23. Juli 2025, 11:14 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Die Zahnpflege bei Hunden wird oft unterschätzt, dabei ist sie entscheidend für die Gesundheit der Tiere. Ähnlich wie beim Menschen können sich bei Hunden Zahnbelag (Plaque) und Zahnstein bilden. Diese können unbehandelt zu schmerzhaften Zahnfleischentzündungen, Parodontitis oder sogar Zahnverlust führen. Daher versuchen viele Halter, die Zähne ihrer Hunde zu putzen – oft kein leichtes Unterfangen!
Doch Zähneputzen kann beim Hund durchaus nachhaltigen Problemen vorbeugen. Denn professionelle Zahnreinigungen müssen oft unter Narkose durchgeführt werden und sind entsprechend teuer. Daher greift auch Ernährungsberaterin und TikTokerin Celina Wolf regelmäßig zur Zahnbürste, um ihrer Hündin Yuna die Zähne zu putzen. Im Gespräch mit PETBOOK hat sie nun verraten, wie es ihr gelungen ist, ihren Vierbeiner an die Zahnbürste zu gewöhnen.
„Letztendlich ist der gesamte Gewöhnungsprozess mehr Leckerli füttern als effektives Putzen“
PETBOOK: Wie haben Sie es geschafft, ihren Hund an eine Zahnbürste und ans Zähneputzen zu gewöhnen?
Celina Wolf: „Unsere Yuna ist mit neun Wochen bei uns eingezogen. Bereits mit zehn Wochen habe ich angefangen, sie an die Zahnbürste zu gewöhnen. In dieser Zeit stand weniger das effektive Putzen im Vordergrund, sondern die Gewöhnung an die Bürste und die Berührungen des Mauls. Da ich mich vor ihrem Einzug mit verschiedenen Trainingsmethoden beschäftigt habe, habe ich mir dann meine eigene kleine Routine gebaut.
Egal ob im Training oder in der Ernährung: Ich bin ein Fan von kleinen Schritten. Deswegen war die Gewöhnung ein sich aufbauender Prozess. Gestartet habe ich hier mit reinem Berührungstraining der Maulgegend mit meinen Händen, zuerst von außen, dann aber auch von innen, indem ich mit meinem Finger die Zähne berührt habe. Natürlich mit ganz viel Leckerli, um alles positiv zu verknüpfen.
Letztendlich ist der gesamte Gewöhnungsprozess mehr Leckerli füttern als effektives Putzen, zumindest bei uns. Das ist aber, meiner Meinung nach, vollkommen okay. Ich würde jedem empfehlen, erst einen Trainingsschritt weiterzugehen, wenn Berührungen kein Problem mehr sind.“
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„Jede selbstständige Interaktion, ob Blick, Schnüffeln oder sogar Anknabbern, habe ich ebenfalls positiv verstärkt“
Wie ist es dann weitergegangen?
„Als nächstes habe ich meine Bürste hinzugezogen. Je nach Hund und Situation kann man hier aber natürlich auch erst mit Fingerling starten. Jede selbstständige Interaktion, ob Blick, Schnüffeln oder sogar Anknabbern, habe ich ebenfalls positiv verstärkt. Dann ging es in kleinen Schritten zur aktiven Berührung der Zähne mit der Bürste und letztlich zum Putzen.“
Welche Herausforderungen gab es dabei?
„Bei Yuna hatte ich von Anfang an das Glück, dass sie immer gut dabei war im Training. Hier habe ich schon häufiger von weniger interessierten oder auch ängstlichen Hunden gehört. Ich denke, eine Herausforderung kann aber immer das Timing des Bestätigens oder auch des Trainingsendes darstellen.
Auch Yuna findet es manchmal doof, dass ich mit der Bürste in ihrem Maul hantiere. Beenden sollte man jede Übung, insbesondere beim Zahnputztraining, meiner Erfahrung nach immer positiv. Lieber die Übung etwas kürzer gestalten, aber mit einem größeren Lerneffekt beenden.
„Leider gibt es einige Dinge, durch die auch unsere geliebten Hunde durchmüssen – Zähneputzen ist eine davon!“
Auch ist Zähneputzen für unsere Hunde natürlich nicht das Tageshighlight, aber es sollte eine sehr wichtige tägliche Routine sein. Leider gibt es einige Dinge, durch die auch unsere geliebten Hunde durchmüssen, Zähneputzen ist einer davon. Manchmal brauchen gewisse Dinge einfach mehr Zeit, sodass ich auf jeden Fall auch die eigene Geduld als Herausforderung benennen würde. Dranbleiben wird sich aber definitiv lohnen!
Haben Sie einen Pro-Tipp, den Sie mit unseren Lesern teilen möchten?
„Jackpot-Leckerli sind für alle schwierigen Situationen total gut geeignet! Als Hundeernährungsberaterin achte ich zwar sehr auf eine gesunde Ernährung, aber insbesondere, wenn es kleine Baustellen gibt, greife auch ich super gern auf Jackpot-Leckerlies zurück, die dann vielleicht nicht unbedingt die gesunde Ernährung widerspiegeln. Das kann eigentlich alles sein, was der Hund gern mag, aber sonst nie bekommt. Bei uns ist es Käse.
Zum Jackpot-Leckerli greife ich wirklich nur in besonderen Trainingssituationen. Sollte das Zahnputztraining eine solche Baustelle darstellen, würde ich definitiv über mögliche Jackpot-Leckerlies nachdenken.
Das Zähneputzen ist die effektivste und wirksamste Form der Maulhygiene
Und auch möchte ich Mut zusprechen, unbedingt mit dem Training zu beginnen, wenn noch nicht geschehen. Das Zähneputzen ist die effektivste und wirksamste Form der Maulhygiene. Es ist nie zu spät, damit anzufangen!“
Welche Zahnpasta nutzen Sie? Worauf sollte man dabei achten?
„Ich selbst nutze eine enzymatische Zahnpasta für Hunde. Dafür habe ich mich entschieden, weil die enthaltenen Enzyme antibakteriell wirken und gezielt die Plaquebakterien angreifen. Letztendlich gibt es natürlich sehr viele Produkte auf dem Markt. Sehr wichtig ist, dass es wirklich eine Zahnpasta für Hunde ist, nicht für Menschen. Hier sind nämlich meist Fluorid oder auch Xylit enthalten, beides ist hochgiftig für Hunde.
Ich persönlich finde es ideal, wenn Enzyme enthalten sind. Sanfte Schleifstoffe wie Kieselsäure oder auch Porzellanerde sind auch gut für eine Zusammensetzung geeignet, da sie den Plaque sanft entfernen und den Zahnschmelz dabei nicht zu stark angreifen.“
„Ich würde auf jeden Fall auf Zähneputzen mit Hundezahnpasta setzen, nicht auf andere Wundermittel!“
Als Hundeernährungsberaterin kennen Sie sich gut mit Inhaltsstoffen aus. Wovon würden sie bei Hundezahnpasta abraten?
„Abstand würde ich persönlich von allen nicht aufgeschlüsselten Zusammensetzungen nehmen, ähnlich wie in der Hundeernährung. Auch sollten keine Schaumbildner enthalten sein, wie beispielsweise in menschlicher Zahnpasta. Am Ende des Tages würde ich auf jeden Fall auf Zähneputzen mit Hundezahnpasta setzen, nicht auf andere Wundermittel, die wirklich großes Versprechen (ganz ohne Zähneputzen). Wenn überhaupt, stellen diese nur eine Unterstützung dar, aber keine Lösung.“
Welche Lebensmittel sollte man bei Hunden vermeiden, wenn der Hund bereits Probleme mit den Zähnen hat?
„Wenn bereits Zahnprobleme bestehen, sollte man auf jeden Fall auf stark stärkehaltige Lebensmittel oder auch Futtermittel verzichten. Die Stärke kann sich schon im Maul zu Zucker umwandeln und den Bakterien als tolle Nahrungsquelle dienen. Somit fördert man also unbewusst das Bakterienwachstum und die Zahnsteinbildung. Insbesondere, wenn man dann nicht regelmäßig putzt – und das bedeutet mindestens alle zwei Tage. Idealerweise natürlich mehr.
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Die richtige Zahnpflege für Hunde und Katzen
Muss ich meinem Hund die Zähne putzen?
In diesem Fall sollte man auf zu harte Lebensmittel oder Kauartikel verzichten
Auch sollte man auf alle zu harten Lebensmittel oder Kauartikel verzichten. Gerade beim Barfen würde ich hier also von stückigen Knochen abraten. Geweihe oder Kaffeehölzer empfehle ich ebenfalls nicht. Diese können die schon vorgeschädigten Zähne noch mehr in Mitleidenschaft ziehen. Gleichzeitig sind sehr weiche und klebrige Leckerli oder Nassfutter auch nicht ideal, da diese sich einfacher in den Zahnzwischenräumen absetzen und damit Plaque fördern.
Auf Zuckerzusätze in Leckerli oder Futter sollte spätestens jetzt besonders geachtet werden, obwohl ich das auch bereits bei gesunden Hunden empfehle. Um nun aber gezielt auf die Frage nach Lebensmitteln einzugehen, wären hier meine 3 No-Go-Lebensmittel:
Auf diese Lebensmittel sollten Hunde mit schlechten Zähnen verzichten
- Bananen, da sie zu viel Zucker enthalten und dabei noch sehr klebrig sind. Ideal für das Wachstum von Bakterien
- Fruchtjoghurt oder Eiscreme, da beides sehr zuckerhaltig ist und zudem kalt. Das könnte zu unangenehmen Zahnschmerzen führen. Eiscreme muss ich hier einfach erwähnen, da sich letztens in der Eisdiele eine Frau vor meinen Augen ihr Eis mit ihrem Hund geteilt hat.
- Erdnussbutter, da diese auch klebrig und sehr fettig ist. Gerne genutzt als Medikamentenversteck, als Topping für Schleckmatten oder zum Backen, allerdings nicht unbedingt ungefährlich, da in einigen Produkten Xylit enthalten ist.
Letztendlich kann man hier aber pauschal sagen, dass ein bereits routinierter Zahnputz-Hund es definitiv einfacher hat. Wenn man einfach nach einer vielleicht zu klebrigen Nahrungsaufnahme Zähne putzt, geht man vielen Problemen aus dem Weg.“