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Rohfütterung

Tiere im Ganzen verfüttern? So sinnvoll ist die „Whole-Prey-Ernährung“ für Hunde

Hund kaut an rohem Stück Fleisch
Bei der sogenannten „Wholeprey Ernährung“ soll möglichst das gesamte Tier an den Hund verfüttert werden – mitsamt Knochen, Organen, Haut und Fell. Foto: Getty Images
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16. Februar 2026, 12:52 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Der Wunsch, seinen Hund artgerecht, hochwertig und gesund zu ernähren, steht bei vielen Haltern an erster Stelle. Neben dem Thema BARF-Fütterung taucht auch immer häufiger der Begriff „Whole Prey“ auf. Was ist mit diesem Trend auf sich hat, welchen Unterschied es dabei zum BARF gibt und wie die Whole Prey-Methode funktioniert, erklärt unsere PETBOOK-Autorin und Ernährungsberaterin für Hunde, Philine Ebert.

Was bedeutet Whole-Prey?

Bei der Whole Prey Fütterung (englisch: „Prey“ = Beutetier) wird ein ganzes Beutetier, etwa ein ganzes Kaninchen oder Huhn inklusive Blut, Fell, Knochen und Knorpel verfüttert. Der Fokus liegt auf dem Fleischanteil, alle anderen Nährstoffe liefern die Innereien sowie Magen- und Darminhalt des Beutetiers.

Auf die Gabe von zusätzlichem Obst, Gemüse oder Kräutern, die ein Tier in freier Wildbahn vielleicht zusätzlich fressen würde, wird hierbei im Gegensatz zum BARF komplett verzichtet.

Der Unterschied zwischen BARF und Whole Prey

Beiden Fütterungsmethoden liegt die Rohfütterung zu Grunde. Als Vorbild dienen dabei die Fressgewohnheiten von Wölfen und wild lebenden Hunden, die ein ganzes Beutetier komplett und roh fressen, nachdem sie es erlegt haben.

Beim BARF (biologisch artgerechte Rohfleisch-Fütterung) werden rohe Zutaten wie Fleisch, Innereien und Knochen (rohe, fleischige Knochen) meist zusätzlich mit Gemüse, Obst, Kräutern und hochwertigen Ölen verfüttert. Dabei werden die einzelnen Komponenten individuell für den Hund zusammengestellt, wozu genaue Berechnungen zu Menge und Nährstoffen nötig sind. Auch hierbei wird auf die Zugabe von pflanzlichen Zutaten oder Öl verzichtet.

Ist Whole Prey gesund für Hunde?

Natürlich ist es einfacher, Fertigfutter zu kaufen und seinen Hund damit zu ernähren. Die Rohfütterung ist viel aufwändiger, bietet aber die ursprünglichste, natürlichste und gesündeste Art der Ernährung eines Hundes. Studien haben gezeigt, dass Hunde, die mit frischem Futter ernährt werden, eine höhere Lebenserwartung haben. 1

Da keine gesundheitsschädlichen oder krebserregenden Zusatzstoffe im Futter enthalten sein können, verringert sich die Gefahr der Entstehung von Krankheiten. Auch fütterungsbedingte Erkrankungen, wie Allergien, Unverträglichkeiten, Zahnerkrankungen, Gelenkerkrankungen oder Übergewicht können durch diese Fütterungsart reduziert werden.2,3

Gerade Allergiker und ernährungssensible Tiere profitieren von dieser Monoproteinfütterung. Weil keine unnötigen Füllstoffe oder Zusatzstoffe im Futter enthalten sind, arbeitet der Magen-Darm-Trakt normal und der Hund setzt regelmäßig eine angemessene Menge an Kot ab.

Vorteile der Rohfütterung:

Da Whole Prey wie BARF zur Rohfütterung zählt, ergeben sich allein daraus schon ein paar Vorteile im Vergleich zum Fertigfutter:

  • naturnahe, unverfälschte Ernährung
  • alle Nahrungsbestandteile bleiben erhalten (Vitamine, Mineralien, Enzyme und alle anderen Nährstoffe), weil sie nicht durch Hitze oder Weiterverarbeitung zerstört werden
  • leichter verdaulich als industriell hergestelltes Futter
  • gute Akzeptanz
  • individuelle Auswahl der Fleischsorte und Zusammensetzung nach den Bedürfnissen des Tieres
  • individuelle Auswahl der verwendeten Lebensmittel und absolute Herkunftskontrolle

Der Vorteile von Whole Prey im Vergleich zum BARF ist, dass dazu keine großen Berechnungen nötig sind. Der Hund nimmt mit dem ganzen Beutetier alle Nährstoffe auf, die der Organismus für die Nährstoffversorgung braucht. Neben hochwertigen Proteinen liefert es Faserstoffe aus Magen- und Darminhalt, Eiweiß, Fett, Vitamine und Mineralstoffe aus Muskelfleisch, Innereien, Knochen, Blut und Jod
aus der Schilddrüse.

Nachteile von Whole Prey

Ein ganzes Beutetier zu fressen liegt instinktiv in der Natur des Hundes, was wiederum auch erklärt, warum vielen Hunden diese Art zu fressen häufig sichtlich mehr Spaß macht, als ein Napf Fertigfutter. Allerdings ist diese Fütterungsmethode wahrscheinlich nicht unbedingt für jeden Halter geeignet.

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Seinem Hund ein ganzes, unverarbeitetes, rohes Tier zu verfüttern, kostet erst mal einiges an Überwindung. Wer nicht selbst schlachtet, sondern das Beutetier zukauft, braucht auch dementsprechende Lagermöglichkeiten und die Menge des zu lagernden Fleisches sollte nicht unterschätzt werden. Das schlägt sich langfristig auch in den Kosten nieder, im Gegensatz zu Fertigfutter.

Frankenprey – die Alternative zum ganzen Beutetier

Eine abgewandelte Variante der Whole Prey Fütterung ist Frankenprey. Bei dieser Fütterungsweise wird ein Beutetier praktisch „nachgebaut“. Daher rührt der Name Frankenprey in Anlehnung an Frankenstein.

Im gleichen Verhältnis wie bei dem echten Beutetier werden Fleisch, Organe und Knochen miteinander kombiniert. Durch diese Methode können wahlweise auch andere Sorten wie z.B. Rind- oder Lammfleisch zum Einsatz kommen.

Eine Tagesration Futter besteht dann aus drei Bausteinen:  80 % Fleisch (Muskelfleisch), 10 % fleischigen Knochen und 10 Prozent Innereien (die Hälfte davon Leber).

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Voraussetzungen für die Rohfütterung:

So toll die Vorteile der Whole Prey Fütterung auch klingen – wer seinen Hund nach dieser Methode ernährt, sollte einiges beachten. Zum einen benötigt man fundiertes Wissen und Lebensmittelkunde über die Ernährung des Hundes, um eine ausgewogene und verantwortungsvolle Nährstoffversorgung zu garantieren. Dies sollte man regelmäßig kontrollieren, etwa durch ein Blutbild beim Tierarzt.

Man darf auch keine Scheu vor dem Umgang mit toten Tieren, deren Geruch und Verarbeitung haben. Zudem kostet die Methode erheblich mehr Zeit, als nur eine Dose zu öffnen (Einkaufen, Vor- und Zubereitung der Rationen) und es muss ausreichend Platz sowie eine gekühlte Lagerung der Lebensmittel garantiert sein. Dabei sind hohe Hygienestandards bei Lagerung und Zubereitung essenziell. Rohes Fleisch kann mit Erregern wie Bakterien, Salmonellen, Viren oder Neosporen belastet sein, was zu Infektionen bei Mensch und Hund führen kann

Wichtig ist zudem, dass alle Komponenten roh verfüttert werden. Vor allem Knochen sollten zur Sicherheit niemals im gekochten Zustand verfüttert werden, da sie splittern und zu schweren Verletzungen führen könnten.

Schließlich sollte man sichergehen, dass die Fütterung auch gewährleistet ist, wenn man mal im Urlaub oder auf Reisen ist. Dann sollte man entweder Alternativen zur Hand haben oder sichergehen, dass die Whole Prey Fütterung durch andere Personen übernommen wird.

Mein Fazit als Ernährungsberaterin für Hunde:

Wer seinen Hund so natürlich und gesund wie möglich ernähren will, praktiziert Rohfütterung wie BARF oder Whole Prey. Der Hund sollte bestenfalls von klein auf an diese Fütterungsart gewohnt sein, damit sein Fressverhalten und sein Organismus damit vertraut sind.

Diese Art der Fütterung sollten nur Halter mit fundiertem Wissen, großer Sorgfalt, ausreichend Zeit und unter den entsprechenden Gegebenheiten praktizieren. Eine regelmäßige Kontrolle über den ernährungsphysiologischen Zustand des Hundes durch den Tierarzt oder Ernährungsberater ist von Vorteil, um eine Mangelernährung auszuschließen und bei Bedarf die Fütterung zu optimieren.

Quellen

  1. Sandri, M., Dal Monego, S., Conte, G. et al. „Raw meat based diet influences faecal microbiome and end products of fermentation in healthy dogs“. BMC Vet Res 13, 65 (2016). https://doi.org/10.1186/s12917-017-0981-z ↩︎
  2. Marx, F., Machado, G., Pezzali, J., Marcolla, C., Kessler, A., Ahlstrøm, Ø., & Trevizan, L. (2016). „Raw beef bones as chewing items to reduce dental calculus in Beagle dogs. Australian Veterinary Journal“, 94(1-2), 18-23. https://doi.org/10.1111/avj.12394 ↩︎
  3. K.F. Elliott, J.S. Rand, L.M. Fleeman, J.M. Morton, A.L. Litster, V.C. Biourge, P.J. Markwell, „A diet lower in digestible carbohydrate results in lower postprandial glucose concentrations compared with a traditional canine diabetes diet and an adult maintenance diet in healthy dogs“, Research in Veterinary Science, Volume 93, Issue 1, 2012, Pages 288-295, ISSN 0034-5288, https://doi.org/10.1016/j.rvsc.2011.07.032. ↩︎

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