7. August 2025, 12:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Hasenpest breitet sich weiter aus. Nun meldet das Robert Koch-Institut (RKI), dass sich in Berlin bereits vier Menschen mit der Seuche angesteckt haben. Anfang des Jahres ist der Erreger bei zwei Tieren in Hessen nachgewiesen worden. Warum der Erreger sogar als möglicher Bioterrorismus-Kandidat gilt und wie man sich schützen kann, erklären zwei Experten.
Übersicht
- Was ist die Hasenpest?
- Menschen können sich durch Mückenstiche und Zeckenbisse anstecken
- Welche Tiere verbreiten die Hasenpest?
- Wie können sich Haustiere und Menschen anstecken?
- Vor allem Hunde gefährdet
- Symptome der Hasenpest bei Haustieren
- Wie wird die Hasenpest behandelt?
- So schützen Sie sich und Ihr Tier vor der Hasenpest
- Quellen
Was ist die Hasenpest?
Die Hasenpest ist eine hochansteckende Seuche, die nicht nur Wildtiere befällt. Die meldepflichtige Krankheit wird auch Tularämie genannt und kann sowohl für Menschen als auch für Haustiere gefährlich werden. Sie wird durch den Erreger Francisella (F.) tularensis ausgelöst. Aktuell warnen gleich mehrere Stellen vor der Hasenpest. Der Grund: In den letzten Monaten kam es an verschiedenen Orten zu Hasenpest-Fällen.1
Das Bakterium ist zudem relativ infektiös. Das bedeutet, schon wenige Bakterien reichen aus, um eine Krankheit auszulösen. „Es handelt sich zusätzlich um eine Zoonose, auch Menschen können sich infizieren“, erklärt Dr. Vanessa Herder auf Anfrage von PETBOOK. Tiere oder Menschen könnten sich über verschiedene Wege wie Haut, Augen, Mund und Lunge infizieren.
Menschen können sich durch Mückenstiche und Zeckenbisse anstecken
Mit dem Bakterium ist nicht zu spaßen. „Weil Francisella (F.) tularensis auch in der Umwelt relativ stabil ist und unter bestimmten Bedingungen Wochen und Monate überlebt, ist dieser Erreger sogar ein Kandidat für Bio-Terrorismus“, erklärt die Expertin. „Die Hasenpest kann auf Menschen übergehen, etwa durch Zecken- oder Mückenstiche, direkt bei Kontakt mit infizierten Hasen, Kaninchen oder Nagetieren – lebend oder tot – durch kleine Hautwunden oder Schleimhautkontakte“, weiß Dr. Fragoso.
Auch der Verzehr von nicht ausreichend gegartem Wildfleisch, oder das Trinken aus kontaminierten Wasserquellen birgt ein Infektionsrisiko, schildert der Veterinär im Gespräch mit PETBOOK. Zudem könne das Einatmen von kontaminiertem Staub bei der Gartenarbeit oder das Inhalieren von Aerosolen beim Waschen und Zerkleinern kontaminierten Gemüses zu einer Infektion führen. Allerdings sei eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bisher nicht bekannt.
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Welche Tiere verbreiten die Hasenpest?
Laut Dr. Herder würden vor allem Kaninchen, Hasen, andere Nagetiere, Wild- und Haustiere, Vögel sowie Amphibien erkranken. Bislang wurde F. tularensis bei mehr als 125 Säugetierarten, außerdem bei Vögeln, Reptilien, Fischen und insbesondere bei Arthropoden (Zecken, Läusen, Flöhen, Fliegen) nachgewiesen, wie das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz mitteilt. Aber auch in Wasser oder Erde ließe sich der Erreger finden. 2
Wie können sich Haustiere und Menschen anstecken?
Tiere und Menschen könnten sich etwa durch Zecken oder auch Hautkontakt mit infizierten Tieren anstecken, sagt Dr. Herder. Da der Erreger aber auch in Wasser und Erde vorkomme, könne auch verschmutztes Trinkwasser oder das Einatmen von Staub, der das Bakterium enthält, eine Infektion mit Hasenpest auslösen. „Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht beschrieben“, teilt Dr. Herder mit.
Laut dem Jagdmagazin „Pirsch“ seien Mäuse ein wichtiger Überträger der Krankheit. Aber Stechmücken können die Bakterien übertragen. Besonders Jäger laufen Gefahr sich beim Versorgen von Feldhasen zu infizieren. Trotzdem sei die Zahl der Fälle gering: In Deutschland würden jährlich zwischen 60 und 120 Fälle registriert. 3
Vor allem Hunde gefährdet
Vor allem Hunde haben eine erhöhte Gefahr, sich bei Spaziergängen und Ausflügen in die Natur zu infizieren. Wie viele Hunde und Katzen jährlich erkranken, ist nicht bundesweit erfasst. Dafür treten die Fälle wahrscheinlich zu vereinzelt auf. Im letzten Jahr wurde die Hasenpest in Krefeld bei mindestens drei Hunden nachgewiesen, wie der WDR berichtete.
Doch die Zahl der infizierten Tiere liegt wahrscheinlich höher, denn viele Hunde zeigen kaum Symptome und werden dadurch erst gar nicht auf Hasenpest getestet. Trotzdem besteht Gefahr, denn theoretisch können die Vierbeiner den Erreger auch auf Menschen übertragen.
Symptome der Hasenpest bei Haustieren
Während die Symptome beim Menschen eher unspezifisch sind – sie werden als grippeähnlich mit hohem Fieber beschrieben –, können bei infizierten Tieren folgende Anzeichen auftreten, die auf Hasenpest hindeuten: 4
- Lymphknotenschwellung
- Apathie
- Fieber
- struppiges Fell
- unsicherer Gang
- Hautveränderungen
- Abmagerung
Die Krankheit kann milde Formen annehmen, aber auch einen schwerwiegenden Verlauf nehmen. Während Haustiere wie Hunde oder Katzen nur selten ernsthaft erkranken, kommt es insbesondere bei Hasen, Kaninchen und Nagetieren zu seuchenhaften Verläufen, die meist tödlich enden. Aufgrund von Entkräftung können Wildtiere daher ihre natürliche Scheu verlieren.
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Wie wird die Hasenpest behandelt?
„Die Erkrankung kann erfolgreich mit Antibiotika therapiert und geheilt werden“, beruhigt Dr. Herder. Da es unter Umständen aber auch zu schweren Krankheitsverläufen beim Menschen kommen kann, sollte man beim Verdacht auf Hasenpest nicht nur mit dem Haustier, sondern auch selbst frühzeitig zum Arzt gehen. Dort sollte man dann darauf hinweisen, dass ein Kontakt mit infizierten Hasen stattgefunden haben könnte.
So schützen Sie sich und Ihr Tier vor der Hasenpest
Um sich selbst und sein Haustier vor einer Infektion mit Hasenpest zu schützen, sollte man Risikogebiete möglichst meiden. Ist das nicht möglich, sollte man besondere Sorgfalt walten lassen und auf Hygiene wie regelmäßiges Händewaschen achten, rät Dr. Herder. Zudem sollte man in Risikogebieten Staubentwicklung vermeiden.
Experten warnen zudem davor, Wildkaninchen oder -hasen anzufassen. Hundebesitzer sollten ihre Tiere nicht mehr von der Leine lassen – auch wenn der eigene Hund keine große jagdliche Motivation zeigt. Weil infizierte Tiere oft nicht fliehen, steigt das Risiko, dass neugierige Vierbeiner trotzdem in Kontakt mit kranken Hasen oder Kaninchen kommen. 5