22. September 2026, 11:04 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer einen Igel im Garten entdeckt, freut sich meist über den stacheligen Besucher. Wirkt das Tier jedoch geschwächt, verletzt oder ist es sogar tagsüber unterwegs, sind viele verunsichert. Wann braucht ein Igel Hilfe und wann nicht? PETBOOK hat dazu mit Dr. Angelika Nelson, Biologin und Igel-Expertin beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV), gesprochen.
Wann ein Igel wirklich Hilfe braucht
Nicht jeder Igel, der im Garten auftaucht, ist automatisch hilfsbedürftig. „Gesunde Igel sind nachtaktive Insektenfresser, die sich jetzt im Herbst auf den Winterschlaf vorbereiten“, erklärt Dr. Angelika Nelson vom LBV. Läuft ein Igel also tagsüber nur kurz herum, um seinen Schlafplatz zu wechseln, ist das unbedenklich.
Problematisch wird es, wenn Igel ungewöhnliches Verhalten zeigen oder sichtbar geschwächt wirken, zum Beispiel, wenn sie:
- lange tagsüber herumlaufen und nicht nur kurz ihren Schlafplatz wechseln
- tagsüber eifrig nach Futter suchen
- eingefallene Flanken haben
Auch Jungtiere mit weniger als 500 Gramm benötigen fachkundige Unterstützung: Sie schaffen es sonst kaum durch den Winter. „In diesen Fällen kann man Igel kurzfristig gezielt mit Futter, am besten nassem Katzenfutter, unterstützen“, so Dr. Nelson.
Was tun, wenn man einen verletzten Igel findet?
Dass ein Igel Unterstützung benötigt, erkennt man zum Beispiel daran, dass er
- apathisch am Boden liegt,
- sich nicht einrollt oder
- offene Wunden oder andere sichtbare Verletzungen hat oder hinkt.
In diesem Fall ist umsichtiges Handeln gefragt. „Wenn ein Igel sehr geschwächt oder krank ist, kann man ihn vorsichtig einfangen und zum Tierarzt bringen.“
Beim Einfangen sollte man auf jeden Fall Handschuhe tragen, um sich vor Stacheln und Parasiten zu schützen. „Anschließend kann man ihn vorsichtig in eine Kartonbox mit Luftlöchern setzen“, rät Nelson. Als Unterlage kann man etwas Küchenrolle in die Box legen.
„Da viele geschwächte Igel unterkühlt sind, kann man zusätzlich eine Wärmflasche mit lauwarmem Wasser in die Box legen und den Igel darauf oder daneben platzieren.“
Ihn zusätzlich zu stressen, indem man den Igel anfasst oder ihn dazu zwingt zu reagieren, indem man den Karton schüttelt oder Ähnliches, sollte man nicht. Das beste Vorgehen, um dem Wildtier zu helfen: die Box abdecken und zügig fachkundige Hilfe hinzuziehen.
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Wann sollte man eine Igelstation oder einen Tierarzt kontaktieren?
Wildtierstationen, Igelhilfen oder Tierärzte können gut einschätzen, ob Sofortmaßnahmen nötig sind – und wie es danach weitergeht. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel nachfragen. „Am besten gleich, sobald Zweifel bestehen, und gerne auch schon vor dem Einfangen, eine Fachstelle anrufen, die auch telefonisch berät und sagen kann, ob ein Einfangen nötig ist“, sagt Dr. Nelson. Gegebenenfalls können auch Fotos dabei helfen, die Situation zu bewerten.
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Menschen können einen Teil dazu beitragen, dass Igel nicht in Not geraten. „Die beste Hilfe für den Igel ist, seinen Lebensraum für all seine Ansprüche – Nahrung, Schlafnest, Platz zum Überwintern, Kinderstube – zu erhalten beziehungsweise zu gestalten“, erklärt Dr. Nelson.
Am wohlsten fühlen sich Igel in einem naturnahen Garten mit Rückzugsmöglichkeiten. Diese können Sie schaffen, indem Sie:
- Laub- und Reisighaufen liegen lassen
- Unterholz in Hecken nicht komplett entfernen
- Hecken und Sträucher pflanzen, die Deckung bieten
Wer diese Strukturen nicht hat, kann nachhelfen: „Alternativ zum Laub- und Reisighaufen kann man ein wettergeschütztes Igelhaus aus Holz in einer ruhigen Ecke aufstellen“. Dieses sollte man anschließend am besten nicht mehr öffnen, um den Igel nicht zu stören.
Igel sind geschützte Wildtiere. Sie benötigen in erster Linie: Ruhe, naturnahe Lebensräume – und im Notfall schnelle, fachkundige Hilfe. Wer aufmerksam beobachtet und im Zweifel Rat einholt, hilft den Tieren am besten durch den Herbst und sicher in den Winterschlaf.
Sollte ich Igel in meinem Garten füttern?
Ob man Igel im Garten füttern sollte, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während einige Naturschutzverbände empfehlen, Wildtiere nur in Ausnahmefällen zuzufüttern, befürworten manche Igelstationen und Experten angesichts des Insektensterbens eine unterstützende Fütterung. Einigkeit besteht jedoch darüber, dass gesunde Igel in einem naturnahen Garten normalerweise selbst ausreichend Nahrung finden sollten. Sinnvoll kann eine Zufütterung bei geschwächten oder untergewichtigen Tieren sowie in Zeiten besonderer Nahrungsknappheit sein. Wichtig ist dabei, ausschließlich geeignetes Futter anzubieten und den Tieren stets frisches Wasser bereitzustellen.