit die Futterrationen genau kennt, ist der Arbeitsaufwand nicht gering. Der Vorteil ist, man hat, was die Zutaten betrifft, alles in der Hand und kann sich so individuell auf die Bedürfnisse des eigenen Hundes einstellen.

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BARF-Rezepte

Die Mengenangaben sind für einen 20 Kilogramm schweren Hund gedacht.

Sommer-Menü vom Schaf

  • 350g Mix vom kompletten Schaf
  • Sellerie
  • grüner Blattsalat
  • Birne
  • 150g Pastinake fein püriert
  • 1 TL Hanföl
  • Hagebuttenpulver

Wellness-Menü von der Pute

  • 350g Gulasch von der Pute
  • Banane
  • Apfel
  • Feldsalat
  • Möhre
  • 150g Petersilie fein püriert
  • 1 TL Lebertran
  • PerNaturam Kräutergarten 30
  • Seealgenmehl

Quellen

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