4. August 2026, 17:27 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine Schlange, und genau das macht die Blindschleiche so leicht zu verwechseln. Gefährlich ist sie nicht, anfassen sollte man sie trotzdem besser nicht. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, warum bei diesem Reptil nicht nur der Name täuscht und woran man es sicher erkennt.
Übersicht
Warum Blindschleichen wie Schlangen aussehen, aber keine sind
Schon ihr wissenschaftlicher Name sorgt für Verwirrung: Anguis fragilis bedeutet ungefähr „zerbrechliche Schlange“. Tatsächlich beschreibt das aber eher ihr Aussehen als ihre Verwandtschaft. Denn Blindschleichen sind keine Schlangen, sondern Echsen aus der Familie der Schleichen.
Auf den ersten Blick ist die Verwechslung verständlich. Blindschleichen haben keine Beine, einen langgestreckten Körper und bewegen sich schlängelnd über den Boden. Doch anatomisch gehören sie zu einer ganz anderen Reptiliengruppe. Zu den Schleichen zählen sogar Arten, die kleine Beinstummel oder vollständig entwickelte Beine mit fünf Zehen besitzen.
Dass Blindschleichen Echsen sind, zeigt sich auch an einem besonderen Schutzmechanismus: Werden sie bedroht, können sie ihren Schwanz abwerfen. Spezielle Sollbruchstellen sorgen dafür, dass der Schwanz abbricht und sich noch eine Weile bewegt. So wird ein Angreifer abgelenkt, während die Blindschleiche fliehen kann.
Der Preis dafür ist hoch. Bei Blindschleichen wächst der Schwanz nicht vollständig nach. Viele Tiere, die man in der Natur entdeckt, haben deshalb keinen unversehrten Schwanz mehr. 1
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Sind Blindschleichen blind?
Der deutsche Name der Tiere ist etwas irreführend, denn Blindschleichen können sehr wohl sehen. Wahrscheinlich geht der Begriff „blind“ auf das Althochdeutsche zurück und soll „blendend“ oder „glänzend“ bedeuten. Tatsächlich reflektieren die vielen kleinen Schuppen am Körper der beinlosen Echsen das Sonnenlicht. Dadurch glänzen die Tiere bei Bewegung. 2
So verlor die Blindschleiche ihre Beine
Der Hauptgrund, warum Blindschleichen den Schlangen so ähnlich sehen, ist das Fehlen von Gliedmaßen. Genau wie bei den Schlangen haben sich diese im Laufe der Evolution zurückgebildet. Warum ist bis heute nicht abschließend geklärt, aber es gibt eine Theorie.
So geht die Wissenschaft bei Schlangen davon aus, dass diese ihre Beine im Laufe der Evolution zurückgebildet haben, weil sie sich so schneller und auch lautloser an Land oder im Wasser bewegen konnten. Ähnliches trifft auch auf Blindschleichen zu.
Schaut man sich die Lebensweise der heimischen Reptilien an, verbringen diese einen großen Teil unter der Erde. Mit ihrem walzenförmigen Körper können sie sich besonders gut in Sedimenten wie Sand oder Erde fortbewegen. Beine wären hier nur hinderlich. 3
Es ist aber auch wahrscheinlich, dass ihnen die Ähnlichkeit zu den echten Schlangen den Blindschleichen einen weiteren Vorteil verschafft. Genau wie wir verwechseln auch andere Tiere und Fressfeinde die Echsen mit den giftigen Doppelgängern und halten lieber Abstand.
Blindschleiche oder Schlange? So erkennen Sie den Unterschied
Da Blindschleichen und Schlangen aus verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen kommen, gibt es einige anatomische Unterschiede. Allerdings sind nicht alle auf Anhieb immer gut zu erkennen. Da wäre zunächst mal die Größe: Während Schlangen nahezu ihr Leben lang weiterwachsen, erreichen Blindschleichen eine Länge von maximal 50 Zentimetern. Die meisten Exemplare sind aber zwischen 35 und 45 Zentimeter lang.
Die Grundfärbung von Blindschleichen kann variieren und Braun-, Grau-, Gelb-, Bronze- oder Kupfertöne enthalten. Viele Tiere zeigen einen sogenannten Aalstrich – eine dunkle Linie, die vom Hinterkopf bis zur Schwanzspitze verläuft. Manche besitzen lediglich mehr oder weniger deutliche dunkle Punkte und Linien und andere sind ganz ohne Zeichnung.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den Schlangen ist das Abwerfen bzw. Abbrechen des Schwanzes. Allerdings möchte man die Tiere nicht erst ängstigen oder gar anfassen, um sicherzugehen, dass es sich um eine Blindschleiche und keine Schlange handelt. Um die beiden sicher zu unterscheiden, sollte man daher den Kopf genauer betrachten.
Im Gegensatz zu Schlangen besitzen Blindschleichen ein bewegliches Augenlid und können ihre Augen so zusammenkneifen oder ganz schließen. Zum anderen ist das Maul der Blindschleiche beim Züngeln stets leicht geöffnet. Schlangen hingegen können auch mit geschlossenem Maul züngeln, da sie eine Lücke in der Oberlippe haben. 4
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Sind Blindschleichen gefährlich?
Blindschleichen können weder Menschen noch den meisten Tieren wie Hunden oder Katzen gefährlich werden. Sie ernähren sich vor allem von Kriechtieren, wobei 90 Prozent ihrer Nahrung aus Nacktschnecken und Regenwürmern bestehen. Daher ist sie ein gern gesehener Helfer im Garten, dort aber eher seltener anzutreffen – es sei denn, man wohnt nahe dem Wald. Denn die Tiere bevorzugen vegetationsreiche und mäßig feuchte Biotope in Wäldern oder in deren Umfeld.
Was sollte ich tun, wenn ich eine Blindschleiche finde?
Wer eine Blindschleiche im Wald trifft, sollte das Tier möglichst umgehen, um es nicht in Stress zu versetzen. Anfassen oder Umsetzen sollte man vermeiden, auch wenn die Tiere gern mal mitten über Wanderwege kriechen. Zu hoch ist die Gefahr, dass die Blindschleichen aus Angst ihren Schwanz abwerfen. Wer einen Hund dabeihat, nimmt seinen Vierbeiner am besten an die Leine und führt ihn großzügig um das Reptil herum.
Meine Blindschleichen-Sichtungen
„Als Kind habe ich immer geglaubt, Blindschleichen seien Schlangen. Form und Körper entsprechen nämlich auf den ersten Blick dem, was man gemeinhin als Schlange einordnet. Erst bei einem kürzlichen Urlaub im Harz konnte ich die Tiere tatsächlich auch einmal voll in Aktion erleben. Denn wenn sie nicht wie erstarrt auf dem Weg liegen, bewegen sich beim Schlängeln relativ steif. Ich fühlte mich dabei eher an einen Gecko oder an einen Leguan erinnert.“