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Diese Tiere nennen sich beim Namen

Weißbüschelaffe
Eine Forschergruppe der Hebräischen Universität in Jerusalem hat herausgefunden, dass sich Weißbüschelaffen untereinander mit Namen „ansprechen“ Foto: Getty Images
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Sonja Jordans

12. Mai 2026, 13:13 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Nicht nur Menschen sprechen sich beim Namen an. Auch viele Tiere tun das offenbar. Wie eine neue Forschung zeigt, plappern Papageien Namen nicht einfach nur nach, sondern scheinen zu verstehen, was sie bedeuten. Auch Delfine, Elefanten und Weißbüschelaffen nutzen individuelle Laute, um Artgenossen gezielt anzusprechen. PETBOOK erklärt, welche Tiere Namen verwenden und was das über ihre Sprachentwicklung verrät.

Papageien verstehen Namen offenbar wirklich

Papageien gelten als besonders begabte Nachahmer menschlicher Sprache. Forscher wollten nun wissen, ob die Vögel Namen nur imitieren oder ob sie diese tatsächlich verstehen. Dafür analysierten sie Daten von über 1.200 Papageien aus 89 Arten, die über die Plattform „manyparrots.org“ gesammelt wurden. In die Analyse flossen schließlich Wörter und Sätze von 884 Tieren ein.

Das Ergebnis: Papageien verwenden vokale Bezeichnungen meist in passenden sozialen Situationen, wie etwa zur Begrüßung, Verabschiedung oder als Reaktion auf Ansprache. Sie nutzen Namen demnach nicht nur für Menschen und andere Tiere, sondern auch für sich selbst oder bestimmte Objekte. Die Forscher schließen daraus, dass Papageien Laute nicht bloß nachahmen, sondern zumindest teilweise deren Bedeutung erfassen.

Delfine rufen sich beim Namen 

Auch bei anderen Tierarten geht die Forschung davon aus, dass sie sich individuell „ansprechen“. Besonders gut untersucht ist das bei Delfinen. Sie „pfeifen“ dabei eine typische, für sie individuelle Abfolge, die andere Tiere der Gruppe schließlich nachahmen und dadurch den jeweiligen Artgenossen gezielt ansprechen können.1

Bei männlichen Delfinen spielen solche individuellen Lautsignale offenbar auch für langjährige Freundschaften und Allianzen eine Rolle. Forscher vermuten, dass die Tiere mithilfe dieser „Namen“ ihr komplexes soziales Netzwerk im Blick behalten.

Weißbüschelaffen haben individuelle Namen für jedes Tier

Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem haben festgestellt, dass auch Weißbüschelaffen mit individuellen Rufen kommunizieren, die sich ähnlich wie Namen unterscheiden lassen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

Die kleinen, nur rund 16 bis 20 Zentimeter großen Weißbüschelaffen sind für ihre lauten, kurz aufeinanderfolgenden Rufe bekannt. Welche Bedeutung diese Rufe genau haben, war bislang jedoch nicht entschlüsselt worden.

Die Forscher analysierten die Tonabfolgen und Unterschiede der einzelnen Rufe mithilfe eines speziellen Computerprogramms. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Tiere eines Familienverbands untereinander immer wieder mit verschiedenen, individuellen Lauten ansprechen. Die so kontaktierten Artgenossen wussten dann auch genau, wer aus ihrer Gruppe damit genannt ist. Die Laute transportieren umfangreiche Informationen, um Mitglieder ihrer Gruppe gezielt anzusprechen.2 

Aus der Studie der israelischen Forscher geht zudem hervor, dass die Äffchen grundsätzlich eher auf Rufe reagieren, wenn sie individuell, also mit einer speziellen, namensähnlichen Lautäußerung angesprochen werden. Passiert das nicht, reagieren sie auch nicht unbedingt.

Namen sorgen für Bindung in der Gruppe

Eine Erklärung dafür, warum Weißbüschelaffen diese Art der Kommunikation über Namen nutzen, liegt offenbar in ihrer Lebensweise. Die Tiere leben in engen Familienverbänden mit bis zu 15 Tieren, bevorzugt in den Baumkronen der Regenwälder im Nordosten Brasiliens. Dort legen sie in den Wipfeln auf der Suche nach Nahrung springend und kletternd mehrere hundert Meter zurück.

Um auch über größere Entfernungen den Kontakt zu anderen Gruppenmitgliedern nicht zu verlieren, stoßen sie unterwegs immer wieder ihre sogenannten Phee-Laute aus. Wie die Forscher vermuten, sollen diese Rufe – wie bei anderen Tieren, die als sozial agierende Gruppe zusammenleben – auch die Bindungen innerhalb des Familienverbands aufrechterhalten.  

Welche Laute sie wie einzusetzen haben und was sie bedeuten, lernen Weißbüschelaffen übrigens schon im Kindes- und Jugendalter. Wie bereits frühere Untersuchungen an den kleinen, rund 300 Gramm leichten Affen zeigten, lernen die Tiere dabei offenbar ähnlich wie Menschen. Eine Studie der US-Universität Princeton etwa legte dar, dass Weißbüschelaffen ihre individuellen Laute und Namen entwickeln, indem sie den Elterntieren zuhören. Die Eltern sind also dafür verantwortlich, dass ihr Nachwuchs seine angeborenen, natürlichen „Babylaute“ schließlich ablegt und eine „erwachsene“ Sprache lernt.3

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Elefanten nutzen ebenfalls individuelle Rufe

Auch Elefanten sprechen sich offenbar persönlich an. Afrikanische Elefanten nutzen tiefe, grollende Laute, um bestimmte Herdenmitglieder zu rufen. Besonders spannend daran: Anders als Delfine imitieren sie dabei wohl nicht einfach den Laut des angesprochenen Tieres, sondern verwenden individuelle Lautmuster.4

Das erinnert in einem wichtigen Punkt an menschliche Namen. Denn auch unsere Namen sind meist willkürliche Bezeichnungen, die nicht aus den Eigenschaften einer Person ableitbar sind. Genau diese sogenannte Arbitrarität gilt als zentrales Merkmal menschlicher Sprache.

Hinweise auf Sprachentwicklung bei Menschen

Die Forschungsergebnisse helfen dabei, die Grundlagen der Sprachentwicklung besser zu verstehen. Die Ergebnisse der Biologen von der Hebräischen Universität in Jerusalem könnten nun ebenfalls helfen, die Ursprünge der menschlichen Sprache zu ergründen. Denn die Ähnlichkeiten zwischen den komplexen Kommunikationsstrukturen der Weißbüschelaffen und der frühen Menschen ließen vermuten, dass die Tiere während ihrer Evolution vor ähnlichen sozialen Herausforderungen standen wie frühe menschliche Vorfahren, so David Omer, Senior-Autor der Studie aus Jerusalem.

Die neuen Ergebnisse zu Papageien erweitern dieses Bild nun deutlich. Denn sie legen nahe, dass Tiere Namen nicht nur verwenden, sondern deren Bedeutung auch verstehen können. Damit wird immer klarer: Die Fähigkeit, jemanden gezielt „beim Namen“ zu rufen, ist im Tierreich weiter verbreitet als lange angenommen.

Quellen

  1. Gesellschaft zur Rettung der Delphine, „Dich kenne ich – Delfine geben sich Namen“, (aufgerufen am 12.05.2026) ↩︎
  2. ethologisch.de, „…denn sie wissen, was sie tun: Hilfsbereitschaft bei Weißbüschelaffen“ (aufgerufen am 12.05.2026) ↩︎
  3. scinexx.de, „Auch Affen nennen sich beim Namen“ (aufgerufen am 12.05.2026) ↩︎
  4. GEO, „Erstmals im Tierreich beobachtet: Elefanten nennen sich beim Namen“, (aufgerufen am 12.05.2026) ↩︎

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