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Leserfrage

Warum jagt eine Katze den Schwanz der anderen?

Zwei Katzen auf dem Kratzbaum. Eine schaut auf den Schwanz der anderen
Schwingt der Katzenschwanz häufig im Sichtfeld des anderen Tiers, kann es schon mal einen Biss oder einen Pfotenhieb setzen Foto: Getty Images / w-ings
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12. Februar 2026, 5:55 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Zwei Katzen liegen auf dem Kratzbaum. Die obere döst entspannt auf ihrer Plattform, ihr Schwanz baumelt locker nach unten und pendelt hin und her. Die Katze darunter beobachtet das eine Weile – wird zunehmend aufmerksam – und beißt irgendwann zu. Die obere Katze fährt erschrocken hoch, ist irritiert oder kurz genervt. Weiß die Beißerin, dass der Schwanz zur anderen gehört? PETBOOK-Redakteurinnen Saskia Schneider und Louisa Stoeffler geben ihre Einschätzungen.

Katze sagt den Schwanz der anderen – das sagen PETBOOK-Expertinnen

Eine Szene, die viele aus Mehrkatzenhaushalten kennen. Aber was steckt dahinter? Weiß die „beißende“ Katze eigentlich, dass der Schwanz zur anderen gehört? Oder wird hier wirklich ein Körperteil mit einem Spielzeug verwechselt? Diese Frage stellten uns zwei PETBOOK-Leser.

Einschätzung von Saskia (PETBOOK-Redakteurin mit Schwerpunkt Verhalten)

„Ich finde die Frage super spannend – und würde bei erwachsenen Katzen ebenfalls sagen: Sie wissen im Grunde genau, dass es der Schwanz der anderen ist.“

Saskia sieht zwei typische Varianten:

a) Die Katze weiß, dass der Schwanz zur anderen gehört – und beißt absichtlich hinein, um ein Spiel zu starten oder die andere zu „aktivieren“.
b) Sie weiß es theoretisch – ist aber in dem Moment so auf die Bewegung fixiert, dass sie instinktiv reagiert.

„Bei Kitten ist die Situation etwas anders: Ihr Körpergefühl und die Abgrenzung zwischen Selbst und ‚dem anderen‘ entwickeln sich erst noch. Jungtiere spielen häufig grobmotorischer und impulsiver – da verschwimmen Grenzen schneller.“

Einschätzung von Louisa (PETBOOK-Redakteurin und Katzensitterin)

„Ich würde sagen: Ja – die beißende Katze weiß sehr wahrscheinlich, dass der Schwanz zur anderen Katze gehört. Trotzdem kann es passieren, dass der Beute- oder Spieltrieb sie ‚überholt‘, wenn sich da dauerhaft etwas bewegt. Entscheidend ist vor allem, was danach passiert.“

Louisa unterscheidet dabei klar zwischen harmlosen Alltagssituationen und möglichen Konflikten:

  • Kurzer Schreck, dann wieder Ruhe → meist ein normales Intermezzo.
  • Fauchen, Fixieren, Nachsetzen oder wiederholtes Beißen → kann auf Stress oder Spannungen hindeuten und sollte von den Haltern definitiv beobachtet werden. Vielleicht lohnt sich auch ein zweiter Kratzbaum.

Katzen haben ein sehr gutes Körpergefühl – inklusive Schwanz

Im Kern lässt sich feststellen: Katzen besitzen eine sehr feine Körperwahrnehmung (Propriozeption) – also die Fähigkeit, Körperteile auch ohne Hinsehen „zu spüren“ und gezielt zu steuern. Der Schwanz ist für Katzen nicht Deko, sondern ein hochfunktionales Körperteil:

  • Balance & Koordination (Klettern, Springen, Drehen)
  • Kommunikation (Stimmung, Absicht, Erregung)
  • feinste Bewegungssteuerung

Das heißt: Eine Katze „versteht“ den Schwanz als Teil ihres Körpers – und erkennt normalerweise auch, wenn ein Schwanz zu einer anderen Katze gehört. Aber: Erkennen heißt nicht automatisch, dass sie nicht reinbeißt.

Bewegung triggert Jagd- und Spielprogramme – auch ohne „böse Absicht“

Oft ist so ein Verhalten Spiel, manchmal Stress oder Umleitung, die sogenannte „redirected aggression“, seltener auch ein Hinweis auf Unwohlsein oder medizinische Faktoren. Auch Kater Remo von Louisa hat deswegen schon seinen eigenen Schwanz gejagt.

Gerade in der Kratzbaum-Situation wirkt der Schwanz allerdings wie ein klassischer Auslöser:

  • Er hängt in Reichweite.
  • Er bewegt sich leicht und wiederholt.
  • Die untere Katze ist in einem Zustand von Aufmerksamkeit, vielliecht auch Langeweile oder Beobachtung.

Das kann das „Beuteprogramm“ anschalten: Ein bewegtes Objekt animiert zum Packen. Selbst wenn der Kopf „weiß“, dass es der Mitbewohner ist, kann der Körper reflexhaft reagieren – ähnlich wie Saskias Punkt b).

Mehrkatzen-Dynamik: „Spiel“, „Grenztest“ oder „Stressventil“

Außerdem spielt die soziale Komponente hinein: In Mehrkatzenhaushalten kann Schwanzbeißen auch ein kleiner Grenztest sein („Ich kann dich stören – ich möchte Interaktion“). Das muss nicht dramatisch sein – Katzen klären viel über Mikrosignale.

Entscheidend ist, wie Louisa auch betonte, wie beide Katzen danach reagieren. Hier muss man unterscheiden:

Eher harmlos (Alltag/Spiel):

  • Einmaliger Biss, kurzer Schreck, dann Ruhe
  • Keine Jagdsequenz, kein Nachsetzen
  • Beide Katzen nutzen weiter denselben Kratzbaum ohne Meidung

Eher kritisch (Konflikt/Stress):

  • Häufiges Wiederholen, steigende Intensität
  • Fauchen, Knurren, Fixieren, Körperspannung
  • Die obere Katze meidet danach Plätze oder wirkt „auf der Hut“
  • Es kommt zu Verletzungen oder es liegen lose Fellbüschel herum, wenn die Halter nach Hause kommen
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Was man praktisch tun kann

  • Management am Kratzbaum: Wenn möglich, eine zusätzliche Liegefläche/Etage anbieten, damit nicht ständig „Schwanz in Reichweite“ hängt.
  • Energie umlenken: Gerade die „beißende“ Katze profitiert oft von kurzen Jagdspiel-Einheiten (Angel, Beute-Spielzeug) – ideal: 2–3 Minuten, dafür häufiger.
  • Ressourcen-Check (Mehrkatzen-Regel): Mehrere Futterstellen, Wasser, Liegeplätze, ausreichend Katzenklos – Konkurrenz erhöht Stress und macht solche Impulse wahrscheinlicher.
  • Bei Verletzung am Schwanz: Lieber einmal zu viel schauen lassen – Katzenbisse können sich schnell entzünden.

Fazit

Ja, sehr wahrscheinlich weiß die Katze, dass es der Schwanz der anderen ist. Aber: Bewegung + Reichweite + Jagdinstinkt können stärker sein als die „gute Absicht“. Ob das Ganze harmloses Geplänkel oder ein Stresssignal ist, zeigt sich daran, wie die Situation danach weitergeht.

Ihre Katze zeigt ein verblüffendes Verhalten? Ob seltsame Marotten, rührende Eigenheiten oder Fragen zum Zusammenleben mehrerer Katzen – wir sind gespannt auf Ihre Geschichte. Schreiben Sie uns an redaktion@petbook.de und schildern Sie, was Ihre Katze so besonders macht. Vielleicht greifen wir Ihre Frage schon bald in einem unserer nächsten Artikel auf!

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