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Heute ausgerottet

War das Quagga wirklich ein Zebra-Pferd-Hybrid?

Quagga-Rückzüchtung und Zeichnung eines Original-Quaggas
Das Quagga sah optisch aus wie ein Mix aus Pferd und Zebra, aber DNA-Analysen zeigten etwas anderes Foto: Getty Images / picture alliance/dpa/Quagga Project | Quagga Project
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

30. Januar 2026, 6:35 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Es klingt wie eine zoologische Legende: ein Tier, halb Zebra, halb Pferd, mit Streifen nur dort, wo sie scheinbar „nicht zu Ende gemalt“ wurden. Doch das Quagga war kein Mythos – es lebte bis ins späte 19. Jahrhundert in Südafrika, graste in Herden durch die Savannen und verschwand schneller von der Erde, als die Wissenschaft begreifen konnte, was sie da verlor.

Halb Pferd, halb Zebra? Nicht wirklich

Das Quagga war kein Fabelwesen, sondern ein echtes Tier, das einst die südafrikanischen Ebenen durchstreifte. Mit seinem ungewöhnlichen Aussehen – stark gestreifter Vorderkörper, der in ein ungestreiftes, bräunliches Hinterteil überging – wirkte es auf frühe europäische Beobachter wie ein „Mischwesen zwischen Pferd und Zebra“. Dieses Bild prägte seinen Ruf, weil niemand damals verstand, was die Streifen-Variation bedeutete und wie eng das Quagga mit anderen Zebras verwandt war.

Tatsächlich war das Quagga keine Kreuzung zwischen Pferd und Zebra, sondern eine Unterart des Steppenzebras (Equus quagga quagga). Erst moderne genetische Analysen bestätigten, dass es zum gleichen „Artenverbund“ gehörte wie die heute noch lebenden Steppenzebras. Der Unterschied lag vor allem im Fellmuster: Streifen bedeckten beim Quagga nur Kopf, Hals und Vorderkörper, während der restliche Körper einfarbig war. Diese ungewöhnliche Musterung wurde lange missverstanden und führte zu der Halb-Pferd-Halb-Zebra-Vorstellung.

Quaggas lebten in den weiten Graslandschaften des Karoo und des südlichen Orange Free State in Südafrika. Wie andere Zebras waren sie tagsüber aktiv, lebten in Herden und ernährten sich von Gras. Sie waren soziale Tiere, vermutlich ähnlich organisiert wie ihre noch lebenden Verwandten. Doch trotz dieser sozialen Strukturen gelang es ihnen nicht, dem wachsenden Druck der menschlichen Besiedlung und Jagd zu entkommen.

Vom Steppentier zur ausgestorbenen Legende

Im 19. Jahrhundert begann die europäische Besiedlung Südafrikas rasant. Mit ihr wuchs die Konkurrenz zwischen einheimischen Wildtieren und domestizierten Nutztieren, vor allem Schafen und Ziegen. Quaggas wurden von Siedlern nicht nur als Konkurrenten um die knappen Weideflächen gesehen, sondern auch systematisch bejagt. Ihr Fleisch und insbesondere ihre Haut, die für Lederwaren verwendet wurde, machten sie zur Zielscheibe intensiver Jagd.

Die Jagd, in Kombination mit Lebensraumverlust und fehlendem Schutz, führte im 19. Jahrhundert zu einem dramatischen Rückgang der Population. Schon um die 1870er-Jahre waren Quaggas in freier Wildbahn nahezu verschwunden. Der letzte bekannte Quagga, ein Gefangenschaftstier im Artis Zoo in Amsterdam, starb am 12. August 1883. Damit galt die Unterart der Steppenzebras endgültig als ausgestorben.

Erstaunlich ist, dass lange niemand wirklich bemerkte, wie einzigartig dieser Verlust war – Quaggas wurden oft einfach für gewöhnliche Zebras gehalten, weil der Name „Quagga“ in jener Zeit unpräzise für verschiedene Zebraarten verwendet wurde. Diese taxonomische Verwirrung trug dazu bei, dass spät reagiert wurde, als die Population schon im freien Fall war.

Erst DNA-Analysen klärten das Erbe

Mehr als ein Jahrhundert nach dem letzten Quagga konnten Forscher, dank der gut erhaltenen Haut- und Skelettreste in Museumssammlungen, erstmals DNA aus ausgestorbenen Exemplaren extrahieren. 1984 war das Quagga sogar der erste ausgestorbene Organismus, dessen Erbgut analysiert wurde. Diese Studien zeigten eindeutig: Das Quagga war eng mit dem Steppenzebra verwandt und stellte keine völlig eigene Art dar.

Diese Erkenntnis änderte nicht das Schicksal des echten Quaggas, gab der Wissenschaft aber eine völlig neue Idee: Wenn das Quagga genetisch so eng mit lebenden Zebras verwandt ist, könnten diese Gene im Genpool der heutigen Zebras noch vorhanden sein – und durch gezielte Zucht wieder hervorgebracht werden.

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Das Quagga Project – Rückzüchtung statt wirkliche Wiedergeburt

In den 1980er-Jahren begann der aus Deutschland stammende Zoologe Reinhold Rau, die Idee einer Rückzüchtung in die Tat umzusetzen – also das Zurückzüchten eines Tieres, das dem ausgestorbenen Quagga äußerlich sehr ähnlich sieht. Der Ansatz beruhte auf der Tatsache, dass innerhalb der Populationen des Burchell-Steppenzebras Variationen im Streifenmuster vorkommen, von stärker bis kaum gezeichnet.

1987 wurde offiziell das Quagga Project in Südafrika gestartet. Ausgewählte Zebras mit reduzierten Streifenmerkmalen wurden gezielt miteinander gepaart, in der Hoffnung, dass über Generationen hinweg immer mehr quagga-ähnliche Tiere entstehen. Diese Tiere, oft „Rau-Quaggas“ genannt, sind genetisch immer noch Zebras – aber äußerlich erinnern sie zunehmend an das historische Quagga.

Das Projekt ist kein „Echt-Wiederbeleben“ im Sinne von Klonen oder Gen-Editierung, sondern eine gezielte Zuchtwahl. Tiere mit reduzierten Streifen und bräunlicher Grundfarbe werden bevorzugt verpaart, um die traditionellen Merkmale wieder hervorzuheben. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass ein äußerlich ähnliches Tier nicht unbedingt auch das gleiche ökologische Verhalten oder genetische Profil wie das Original besitzt – es bleibt eine Annäherung, keine echte Wiedergeburt.

Warum die Geschichte des Quaggas heute wichtig ist

Die Geschichte der Quaggas ist mehr als eine kuriose Fußnote der Naturgeschichte. Sie zeigt, wie menschliche Aktivitäten ganze Tierpopulationen auslöschen können, bevor wir überhaupt verstehen, was wir verlieren.

Zugleich ist das Quagga ein Beispiel dafür, wie moderne Wissenschaft – insbesondere die Analyse alter DNA – uns neue Perspektiven eröffnet. Was einst für immer verloren schien, kann auf gewisse Weise wieder sichtbar gemacht werden. Nicht durch bloße Fantasie, sondern durch ein tiefes Verständnis von Genetik, Variation und Evolution.

Was man von solchen Projekten, wie etwa den Vorstößen, Dodos, Mammuts und Schattenwölfe zurückbringen zu wollen, halten mag, sei dahingestellt. Heute gilt das Quagga nicht nur als ein einzigartiges Tier. Es erinnert auch an die Bedeutung des Artenschutzes und an die Chancen und Grenzen der modernen Biologie.

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