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Rote Augen und haarige Füße

Diese winzige Seespinne sieht zum Fürchten aus

Ein Bild der neuen Seespinnenart, Callipallene pilosuspedes
Ein Bild der neuen Seespinnenart Callipallene pilosuspedes. Wirkt unscheinbar, doch unter dem Mikroskop sieht die Seespinne ganz anders aus Foto: Cormac Toler-Scott
Jasmin Reddmann
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

29. Oktober 2026, 17:06 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Mit roten Augen, langen Beinen voller gebogener Stacheln und einem dreilippigen Maul sieht die Callipallene pilosuspedes durchaus zum Fürchten aus. Hinter dem kuriosen Äußeren steckt eine wissenschaftliche Neuentdeckung: Forschende haben die winzige Seespinne zusammen mit einer zweiten neuen Art in der Salish Sea beschrieben – erstmals seit fast einem Jahrhundert.

Eine Seespinne mit „haarigen Füßen“

Schon hinter dem wissenschaftlichen Namen der Callipallene pilosuspedes verbirgt sich, was dieses Meerestier so außergewöhnlich macht. Der Artenname lässt sich sinngemäß mit „haarige Füße“ übersetzen und spielt so auf die langen, gebogenen Stacheln an den unteren Beinabschnitten der Seespinne an. Für Menschen mit Arachnophobie reicht diese Vorstellung schon aus, um sich unwohl zu fühlen. Doch optisch hat die Callipallene pilosuspedes noch ganz andere gruselige Merkmale zu bieten.1

Zu den langen behaarten Beinen gesellen sich auch noch auffällig rot pigmentierte Augen. Noch nicht kurios genug? Die Seespinne hat zudem einen kurzen Rüssel und kräftige Scheren, mit denen sie Nahrung greifen kann. Ihre Mundöffnung besteht dabei aus drei Lippen und ist von feinen Sinnesfortsätzen umgeben. Diese Kombination lässt das Tier unter starker Vergrößerung tatsächlich ein bisschen wie ein Wesen aus einem Science-Fiction-Film wirken. Denn die untersuchte Seespinne ist in Wahrheit winzig klein.

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Sie kann ihre Beine regelrecht putzen

Ein Detail könnte auch Menschen faszinieren, die beim Anblick einer Spinne normalerweise schnell das Weite suchen. Die Callipallene pilosuspedes verfügt über sogenannte Oviger. Diese speziellen Gliedmaßen kann sie um die eigenen Beine legen und sich mithilfe kleiner, kammartiger Stacheln regelrecht sauber bürsten.

Die langen Extremitäten der Seespinnen erfüllen ohnehin erstaunlich viele Aufgaben. Unter anderem liegen Teile der Fortpflanzungsorgane in den Beinen. Außerdem betreiben die Männchen Brutpflege. Das heißt, sie nehmen die Eier auf und tragen sie am Körper.

Trotz ihres Namens keine gewöhnliche Spinne

Seespinnen, wissenschaftlich Pycnogonida genannt, sind ausschließlich im Meer lebende Gliederfüßer. Sie sehen Spinnen zwar verblüffend ähnlich und gehören wie Spinnen und Skorpione zu den Kieferklauenträgern, bilden aber eine eigene, uralte Tiergruppe. Laut University of British Columbia reicht ihre Entwicklungsgeschichte etwa 500 Millionen Jahre zurück.

Und dabei ist Seespinne nicht gleich Seespinne! Vertreter dieser Gruppe können weniger als einen Zentimeter messen, während antarktische Arten gewaltige Spannweiten erreichen. Einige kleine Arten leben als Parasiten auf größeren wirbellosen Meerestieren und nehmen Nahrung mithilfe ihres Rüssels auf.

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Noch eine neue Seespinnenart entdeckt

Callipallene pilosuspedes war nicht der einzige Neufund. Das Forscherteam beschrieb außerdem Tanystylum kiixin. Von dieser Art fanden die Forschenden ganze Populationen. Auf dieser Art saßen häufig winzige Parasiten. Wissenschaftler Cormac Toler-Scott bezeichnete das treffend als ein „Ökosystem innerhalb eines Ökosystems innerhalb eines Ökosystems“.

Warum die gruseligen Winzlinge für die Forschung wichtig sind

Hinter den spektakulären Bildern steckt ein ernstes Forschungsproblem: Über die Vielfalt der Seespinnen vor der nordamerikanischen Pazifikküste ist noch vergleichsweise wenig bekannt. Ohne zu wissen, welche Arten überhaupt in einem Lebensraum vorkommen, lässt sich auch schwer beurteilen, wie Klimawandel und menschliche Eingriffe sie beeinflussen.

Also gruselig? Unter dem Mikroskop auf jeden Fall! Vor allem aber zeigen die rotäugigen Winzlinge, wie viel selbst in vergleichsweise gut erreichbaren Küstengewässern noch unentdeckt sein kann.

Quellen

  1. Toler-Scott, C., Park, E., Gordon, H., & Leander, B. S. (2026). Sea spiders of the Salish Sea: Comparative morphology and molecular phylogenetic analysis of seven coastal species (Arthropoda, Pycnogonida). Organisms Diversity & Evolution. https://doi.org/10.1007/s13127-026-00707-3 ↩︎

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