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Expertin klärt auf

Hat mein Hund echte Verlustangst oder macht er nur „Theater“?

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Redaktionsleiterin

11. September 2025, 13:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Hunde, die nicht allein bleiben können, leiden nicht immer unter echter Verlustangst – oft sind es unbewusste Signale ihrer Halter, die das Verhalten verstärken. Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, woran man erkennt, ob ein Hund wirklich Panik empfindet oder nur Aufmerksamkeit sucht.

Die Frage, ob ein Hund unter echter Verlustangst leidet oder lediglich „Theater“ macht, wenn er allein bleiben soll, sei laut Hundetrainerin Katharina Marioth komplex. „Das Thema beginnt beim Halter“, betont sie. Verlustangst könne verschiedene Ursachen haben: Manche Hunde hätten nie gelernt, allein zu bleiben, andere hätten als Welpen schlechte Erfahrungen gemacht. Oft entstehe das Problem jedoch dadurch, dass Menschen das klammernde Verhalten unbewusst verstärken. „Manchmal steckt auch fehlgeleitetes Hüte- oder sogar Ressourcenverteidigungsverhalten dahinter – der Mensch wird dann als ‚Ressource‘ bewacht“, erklärt Marioth.

Echte Trennungsangst zeige sich durch massive Panikreaktionen

Ein typisches Beispiel für solches Verhalten sei, wenn Hunde ihren Haltern auf Schritt und Tritt durch die Wohnung folgten. Viele Menschen empfänden das zunächst als niedlich, doch Marioth sieht darin ein Problem: „So ein Hund kann schlecht abschalten. Er liegt nie wirklich entspannt, sondern scannt ständig, wo sein Mensch ist. Das ist für den Hund auf Dauer Stress – nicht niedlich.“

Echte Trennungsangst zeige sich durch massive Panikreaktionen. „Das sind die Fälle, in denen Hunde Türen und Böden zerkratzen, Möbel zerstören oder sich im schlimmsten Fall sogar selbst verletzen“, so die Trainerin. Häufiger aber träten mildere Anzeichen auf: Hunde, die starr vor der Tür liegen, statt entspannt auf ihrem Platz zu ruhen. Verstärkt werde diese Abhängigkeit, wenn Menschen ihre Aufmerksamkeit ständig auf den Hund richten – durch ständiges Streicheln, Ansprechen oder Anschauen. „Dann schafft man menschengemachte Probleme“, sagt Marioth.

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Blickkontakt reduzieren kann helfen

Entscheidend sei deshalb ein konsequentes, aber kleinschrittiges Training. „Das ist keine Situation, die man ruckzuck auf links dreht“, betont sie. Manchmal beginne das Training sogar draußen, etwa mit einer langen Schleppleine, wo der Hund erst einmal lernen müsse, ein paar Meter vor oder hinter dem Menschen zu laufen, ohne gleich in Stress zu geraten. Erst danach werde im Haus geübt, den Hund schrittweise an das Alleinsein heranzuführen.

Auch im Alltag könne jeder Hundehalter sofort etwas verändern. Als ersten Tipp empfiehlt Marioth: „Die Hände bei sich behalten.“ Kommt der Hund aufs Sofa, sollte er nicht automatisch gestreichelt werden. Ebenso wichtig sei es, den Blickkontakt zu reduzieren. Eine Strichliste am Kühlschrank könne helfen zu dokumentieren, wie oft man den Hund anschaut, ohne etwas von ihm zu wollen. „Für viele Menschen ist das das Schwerste“, sagt sie. Hilfreich könne ein Foto des Hundes sein, das man sichtbar aufhängt, um den Blick umzulenken. Wenn Hunde ihre Halter regelrecht „besetzen“ und immer auf dem Schoß sitzen, könne es zudem sinnvoll sein, vorübergehend klare Regeln einzuführen: „Sofa tabu – der Hund darf daneben oder davor liegen, aber nicht oben.“

Wann man professionelle Hilfe suchen sollte

Auf die Sorge mancher Halter, dass Grenzen als „Kälte“ empfunden werden könnten, antwortet Marioth: „Grenzen sind Fürsorge. Das Ziel ist die Selbstregulation, sodass der Hund auch ohne Dauer-Kontakt ruhig bleiben kann.“ Nähe sei wichtig, aber sie solle wählbar sein, nicht zwanghaft. Ein Hund dürfe durchaus im Bett schlafen – entscheidend sei, dass er sich auch problemlos wieder herausschicken lasse.

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Professionelle Hilfe sei nötig, wenn das Verhalten lange etabliert sei oder der Hund aggressiv reagiere. „Wenn Räume blockiert, Menschen angeknurrt oder gar mit den Zähnen gemaßregelt werden, muss ein Kollege ran. Das ist kein DIY-Projekt“, stellt Marioth klar und fasst zusammen: „Nähe ja – aber zuerst sollte der Hund Ruhe und Abstand lernen. Wichtig sind kleine Schritte, klare Signale und ein Mensch, der Sicherheit gibt statt einer Dauer-Rückversicherung.“

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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