7. Mai 2026, 13:22 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Was für den Rasen praktisch ist, kann für Igel tödlich enden. Mähroboter stellen eine unterschätzte Gefahr für die kleinen Wildtiere dar. Besonders nachts, wenn Igel auf Nahrungssuche gehen, begegnen sie den Geräten häufig schutzlos. Statt zu fliehen, rollen sie sich bei Gefahr instinktiv ein. Ein Verhalten, das sie zwar vor natürlichen Feinden schützt, aber nicht vor den rotierenden Klingen der Roboter. Auffangstationen berichten immer wieder von verletzten Tieren, die schwere Schnittwunden erleiden. PETBOOK sprach mit Carina Draken von der Notfallstation Casa die Riccio – Haus der Igel e.V. über die dramatischen Folgen.
Achtung Triggerwarnung! Der Artikel enthält Bilder von verletzten und verstümmelten Igeln.
Warum Mähroboter für Igel so gefährlich sind
Mähroboter arbeiten autonom, oft über Stunden hinweg – auch dann, wenn niemand im Garten ist. Für kleine Wildtiere wie Igel wird genau das zum Problem. Obwohl sie klein sind und langsam über den Rasen tuckern, erkennen die Geräte nicht alle Hindernisse zuverlässig. Besonders kleine Tiere, die sich meist tief im Gras klein machen und einrollen, werden von den Mähern übersehen.1
„Oft erwecken die Mähroboter den Eindruck, sie könnten Igel erkennen oder es wird sogar Werbung dafür gemacht. In einer Studie des Leibnitz-Instituts in Berlin wurde aber herausgefunden, dass es keinen Mähroboter gibt, der Igel erkennt“, sagt Carina Draken von der Notfallstation Casa die Riccio – Haus der Igel e.V. zu PETBOOK.
Dadurch kann der Mähroboter einen Igel anfahren oder teilweise überrollen. Die rotierenden Klingen an der Unterseite des Geräts fügen dem Wildtier dabei schwere Schnittverletzungen etwa an Rücken, Kopf, Schnauze oder Beinen zu.
Dass diese Gefahr real ist, zeigt sich auch in der Arbeit von Carina Draken: „Am häufigsten haben wir mit Mähroboter- und Kantenschneiderverletzungen zu tun“, erklärt sie.
Igel fliehen bei Gefahr nicht
Igel sind keine klassischen Fluchttiere. Wenn sie Gefahr wahrnehmen, rennen sie meist nicht weg, sondern rollen sich zusammen und stellen ihre Stacheln auf. Gegen Füchse, Hunde oder andere natürliche Feinde kann dieses Verhalten schützen. Gegenüber technischen Geräten haben sie so aber keine Chance. Bei Mährobotern wird genau dieser Instinkt jedoch zum Problem. Der Igel bleibt liegen, macht sich klein und wartet ab, während sich das Gerät immer weiter nähert.
Täglich mindestens ein verletzter Igel
Wie groß das Problem ist, zeigt die Praxis. „Dieses Jahr haben wir bereits 32 Igel mit Schnittverletzungen durch Mähroboter und Kantenschneider, durchgängig seit dem 1. Januar 2026. Jetzt wo die Gartensaison startet, sind es täglich mindestens einer“, berichtet die Expertin. Auf dem Instagram-Profil von Haus der Igel e. V. gibt Carina Draken regelmäßig Einblicke in die Fälle und zeigt, wie häufig und schwer die Verletzungen tatsächlich sind. Allein in ihrer Nothilfestation mussten bis Anfang Mai 2026 insgesamt über 190 Igel versorgt werden.
Die Verletzungen sind oft schwer und für die Tiere mit großem Leid verbunden. „Schnittverletzungen in Rücken, Stirn und Extremitäten gehören zum Alltag. Abgetrennte Gliedmaßen sehen wir auch immer wieder“, sagt Draken. Die scharfen Klingen der Geräte treffen die Tiere meist ungeschützt und können tiefe Wunden hinterlassen, die ohne schnelle Hilfe lebensbedrohlich werden. Häufig entzünden sich die Verletzungen, etwa wenn Fliegen ihre Eier darin ablegen.2
Besonders eindrücklich sei für Draken ein Fall gewesen: „Schlimm in Erinnerung geblieben ist mir ein Fall aus dem letzten Jahr, in dem einem Igelbaby die Nase abgetrennt wurde.“ Solche Verletzungen bedeuten für die Tiere nicht nur akute Schmerzen, sondern oft auch, dass sie bei der Nahrungssuche oder Orientierung dauerhaft beeinträchtigt sind.
Ob ein Tier einen solchen Unfall überlebt, hängt stark von seinem Zustand ab. „Die Überlebenschance ist bei Igeln, die vorher in einem guten Allgemeinzustand waren, gut. Die Wunden heilen in der Regel gut. Oft müssen sie genäht werden, auch dann heilen die gut. Da die Igel aber meist vorher schon durch Hunger und Durst geschwächt sind, liegt die Chance bei 50 Prozent.“
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Ein häufiger Fehler ist der Einsatz von Mährobotern zu den falschen Tageszeiten. Am Abend, in der Dämmerung oder nachts sind Igel besonders aktiv und auf Futtersuche im Garten unterwegs. Viele Gartenbesitzer lassen ihre Geräte gerade dann laufen und erhöhen damit unbewusst das Risiko für die Tiere.3
Doch auch tagsüber ist die Gefahr nicht gebannt. „Niemals Mähroboter unbeaufsichtigt fahren lassen, auch nicht tagsüber, da sind die schwachen und hungrigen Igel und die Mamas mit Babys unterwegs“, warnt Carina Draken.
Neben Mährobotern sind auch Rasentrimmer, Kantenschneider oder andere Geräte eine Gefahr. Sie werden häufig in Bereichen eingesetzt, die schwer einsehbar sind, etwa unter Hecken, in Büschen oder an Beeträndern. Genau dort ziehen sich Igel tagsüber zurück. Doch da hört es nicht auf: „Neu dazu gekommen ist die hohe Anzahl an Igel, die durch Mäuse- und Rattenfallen verletzt werden.“
So können Sie Igel im Garten schützen
Um Igel zu schützen, kommt es vor allem auf Aufmerksamkeit und eine naturnahe Gartengestaltung an. „Ein igelfreundlicher Umgang ist nur unter dauerhafter Beobachtung möglich. Man muss in der Nähe sein, um den Roboter schnell stoppen zu können. Am besten direkt selber mähen“, sagt Draken.
Darüber hinaus empfiehlt sie, den Garten bewusst naturnah zu gestalten: „Wilde Ecken im Garten anlegen, damit auch Insekten und Käfer eine Chance haben, die dann wieder Nahrung von Igel sind“. Weiter erklärt die Expertin, dass Versteckmöglichkeiten Igel geschaffen werden können. „Benjeshecken zum Beispiel sind Wohnung und Buffett in einem“, so Draken.
Wer einen verletzten Igel findet, sollte schnell handeln. „Den Igel zuerst in einer Box sichern. Dazu das Tier mit Handschuhen oder einem alten Handtuch anfassen. Die Box aus der Sonne nehmen und vor Fliegen schützen. Dann Hilfe suchen bei einer Wildtier- oder Igelstation in der Nähe.“ Wichtig sei außerdem, dem Tier nur Wasser anzubieten. Milch ist hingegen nicht geeignet, da Igel laktoseintolerant sind.