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Hundeverhalten

Warum klaut der Hund ständig meine Socken?

Hund klaut Socken
Klaut ihr Hund auch Ihre Socken? Foto: Getty Images / bmanzurova
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Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

13. August 2026, 16:57 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Die Socke haben Sie sich gerade erst ausgezogen, da ist sie schon weg. Ihr Hund trabt mit seiner Beute durchs Wohnzimmer, wirft einen kurzen Blick zurück und wartet offenbar nur darauf, dass Sie die Verfolgung aufnehmen. Sie rufen, springen auf und zack! Das Spiel beginnt.  

Dabei fragen wir uns teilweise angeekelt: Warum sind ausgerechnet Socken und Slips für viele Hunde so unwiderstehlich? Natürlich spielt der Geruch eine Rolle. Doch er erklärt nicht, warum manche Hunde die Wäsche heimlich ins Körbchen tragen, während andere sie demonstrativ präsentieren und davonflitzen. Vielleicht hat es Ihr Hund nämlich gar nicht auf die Socke abgesehen. Wer den Diebstahl verstehen will, muss deshalb auf das schauen, was danach passiert. 

Für uns Wäsche, für den Hund eine Visitenkarte 

Für Menschen ist eine getragene Socke vor allem ein Fall für die Waschmaschine. Für den Hund steckt sie voller Informationen. Schweiß selbst ist zunächst weitgehend geruchlos. Erst wenn Hautbakterien Bestandteile von Schweiß und Hautfetten umwandeln, entsteht der typische Körpergeruch. Und dieser bleibt im Stoff hängen. 

Bei Socken kommt einiges zusammen: Sie liegen eng auf der Haut, werden viele Stunden getragen und stecken dabei in warmen, geschlossenen Schuhen. Auch Unterwäsche hat besonders engen Körperkontakt. Für die Hundenase dürfte beides deshalb ausgesprochen informationsreich sein. Anders gesagt: Was wir möglichst schnell in der Wäsche verschwinden lassen möchten, ist für den Hund eine geruchliche Visitenkarte seines Menschen. 

Dass Hunde vertraute Menschen am Geruch erkennen, ist wissenschaftlich belegt. Die US-amerikanische Hundeforscherin Alexandra Horowitz ließ Hunde an T-Shirts riechen, die ihre Halter oder fremde Personen über Nacht getragen hatten. Die Tiere unterschieden den vertrauten Geruch spontan von dem eines Fremden und das ganz ohne vorheriges Training. 1

Eine weitere Studie blickte mithilfe von Hirn-Scans noch genauer hin. Zwölf Hunde rochen unter anderem den Duft eines vertrauten und eines fremden Menschen. Ausgerechnet beim vertrauten Menschen reagierte eine Hirnregion besonders stark, die mit positiver Erwartung und Belohnung verbunden ist. Bekannter Menschengeruch wird also nicht nur erkannt, sondern kann auch angenehm besetzt sein. 

Das beweist allerdings nicht, dass jeder Hund aus Liebe oder Sehnsucht zur Socke greift. Die Studien zeigen etwas für unsere Frage Entscheidendes: Getragene Kleidung trägt einen menschlichen Geruch, den der Hund erkennt und der für ihn Bedeutung hat. 2, 3

Aber warum die Socke – und nicht das T-Shirt? 

Natürlich riecht auch ein getragenes T-Shirt nach seinem Menschen. Trotzdem berichten viele Halter vor allem von verschwundenen Socken und Slips. Ob Hunde diese Wäschestücke tatsächlich allgemein bevorzugen, wurde bislang nicht systematisch untersucht. Ihre Form macht sie aber zu ausgesprochen praktischer Beute

Eine Socke ist weich, leicht und schnell gepackt. Sie lässt sich tragen, schütteln, fallen lassen und mit Schwung durch die Wohnung schleudern. Ein Slip funktioniert ähnlich. Ein T-Shirt schleift dagegen über den Boden, eine Hose ist schwer, und beide sind für die rasante Flucht durchs Wohnzimmer eher hinderlich. 

Die Socke hat damit fast alles, was ein gutes Hundespielzeug braucht: Sie riecht spannend, liegt häufig griffbereit herum und passt bequem ins Maul. Nur gekauft hat sie niemand als Spielzeug

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Vielleicht geht es Ihrem Hund gar nicht um die Socke 

Für manche Hunde beginnt der beste Teil nämlich erst, wenn der Mensch den Diebstahl bemerkt. Ein empörter Ruf, ein Sprung vom Sofa, hektisches Hinterherlaufen – plötzlich ist Bewegung in der Bude. Der Hund weicht geschickt aus, der Mensch greift daneben, und aus dem Versuch, die Wäsche zurückzubekommen, ist ein wunderbares Fangspiel geworden. 

Hunde lernen durch die Folgen ihres Verhaltens. Löst eine geklaute Socke zuverlässig Aufmerksamkeit und Action aus, kann sich das Klauen lohnen. Dafür müssen Sie Ihren Hund nicht einmal loben. Auch Schimpfen, Hinterherjagen und wiederholtes Zugreifen sind Reaktionen – und möglicherweise genau der Hauptgewinn. 

Achten Sie beim nächsten Sockendiebstahl deshalb auf den Moment davor: Behält Ihr Hund die Beute heimlich? Oder präsentiert er sie demonstrativ, schaut zu Ihnen und startet erst, wenn Sie aufspringen? Im zweiten Fall ist die Socke womöglich nur die Eintrittskarte für ein Spiel mit Ihnen. 

Was macht Ihr Hund mit seiner Beute? 

Verschwindet er unbeobachtet mit der Wäsche und legt sich ruhig damit hin, könnten der vertraute Geruch und die weiche Beschaffenheit im Vordergrund stehen. Trägt er außerdem Spielzeug, Handtücher und andere weiche Dinge herum, spricht das eher für allgemeines Trage- oder Objektspiel. Gerade junge Hunde erkunden ihre Welt ausgiebig mit dem Maul. 

Interessant wird auch der Zeitpunkt. Greift der Hund bevorzugt dann zur Socke, wenn Sie telefonieren, arbeiten oder gerade keine Zeit für ihn haben, lohnt sich ein genauer Blick auf Ihre Reaktion. Hat er gelernt, dass dieses eine Wäschestück Sie garantiert vom Schreibtisch aufstehen lässt? 

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Auch Aufregung kann eine Rolle spielen. Manche Hunde tragen oder knautschen Gegenstände, um mit innerer Anspannung umzugehen. An der Socke allein lässt sich das jedoch nicht ablesen. Beobachten Sie deshalb die ganze Situation: Wann beginnt das Verhalten, wie wirkt der Hund dabei – und was geschieht unmittelbar danach? 

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So verderben Sie dem Sockendieb das Spiel 

So verständlich der erste Impuls ist: Wer laut hinter dem Hund herläuft, macht die Beute häufig noch wertvoller. Bleiben Sie möglichst ruhig und eröffnen Sie keinen Wettkampf. Sinnvoller ist ein gut aufgebautes Abgabesignal. Üben Sie es zunächst mit erlaubten, wenig aufregenden Gegenständen. Nicht erst, wenn Ihr Hund mit der Lieblingssocke unter dem Tisch sitzt. 

Ein ruhiger Tausch gegen einen erlaubten Gegenstand kann ebenfalls helfen. Nur sollte nicht jeder Diebstahl automatisch den besten Keks des Tages einbringen. Sonst perfektioniert Ihr Hund womöglich ein neues Geschäftsmodell: Socke beschaffen, Belohnung kassieren. 

Und dann gibt es noch die erstaunlich unspektakuläre, aber wirksame Lösung: den Wäschekorb schließen und getragene Kleidung wegräumen. Management ersetzt das Training nicht. Es verhindert aber, dass der Hund sein erfolgreiches Ritual jeden Tag weiter übt. 

Die Antwort steckt in dem, was danach passiert 

Ihr Hund klaut Socken nicht, um Sie zu ärgern oder sich für etwas zu rächen. Getragene Wäsche vereint schlicht mehrere attraktive Eigenschaften: Sie riecht nach einem vertrauten Menschen, lässt sich wunderbar tragen und löst oft eine bemerkenswert zuverlässige Reaktion aus. 

Warum Ihr Hund zugreift, verrät deshalb nicht die Socke allein. Schauen Sie nicht nur auf die Beute. Schauen Sie auf die Szene – sie zeigt, was Ihr Hund mit dem „Socken-Diebstahl“ bezwecken möchte. 

Quellen

  1. Alexandra Horowitz: „Discrimination of Person Odor by Owned Domestic Dogs“, International Journal of Comparative Psychology, 2020. ↩︎
  2. Gregory S. Berns, Andrew M. Brooks und Mark Spivak: „Scent of the Familiar: An fMRI Study of Canine Brain Responses to Familiar and Unfamiliar Human and Dog Odors“, Behavioural Processes, 2015.  ↩︎
  3. Chris Callewaert et al.: „Microbial Odor Profile of Polyester and Cotton Clothes after a Fitness Session“, Applied and Environmental Microbiology, 2014.  ↩︎

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