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Igel brauchen ganzjährig Unterstützung – so helfen Sie richtig

Igel (Erinaceus europaeus) auf einer Wiese mit Löwenzahn
Igel brauchen auch im Sommer Unterstützung – etwa durch nanturnahe Gärten Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

4. November 2025, 17:28 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Igel gehören zu den charmantesten Wildtieren unserer Gärten – doch sie sind bedroht. Dabei lässt sich mit einfachen Mitteln viel erreichen: Ein Laubhaufen, eine Wasserstelle oder ein kleines Igeltor im Zaun können überlebenswichtig sein. PETBOOK erklärt, wie Sie Igeln das ganze Jahr über sinnvoll helfen – und klärt die wichtigsten Fragen vom ersten Frühlingsspaziergang bis zum Winterschlaf.

Sind Igel bedroht?

Der Europäische Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) steht in Deutschland unter besonderem Schutz. Seine Bestände nehmen seit Jahren ab – unter anderem durch Lebensraumverlust, Straßenverkehr und Gifteinsatz in Gärten. Fachleute warnen bereits, dass der Igel eigentlich keine Chance mehr habe, wenn sich die Bedingungen nicht bessern.

Neben der zunehmenden Flächenversiegelung ist vor allem der Mangel an Insekten ein gravierendes Problem: Denn Igel sind reine Fleischfresser. Ohne Käfer, Würmer und Schnecken bleibt der Napf leer – und der Winter kann zur tödlichen Falle werden.

Wie kann ich Igel im Garten unterstützen?

Ein naturnaher Garten ist der wichtigste Schutz für Igel. Statt kahler Rasenflächen sollten Hecken, Sträucher, Kompost- und Laubhaufen Platz finden. Hier finden Igel Unterschlupf, Nahrung und Nistplätze.

Ein idealer Igelgarten bietet:

  • Laub- und Reisighaufen als natürliche Verstecke
  • heimische Pflanzen, die Insekten anziehen
  • kleine Teiche mit flachen Ufern als Trinkstellen
  • offene Durchgänge im Zaun – sogenannte Igeltore – mit etwa 13 × 13 Zentimetern Größe, damit die Tiere ungehindert wandern können.

Giftstoffe wie Schneckenkorn oder chemische Dünger haben in einem igelfreundlichen Garten nichts verloren – sie gefährden sowohl die Igel als auch ihre Beutetiere.

Darf ich Igel füttern?

Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Igel findet in einem naturnahen Garten selbst genug Nahrung. Füttern ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll – etwa, wenn ein Tier untergewichtig oder geschwächt ist, oder bei anhaltender Dürre und Nahrungsknappheit.

Erlaubte Futtermittel sind:

  • Katzen- oder Hundefutter (ohne Zucker und Gewürze, mit hohem Fleischanteil)
  • angebratenes, ungewürztes Hackfleisch oder Rührei
  • spezielles Igelfutter aus dem Fachhandel

Tabu sind Milch, Obst, Gemüse, Brot und Essensreste. Igel sind laktoseintolerant und vertragen pflanzliche Nahrung schlecht. Nach dem Winterschlaf sollten Igel nicht sofort gefüttert werden – ihr Verdauungssystem läuft noch auf Sparflamme. In den ersten Tagen nach dem Erwachen reicht frisches Wasser.

Brauchen Igel ein Igelhaus?

Ein Igelhaus oder eine sogenannte Igelburg ist ein idealer Rückzugsort – im Sommer als Schlafplatz, im Herbst als Winterquartier. Wer handwerklich begabt ist, kann ein solches Häuschen leicht selbst bauen: mit einer stabilen Basis aus Steinen oder Holz, bedeckt mit Ästen, Laub und Reisig. Wichtig ist ein wettergeschützter Standort – zum Beispiel unter Sträuchern oder hinter einem Schuppen.

Alternativ kann man fertige Modelle aus Holzbeton oder Holz kaufen. Entscheidend ist, dass das Haus trocken bleibt und nicht in einer Senke steht, in der sich Wasser sammelt.

Wann machen Igel Winterschlaf?

Igel beginnen ihren Winterschlaf meist im Oktober oder November, abhängig von der Witterung. Zuerst ziehen sich Männchen zurück, später die Weibchen und Jungtiere. Während des Winterschlafs senkt sich die Körpertemperatur auf wenige Grad, Herz- und Atemfrequenz verlangsamen sich drastisch.

Die Tiere wachen im März oder April wieder auf. Bei milden Wintern oder plötzlichen Warmphasen kann es jedoch passieren, dass Igel zu früh aktiv werden – und dann kaum Nahrung finden. Deshalb ist es wichtig, dass sie bereits im Herbst gut genährt und sicher untergebracht sind.

Wie Sie Igeln durch den Winter helfen, können Sie bei den Kollegen von myHOMEBOOK lesen: 5 Tipps, um Igeln durch den Winter zu helfen.

Ab wann brauchen Igel Hilfe?

Nicht jeder gefundene Igel braucht menschliche Unterstützung. Hilfe ist nötig, wenn:

  • der Igel unter 300 g wiegt (junge Tiere vor dem Winter),
  • er tagsüber umherläuft, offensichtlich verletzt oder krank ist,
  • oder bei Frost noch aktiv auf Futtersuche ist.

In solchen Fällen sollte das Tier warm und trocken untergebracht und eine Wildtierauffangstation, der NABU oder ein Tierarzt kontaktiert werden. Gesunde Tiere darf man nicht einfach mitnehmen – sie stehen unter Artenschutz (§ 43 Abs. 6 BNatSchG).

Sollte ich Igel auch im Sommer unterstützen?

Ja – denn der Sommer ist Brutzeit und Aufzuchtphase. Weibchen benötigen dann besonders viel Energie. Eine Wasserstelle und ein insektenfreundlicher Garten sind die beste Hilfe. Auch sichere Schlafplätze im Gebüsch oder unter Holzstapeln sind wichtig. Vermeiden Sie den Einsatz von Mährobotern und Motorsensen, besonders in der Dämmerung – sie verletzen jedes Jahr viele Tiere tödlich.

5 Tipps für einen igelfreundlichen Garten

  1. Laub liegen lassen: Natürliche Verstecke statt „ordentlichem“ Rasen.
  2. Igeltor anlegen: 13 × 13 cm große Öffnung im Zaun schaffen.
  3. Wasser bereitstellen: Flache Schale täglich reinigen und auffüllen.
  4. Mähroboter ausschalten: Besonders nachts – Lebensgefahr für Igel!
  5. Kein Gift einsetzen: Schneckenkorn und Pestizide schaden Igeln indirekt über ihre Nahrung.
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Igel gefunden – an wen wende ich mich?

Bei verletzten oder hilfsbedürftigen Igeln helfen lokale Igelstationen, Tierärzte oder Tierschutzvereine. Informationen zu regionalen Anlaufstellen finden Sie beim NABU, beim Bund Naturschutz oder über die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Setzen Sie das Tier niemals ohne Rücksprache aus – fachkundige Pflege entscheidet oft über Leben und Tod.

Fazit: Jeder Garten kann ein Igelparadies sein

Igel brauchen keine exotischen Futternäpfe, sondern sichere Lebensräume. Wer Laub liegen lässt, auf Chemie verzichtet und kleine Durchgänge im Zaun schafft, leistet bereits wertvolle Naturschutzarbeit. Die stacheligen Insektenfresser danken es mit ihrer stillen Anwesenheit – und helfen gleichzeitig, Schädlinge in Schach zu halten. Ein Garten, der Igeln gefällt, ist immer auch ein Garten voller Leben.

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