1. April 2026, 10:41 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Sie ist klein, unscheinbar und doch zunehmend präsent: Die Auwaldzecke breitet sich weiter in Deutschland aus – und bleibt selbst bei niedrigen Temperaturen aktiv. Während viele Menschen Zecken vor allem mit warmen Monaten verbinden, zeigt diese Art ein anderes Verhalten. Für Hundehalter bedeutet dies, aufmerksam zu sein – und das nicht nur beim Gassigehen, sondern auch beim Alltag im eigenen Garten.
Auwaldzecke breitet sich in Deutschland aus
Zecken gehören zu den häufigsten Parasiten, wobei weltweit mehr als 900 Arten bekannt sind. In Deutschland dominiert zwar weiterhin der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), doch seit einigen Jahren ist auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) deutlich häufiger anzutreffen.
Typische Lebensräume sind feuchte Gebiete wie Auwälder, Moore oder sumpfige Flächen. Doch längst hat sich die Art auch in privaten Gärten etabliert – etwa in feuchtem Rasen, wilden Wiesen oder Hecken.
Wo in Deutschland gibt es Auwaldzecken?
Nach Einschätzung von Fachleuten ist ihre Verbreitung inzwischen flächendeckend: „Die Auwaldzecke ist in ganz Deutschland verbreitet“, teilt Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim auf MyHOMEBOOK mit.
Zudem heißt es: „Wir gehen davon aus, dass die Auwaldzecke alle Gebiete in Deutschland erreicht beziehungsweise bereits erreicht hat.“ Auffällig ist auch ihr Aktivitätsverhalten: Anders als andere Zeckenarten ist sie bereits seit Wochen auf Wirtssuche – selbst bei Temperaturen um vier Grad Celsius.
Darum ist die Auwaldzecke für Hunde so gefährlich
Deutlich größer ist das Risiko für Tiere. Neben Wildtieren wie Rehen, Füchsen oder Wildschweinen sind vor allem Hunde von der Auwaldzecke betroffen. Ein Zeckenstich kann für die Haustiere lebensbedrohlich werden.
Eine infizierte Auwaldzecke könne laut der Expertin Krankheitserreger übertragen. Dazu gehöre die Hundemalaria, auch als Babesiose bekannt. Dabei werden rote Blutkörperchen zerstört – unbehandelt kann dies für Hunde tödlich enden.
Typische Anzeichen bei betroffenen Tieren sind hohes Fieber und auffällig dunkel gefärbter Urin. Zwar stehen inzwischen Medikamente und Impfstoffe zur Verfügung, dennoch können schwere Verläufe lebensgefährlich sein.
Auwaldzecke ist auch im Winter eine Gefahr für Hunde
Die zunehmende Aktivität der Auwaldzecke hängt eng mit veränderten klimatischen Bedingungen zusammen. Milde Winter führen dazu, dass viele Zeckenarten ihre Ruhephasen verkürzen oder ganz darauf verzichten.
„Wir beobachten bei vielen Zeckenarten eine sogenannte Winteraktivität. Das bedeutet, dass die Zecken keine wirkliche Winterruhe mehr durchführen und schon sehr früh im Jahr aktiv sind“, so die Expertin auf MyHOMEBOOK. Für Gartenbesitzer und Naturfreunde bedeutet das: Die klassische „Zeckensaison“ gibt es so kaum noch.
Ein gründlicher Körpercheck nach Aufenthalten im Freien ist daher das ganze Jahr über sinnvoll. Denn einige Arten – darunter die Auwaldzecke – sind bereits im Januar aktiv und bleiben es bis in den Spätherbst. „Dies hat sicherlich etwas mit dem Klimawandel zu tun“, erklärt die Expertin.
Hasenpest: selten, aber ernst zu nehmen
Neben Fleckfieber kann die Auwaldzecke auch Tularämie – bekannt als Hasenpest – übertragen. Vor allem Nagetiere und Hasen sind betroffen, beim Menschen tritt die Krankheit nur selten auf.
Die Symptome ähneln zunächst einer Grippe, später kann sich die Einstichstelle entzünden und geschwürartig verändern. Geschwollene Lymphknoten sowie Entzündungen von Lunge oder Rippenfell sind mögliche Komplikationen. In schweren Fällen droht eine Blutvergiftung. Auch hier ist eine Behandlung mit Antibiotika möglich.
Ist die Auwaldzecke auch für Menschen gefährlich?
Im Vergleich zu anderen Zeckenarten gilt die Auwaldzecke nicht als besonders aggressiv gegenüber Menschen. „Die Auwaldzecke sticht nur selten Menschen“, betont Prof. Dr. Ute Mackenstedt. Dennoch besteht ein gesundheitliches Risiko, da die Zecke auch auf Menschen Krankheitserreger übertragen kann.
Eine mögliche Folge ist Fleckfieber. Die Erkrankung beginnt meist plötzlich mit starken Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, hohem Fieber und Schüttelfrost. Im weiteren Verlauf kann ein charakteristischer Hautausschlag entstehen, während Gesicht und Hände oft frei bleiben. Auch Hautblutungen sind möglich. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antibiotika.
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So schützen Sie Ihren Hund vor der Auwaldzecke
Um Haustiere wie Hunde und Katzen zu schützen, stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Zeckenhalsbänder können ebenso helfen wie sogenannte Spot-on-Präparate, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. Ergänzend gibt es spezielle Shampoos mit abschreckender Wirkung gegen Parasiten.
Wichtig: Alternative Methoden wie ätherische Öle oder die oft angepriesenen Bernsteinketten bieten keinen ausreichenden Schutz. Wirklich geschützt sind Hunde nur mit Präparaten, die spezifisch gegen Zecken wirken. Mehr dazu, lesen Sie hier: Parasitologe zu Zeckenschutz beim Hund: »Bernsteinketten und Knoblauch helfen nicht!
Vorsicht bei Wildtieren
Wer mit seinem Hund im Wald oder Feld unterwegs ist, sollte sich auch vor anderen Wildtieren in Acht nehmen, die durch die Auwaldzecke infiziert sein könnten. Denn diese zeigen häufig auffällige Verhaltensänderungen: Sie wirken apathisch, verlieren an Gewicht, haben struppiges Fell und bewegen sich unsicher. Ungewöhnlich ist zudem eine scheinbare Zutraulichkeit durch Schwäche.
Wichtig ist daher: Kranke oder tote Tiere sollten keinesfalls ungeschützt berührt werden. Auch bei der Verarbeitung von Wildfleisch sind strenge Hygienemaßnahmen erforderlich. Fälle von Tularämie bei Hasen und Kaninchen sind meldepflichtig beim Veterinäramt.