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„Ouroboros“-Phänomen

Warum beißen sich Schlangen in ihren eigenen Schwanz?

Westliche Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) frisst eine andere Schlange
Der starke Fressreflex von Schlangen kann dazu führen, dass sie selbst Artgenossen attackieren – oder sich im Extremfall irren Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

27. März 2026, 17:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Viele kennen das Symbol der Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt – den sogenannten Ouroboros. Was ein mystisches Motiv wirkt, kommt tatsächlich auch in der Realität vor. Allerdings steckt dahinter kein Geheimnis, sondern meist ein Problem: Wenn Schlangen sich selbst attackieren, ist das häufig ein Zeichen für Stress, Überhitzung oder Verwirrung. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, warum dieses Verhalten auftritt und was Halter in so einem Fall unbedingt tun sollten.

Das Rätsel des Ouroboros

Eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt – dieses Bild kennt fast jeder. Als sogenannter Ouroboros taucht es bereits in der Antike auf, etwa im alten Ägypten. Es steht für Ewigkeit, Wiedergeburt und den Kreislauf des Lebens.

Doch anders als viele denken, ist das nicht nur Symbolik. Auch in der Realität kommt dieses Verhalten vor – wenn auch eher selten. Und wenn man als Halter plötzlich die eigene Schlange dabei beobachtet, kann das ziemlich verstörend sein.

Die gute Nachricht: Dahinter steckt kein „mystisches“ Verhalten. Die weniger gute: Oft ist es ein Warnsignal.

Warum beißen Schlangen ihren eigenen Schwanz?

Wenn eine Schlange ihren eigenen Körper attackiert, ist das aus biologischer Sicht kein normales Verhalten. Es gibt jedoch mehrere plausible Erklärungen – und die haben meist mit Stress, Haltung oder Verwirrung zu tun. Denn dieses Verhalten wird vor allem bei Schlangen in Gefangenschaft beobachtet. In der Natur kommt es deutlich seltener vor. 1, 2

Überhitzung – ein häufiger Auslöser

Schlangen sind wechselwarm. Das bedeutet: Ihre Körpertemperatur hängt vollständig von der Umgebung ab. Wird es im Terrarium zu warm, kann ihr Stoffwechsel stark ansteigen. Die Tiere wirken dann plötzlich „hungrig“ – auch wenn sie es gar nicht sind. Gleichzeitig können sie desorientiert werden. Im schlimmsten Fall halten sie ihren eigenen Schwanz für Beute.

Stress und Überforderung

Stress ist ein zentraler Faktor. Zu kleine Terrarien, fehlende Rückzugsmöglichkeiten oder ständige Störungen können dazu führen, dass Schlangen ungewöhnlich reagieren – etwa mit unkoordinierten Bissbewegungen.

Verwechslung mit Beute

Schlangen haben einen extrem starken Fressreflex. Gerade Arten, die auch andere Schlangen fressen, können sich schlicht irren. Das klingt banal, ist aber tatsächlich eine der plausibelsten Erklärungen: Sie „denken“ nicht lange nach, sondern reagieren blitzschnell auf Bewegungen.

Krankheit oder Schmerzen

In einigen Fällen steckt mehr dahinter. Tiere, die stark geschwächt oder krank sind, können ebenfalls anfangen, sich selbst zu beißen. Das ist dann ein ernstes Warnsignal.

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Diese Schlangenarten sind häufiger betroffen

Immer wieder kursieren Videos von Schlangen, die sich selbst fressen. Berühmtestes Beispiel dafür ist ein Video auf YouTube aus dem Jahr 2014, das eine Westliche Hakennasennatter zeigt, die sich selbst in den Schwanz biss und weiter ihren Körper verschlang, während Blut aus ihrem Kiefer tropfte. Mehrere Medien griffen den Fall auf – unter anderem die „Daily Mail“.

Oft handelt es sich dabei um Einzelfälle – dennoch gibt es einige Schlangenarten, bei denen das Verhalten öfter auftreten soll. Unter anderem bei Nattern und Kobras. Beide gehören zu Arten, die andere Schlangen oder sogar kleinere Artgenossen fressen. Hier kann es schon mal zu einer „Verwechslung“ kommen, vor allem, wenn die Tiere unter Hungerstress stehen.3

So löst man den Schlangenbiss wieder

Da dieses Verhalten vor allem bei Schlangen in Gefangenschaft auftritt, finden sich immer mal wieder Schlangenhalter damit konfrontiert. Das Problem dabei ist: Hat die Schlange einmal „zugebissen“, kommt sie oft schwer wieder raus – ihr Gebiss ist genau dafür gemacht, Beute festzuhalten. Im schlimmsten Fall kann das Verhalten sogar tödlich enden.

In Foren und auf Social Media werden unter Schlangenhaltern hierzu verschiedene Tipps ausgetauscht. Einer davon ist, eine kleine Menge Handdesinfektionsmittel oder Alkohol ans Maul der Tiere zu führen. Daraufhin lösen viele Schlangen abrupt den Biss. Allerdings kann Alkohol oder Desinfektionsmittel auch giftig für Schlangen sein. Geht es aber darum, einem Tier das Leben zu retten, ist es einen Versuch wert.

Lässt sich der Schwanz nicht lösen oder ist schon weiter im Maul verschwunden, sollte man keine Zeit verlieren und einen Tierarzt aufsuchen.

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Ab wann zum Tierarzt?

Meistens tritt das Verhalten selten auf. Es gibt aber Fälle, in denen Schlangen immer wieder ihren Schwanz attackieren. Hier sollte man das Verhalten auf jeden Fall abklären lassen.

Unbedingt zum Tierarzt sollten Sie außerdem, wenn:4

  • die Schlange nicht von selbst loslässt
  • bereits Teile verschluckt wurden
  • Wunden oder Blut sichtbar sind
  • das Tier apathisch oder auffällig wirkt

Ein reptilienkundiger Tierarzt kann den Kiefer vorsichtig lösen, Wunden versorgen und die Ursache abklären.

Fazit

So faszinierend das Bild des Ouroboros ist – in der Realität hat es wenig mit Mythologie zu tun. Wenn eine Schlange sich selbst beißt, ist das fast immer ein Alarmsignal.

Meist stecken Stress oder Haltungsfehler oder gesundheitliche Probleme dahinter. Für Halter bedeutet das: genau hinschauen, schnell reagieren – und die Haltungsbedingungen kritisch überprüfen.

Quellen

  1. a-z-animals.com, „Why Do Snakes Eat Themselves?“ (aufgerufen am 27.03.2026) ↩︎
  2. petmd.com, „Ouroboros – The Snake That Bites Its Own Tail“ (aufgerufen am 27.03.2026) ↩︎
  3. iflscience.com, „Stressed Out Snake Eats Itself“ (aufgerufen am 27.03.2026) ↩︎
  4. askavet.com, „Vet Guide 2025: Understanding Ouroboros – Why Some Snakes Bite Their Own Tail by Dr Duncan Houston (vet 2025)“ (aufgerufen am 27.03.2026) ↩︎

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