14. Oktober 2025, 17:16 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Sie sind putzig, kugelig und auf den ersten Blick eher träge – doch Wombats sind wahre Überlebenskünstler. Die Buddel-Beuteltiere mit der kompakten Optik sind als Vertreter der Fauna Australiens fast so bekannt wie Kängurus oder Koalas. Allerdings gibt es einige faszinierende Fakten, die wahrscheinlich nur eingefleischte Wombat-Fans wissen. PETBOOK erklärt, warum sie würfelförmigen Kot absetzen, besonders lange Schnurrhaare haben und wie sie ihren üppigen Po einsetzen, um Feinde buchstäblich zu zerquetschen.
Nackte Nase vs. haarige Nase
Bei Wombats gibt es drei verschiedene Arten. Diese unterscheiden sich auf den ersten Blick direkt durch ihre Nase. Es gibt den nördlichen und den südlichen Haarnasenwombat und eine dritte Art, deren Nase tatsächlich ohne Haarkleid daherkommt: den Nacktnasenwombat. Er ist das Tier, das man am wahrscheinlichsten direkt vor dem geistigen Auge hat, wenn die knuffigen Beuteltiere erwähnt werden.
Tatsächlich ist der Nacktnasenwombat eher mit dem Koala verwandt als mit den anderen Wombat-Arten. Diese sehen, wenn man einmal genauer hinschaut, auch anders aus als ihr berühmter Cousin.
Mit Tasthaaren durch enge Tunnel
Diese Nase ist nicht nur ein Unterscheidungsmerkmal, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung. Denn neben der markanten Nase sind auch die Tasthaare – oder Vibrissen – von Wombats hochspezialisierte Sinnesorgane. Diese Haare sind mit Nervenrezeptoren verbunden, die Bewegungen in elektrische Signale umwandeln und an das Gehirn weiterleiten. Vor allem nachtaktive und unterirdisch lebende Tiere wie Wombats sind auf diese feinen Sensoren angewiesen, um sich in völliger Dunkelheit orientieren zu können.
Wissenschaftler haben die Tasthaare von südlichen Haarnasenwombats mit denen der Nacktnasenwombats verglichen. Dabei fiel auf, dass die südlichen Vertreter nicht nur eine breitere Schnauze, sondern auch deutlich längere und dickere Tasthaare besitzen – sowohl auf der Schnauze als auch über den Augen. Die Forscher vermuten daher, dass die Haarnasenwombats größere und komplexere Höhlensysteme bauen, was eine feinere taktile Orientierung nötig macht – etwa beim Navigieren in verzweigten Bauen oder beim Kontakt mit Artgenossen in gemeinsam genutzten Höhlen.
Auch bei der Nahrungssuche verlassen sich Wombats auf ihre Tasthaare – und auf ihren hervorragenden Geruchssinn. Ihre Lieblingsspeise ist Gras, das sie mithilfe von Duftstoffen und taktiler Wahrnehmung ausfindig machen. Unterstützt wird das durch ein auffallend großes Riechhirn (olfaktorischer Bulbus), das auf eine ausgeprägte Fähigkeit zur Geruchsanalyse hinweist. Wie viele andere Beuteltiere besitzen Wombats ein großes Riechzentrum im Gehirn. 1
Wombats platzieren würfelförmigen Kot
Eine der faszinierendsten Angewohnheiten der Wombats ist auf den ersten Blick nicht gerade sehr ansehnlich. Sie platzieren ihren Kot an strategisch günstigen Stellen im Ökosystem. Dort fungiert er gleichzeitig als Dünger, aber setzt auch die Duftmarke des Tiers in ihrem Revier. Diese ist für die Balz und Paarung, aber auch für ihre persönliche Identität und ein Wiedererkennen untereinander wichtig.2
Ganz besonders ist jedoch die Form ihrer Ausscheidungen, die die Wissenschaft lange vor Rätsel gestellt hat. Denn als einziges Tier auf der Welt setzt der Wombat würfelförmigen, eckigen Kot ab. Der Grund dafür ist aber nicht, dass auch ihr Darm eckig ist, wie eine wissenschaftliche Arbeit aufzeigen konnte. Laut dem Magazin „Science“ scheiden Wombats bis zu 100 kubische Kothäufchen pro Tag aus. Dies geschieht im letzten Teil ihres Verdauungstraktes, der teilweise zweimal so dick und viermal so steif ist wie andere Teile des Darms. Dadurch können die Tiere kräftigere Kontraktionen des Darms produzieren, die Ecken und Kanten formen.
Doch welchen Vorteil diese extreme Form der Verstoffwechselung den Wombats bietet, ist noch nicht klar. Einige Forscher vermuten, dass die quadratischen Kothaufen auf den Steinen, welche die Wombats gerne mit ihren Exkrementen verzieren, durch ihre Form dort besser anhaften. Andere gehen davon aus, dass der Wombat mit diesen starken Kontraktionen so viel Wasser wie möglich aus dem Nahrungsbrei recycelt, da er in sehr trockenen Gegenden darauf angewiesen ist.
Wombats sind Meister im Buddeln
Doch nicht nur ihr Kot hält das Ökosystem, in dem Wombats leben, intakt. Denn Wombats sind wahre Meister darin, den Erdboden aufzulockern, umzugraben und fruchtbar zu machen. Die nachtaktiven Tiere legen komplexe Tunnelsysteme an, die bis zu 3,5 Meter tief und rund 20 Meter lang sind.
Dadurch, dass sie einen großen Teil ihres Lebens unter der Erde verbringen, ist bei den Beuteltieren noch eine Besonderheit zu entdecken. Die Bauchtasche, in der sie ihre Jungen tragen und ernähren, ist bei ihnen nach hinten gelagert, damit der Säugling in den engen Tunneln nicht gequetscht wird. Nimmt die Wombat-Mutter also einmal ein Sonnenbad, kann man manchmal ein Baby aus dem Beutel direkt zwischen den Hinterbeinen hervorschauen sehen.
Wombats setzen ihren Po als Waffe ein
Wombats sind eine der größten Nagetierarten der Welt. Der Nacktnasenwombat ist der größte und kann bis zu 40 Kilogramm bei 120 Zentimeter Körpergewicht auf die Waage bringen. Doch ihr Gewicht ist nicht etwa eine Speckschicht, sondern besteht zum größten Teil aus Muskelmasse. So können die possierlichen, plump wirkenden Tiere auch bis zu 40 km/h schnell laufen, wenn ihnen Fressfeinde wie Dingos über den Weg laufen.
Aber auch, um ihren Bau zu verteidigen, hat das Beuteltier eine clevere Taktik entwickelt. Wenn sie einen Feind bemerken, verstopfen sie buchstäblich die Eingänge zu ihrem Tunnelsystem mit ihrem kompakten Po. Mit einer verstärkten Hautschicht, den Knochen und Knorpeln soll dieser eine unüberwindliche Barriere darstellen. Lässt sich ein Feind jedoch nicht beirren oder beginnt, sich um den Wombat herum ins Erdreich zu buddeln, kommt den Tieren wieder ihre schiere Muskelkraft zugute. Sie drücken die Eindringlinge so lange in den Boden, bis diese aufgeben oder zerquetscht werden.
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Zähne haben keine Wurzeln
Wie bei den meisten Nagetieren wachsen die Zähne der Wombats ihr ganzes Leben weiter. Sie reiben sie durch den Verzehr von faserreichen Pflanzenstoffen aber konstant ab und bringen sie somit in Form. Sie ernähren sich von Gräsern, Moosen, sowie Wurzeln und Pilzen.
Für Beuteltiere haben sie zudem ein ganz einzigartiges Gebiss. Sie haben nur 24 Zähne, Eckzähne fehlen komplett. Zudem haben sie fast keine Zahnwurzeln, was das konstante Wachstum, auch der Backenzähne, ermöglicht.
Viele meinen, dass Wombats durch die fehlenden Eckzähne niedlich und schutzlos wirken. Allerdings nutzen sie vor allem die Vorderzähne auch als Drohgebärde und setzen sie, wenn nötig, auch ein. Ein gereizter Wombat bewegt den Kopf hoch und runter und bleckt dabei seine Schneidezähne. Außerdem gibt er ein lautes Brummen von sich. Auch wenn sich das Beuteltier in der Regel vegan ernährt, sollte man sich ihm trotzdem nicht nähern, wenn es sich bedroht fühlt.
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In Tasmanien gibt es einen „Chef-Wombat-Streichler“
Es gibt Berufe, die sind für viele erstrebenswerter als andere. Einer davon wurde zuletzt 2016 ausgeschrieben und verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Medien. Denn in der Bonorong-Wildtierstation in Tasmanien werden immer wieder verwaiste Wombat-Babys aufgezogen. Da diese intensiven Körperkontakt mit ihrer Mutter gewohnt sind, werden sie in Decken eingewickelt und benötigen Menschen, die sich mit Hingabe (und viel Körperwärme) um sie kümmern.
Mit einer PR-Aktion wurde diese Position damals beworben, um mehr Aufmerksamkeit für die Arbeit der Tierschützer zu schaffen. Ganze drei Tage konnte der glückliche Gewinner damals nur Wombats streicheln und erhielt Unterkunft und Verpflegung. Allerdings ist der wirkliche Alltag eines Wombat-Kuschlers um einiges anstrengender. Sich um verwaiste „Pinkys“ – wie unreife Wombat-Waisen auch genannt werden – zu kümmern, ist ein Vollzeitjob, wie Linda Tabone, Wombat-Kuschlerin in der Wildtierstation, dem britischen Boulevardblatt „Mirror“ berichtete.
Bevor sie in Rente gegangen sei, hätte sie sich diese Arbeit nicht vorstellen können, sagte sie dem „Mirror“ weiter. Denn Wombats seien als Babys sehr anhänglich und benötigten viel Aufmerksamkeit. Auch störe es sie nicht, wenn die Tiere ihr überallhin folgten. „Wenn ich in den Garten gehe, um die Rosen zu beschneiden, kommen die Kleinen mit mir und
und lernen, Löcher im Blumenbeet zu graben. Aber ich nehme das als gutes Zeichen dafür, dass ihre Wühlkünste besser werden.“ Denn die Arbeit von Linda Tabone ist es, die Tiere auf ihre Auswilderung vorzubereiten. So habe sie bereits 60 Wallabys und 40 Wombat-Joeys auf ihre Rückkehr in die Natur vorbereitet.
Beuteltier hat nicht nur Kult-, sondern auch „Gefährdet“-Status
Alle Wombats sind in ganz Australien geschützte Tiere. Der Südliche Haarnasenwombat und der Nacktnasenwombat gelten als gefährdet, der nördliche Haarnasenwombat als vom Aussterben bedroht. Denn sein Territorium ist winzig. Eine Studie von 2013 sprach von nur noch 138 bis 160 Exemplaren und einem Wiederansiedlungsprojekt mit zwölf Tieren im australischen Bundesstaat Queensland.3 Neuere Zahlen der Australian Wildlife Conservancy gehen von circa 300 verbleibenden Tieren aus.4