3. April 2026, 16:24 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Aus Angst vor der Chemiekeule hängen viele Besitzer ihren Hunden Bernsteinketten um, reiben sie mit Öl ein oder füttern ihnen Snacks mit Knoblauch, um Zecken vom Vierbeiner fernzuhalten. Parasitologen und Biologen halten von all dem ziemlich wenig. Warum, erklärt PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider.
Jeder Zeckenstich kann potenziell lebensgefährliche Krankheiten übertragen
Ein einziger Zeckenstich kann bei Hunden schwere Krankheiten auslösen, unter Umständen mit lebensbedrohlichen Folgen. Das gilt für die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Babesiose, Anaplasmose oder Borreliose. Ein wirksamer Zeckenschutz kann dem Hund also im Zweifel das Leben retten.
Auch wenn nicht jeder Kontakt mit einer infizierten Zecke zu einer Infektion führt und nicht jede Infektion zu einer schwerwiegenden Erkrankung führt, empfiehlt die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) Hunde- und Katzenbesitzern, ihre Tiere in jedem Fall wirksam zu schützen. Denn es besteht ein erhebliches Risiko einer Erkrankung durch die von Zecken übertragenen Erreger.
Das bedeutet: Jede Zecke ist eine zu viel. Aber wie schützt man die Tiere wirksam gegen diese blutsaugenden Holzböcke und Buntzecken, die in den wärmeren Monaten besonders aktiv sind?
Was bringen Knoblauch oder Bernsteinkette?
Die Liste der Mittel, die Besitzern im Internet für den Zeckenschutz beim Hund empfohlen werden, ist lang. Vor allem Bernsteinkettchen sind beliebt. Diese sollen eine statische Elektrizität erzeugen, die Zecken fernhalten soll. Das sehen Experten allerdings sehr kritisch, da es nicht nachvollziehbar oder wissenschaftlich belegt sei, wie Dieter Barutzki, Fachtierarzt für Parasitologie aus Freiburg, sagt.
Auch Zwiebeln und Knoblauch im Futter sind zur Prophylaxe ungeeignet – abgesehen davon, dass ihre Wirkung laut ESCCAP wissenschaftlich nicht klar nachgewiesen ist. Denn beide Lauchgewächse enthalten für Hund und Katze giftige Substanzen, die den Blutfarbstoff Hämoglobin und damit die roten Blutkörperchen zerstören. Die Folgen können eine Blutarmut oder auch Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Durchfall und Appetitverlust sein.
Ätherische Öle wirken, bergen aber Gefahren
Mittlerweile zeigen mehrere Studien, dass bestimmte ätherische Öle wie Zitronengras, Geranium und Nelken als wirksame natürliche Abwehrmittel gegen Zecken bei Hunden wirken können. Darunter sind zum Beispiel Nelken-, Citronellen- und Pfefferminzöle, die Zecken effektiv hemmten und die Larven töteten. 1,2,3
Allerdings können Öle bei falscher Anwendung giftig sein und sind gerade für Hunde mit ihrer überaus empfindlichen Nase eine erhebliche Geruchsbelästigung. Daher sind eine richtige Verdünnung und tierärztliche Beratung unerlässlich.
Wirksamkeit ist entscheidend für effektiven Schutz
Zudem ist unklar, wie hoch die Wirksamkeit der ätherischen Öle gegen Zecken ist. Denn nur weil ein Öl Zecken abhält, bedeutet das nicht, dass es schützt. Dazu ein kleines Beispiel: Nehmen wir an, Öle, Knoblauch oder Bernsteinketten würden 60 bis 80 Prozent der Zecken abhalten oder gar töten. Das klingt erst einmal viel. Doch es würde bedeuten, dass von zehn Zecken noch zwei bis vier immer noch durchkommen. Damit wäre das Risiko einer Infektion immer noch zu hoch.
Systemische Zeckenmittel müssen für eine Zulassung als Tierarzneimittel eine hohe Wirksamkeit nachweisen. Im Idealfall liegt diese nahe 100 Prozent. Einen absoluten Schutz gibt es auch mit systemischen Mitteln nicht. Aber das Risiko, dass der Hund durch einen Zeckenbiss infiziert wird, ist bedeutend geringer.
Für die Wissenschaftler von ESCCAP ist damit klar, dass lediglich geprüfte und zugelassene Tierarzneimittel einen verlässlichen Schutz vor Zeckenbefall und damit auch vor durch Zecken übertragene Krankheiten bieten.
Welche Zeckenmittel bieten einen ausreichenden Schutz?
Wirksam sind insbesondere sogenannte synthetische Pyrethroide: Sie haben einen sogenannten „Hot-Foot-Effekt“. Der sorgt dafür, dass die Zecken, die an ihren Beinen Chemorezeptoren besitzen, den Hund schnell wieder verlassen wollen und gar nicht erst zustechen. Es gibt sie in Form von Kautabletten, Halsbändern oder sogenannten Spot-on-Präparaten, die auf die Haut geträufelt werden. Aber Vorsicht: Leben im Haushalt auch Katzen, sollten diese nicht angewendet werden, denn für sie sind Pyrethroide giftig.
Eine nachgewiesene Wirkung haben auch Arzneimittel mit sogenannten Isoxazolinen, einer neuen gegen Zecken wirksamen Wirkstoffgruppe. Sie werden in Form von Tabletten oder als Spot-on-Präparat verabreicht und töten die Spinnentiere je nach Konzentration für bis zu drei Monate ab. Doch die Mittel haben kein gutes Image: Im Internet warnen Hundebesitzer sogar davor, dass diese Produkte schon mehrfach den qualvollen Tod von Hunden verursacht hätten.
Nebenwirkungen und Folgen
ESCCAP-Experte Ard Nijhof weist darauf hin, dass chemische Präparate zum Zeckenschutz beim Hund, wie jedes Arzneimittel auch, in unterschiedlichen Studien getestet und mögliche negative Folgen beim Bundesamt für Verbraucherschutz gemeldet werden. „Schwere Nebenwirkungen treten nur sehr selten auf, in etwa einem von 10.000 Fällen“, sagt er.
Allerdings hätten die Meldungen auch dazu geführt, dass in den Fachinformationen vor einer Anwendung bei bestimmten Tieren gewarnt wird: nämlich bei solchen mit Epilepsie, jungen Hunden und kleinen (mit weniger als zwei Kilogramm Körpergewicht).
Seit der Markteinführung 2014 lägen viele Erfahrungen zur Anwendung vor. Sein Fazit: „Die Stoffe sind wirksam und werden meistens gut vertragen. Wenn der Hund gesund ist, kann man sie auf jeden Fall empfehlen.“
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Nach Ansicht einiger Tierhalter sollen auch Ultraschall-Halsbänder, die permanent ein für den Menschen nicht hörbares Signal abgeben, Flöhe und Zecken abhalten. „Für das Hundeohr ist das sehr, sehr quälend“, warnt jedoch Parasitologe Torsten Naucke aus Niederkassel.
Er hat den gemeinnützigen Verein „Parasitus Ex“ gegründet, der Grundlagenforschung rund um das Thema parasitäre Erkrankungen bei Tieren fördert. Besonders skeptisch bewertet er Plaketten und Magnete, die aufgrund ihrer Energiefelder Parasiten abhalten sollen. „Das ist für mich persönlich Scharlatanismus, das funktioniert einfach nicht“, so Naucke.
Regelmäßiges Absuchen und Kontrollieren sind der beste Schutz
Auch wenn viele medizinische Präparate heute einen hohen Schutz bieten, sollte man sich als Hundehalter auf keinen Fall darauf verlassen. Daher gilt es, die Tiere nach jedem Spaziergang in Wald oder Feld gründlich abzusuchen und Zecken sofort zu entfernen.
Die meisten Krankheitserreger werden erst nach mehreren Stunden übertragen. Je schneller man die Zecke findet und entfernt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Eine Zeckenzange sollte daher immer mit auf Spaziergängen dabei sein.
Tipp: Die entfernte Zecke am besten (gut beschriftet!) ins Gefrierfach legen. Sollten Hund oder Katze später doch Krankheitssymptome entwickeln, kann der Tierarzt auch gleich die Zecke mit ins Labor zur Analyse senden.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrer Studienzeit beschäftigte sie sich unter anderem mit Parasitologie und der Entwicklung von Medikamenten gegen Parasiten.
Mit Material der dpa