Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Insekten Alle Themen
Beliebte Insekten

Warum kann ich keinen Hummelhonig kaufen?

Hummel sammelt an Lavendelblüte
Auch Hummeln sammeln Nektar und lagern ihn als Honig ein – kaufen kann man ihn trotzdem nicht und das hat einen Grund Foto: Getty Images
Artikel teilen
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

16. März 2026, 16:27 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Hummeln sind durch ihren großen, plüschigen Körper unter den Insekten besonders beliebt. Viele beobachten die Tiere im Garten fleißig an den Blüten, und manch einer fragt sich dann vielleicht: Warum gibt es eigentlich keinen Hummelhonig? PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider imkert seit über 15 Jahren und weiß: Auch Hummeln machen Honig. Außerdem erklärt sie, warum man ihn trotzdem nicht kaufen kann.

Was ist Honig überhaupt?

Honig ist laut offizieller Definition ein natursüßer Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird. Streng genommen produzieren also nur Honigbienen Honig. Er dient dem Bienenvolk als Vorrat – vor allem im Winter. Dabei handelt es sich um weit mehr als nur „eingedickten Nektar“. Honig ist das Ergebnis eines erstaunlich komplexen Prozesses, an dem ein ganzes Bienenvolk beteiligt ist.

Die Grundlage bilden vor allem zwei zuckerhaltige Quellen aus der Natur: Blütennektar und Honigtau. Nektar ist der süße Pflanzensaft, mit dem Blüten Bestäuber anlocken. Honigtau dagegen entsteht, wenn pflanzensaugende Insekten – etwa Blattläuse – überschüssigen Zucker wieder ausscheiden.

Sammelbienen nehmen diese süßen Flüssigkeiten auf und transportieren sie in ihrer sogenannten Honigblase zurück in den Stock. Dort beginnt dann die eigentliche „Honigproduktion“. Die Arbeiterinnen geben den Nektar untereinander weiter, reichern ihn mit Enzymen an und entziehen ihm Wasser. Das Ergebnis ist ein haltbares Lebensmittel, das hauptsächlich aus Fruktose und Glukose besteht, aber auch Enzyme, Säuren, Mineralstoffe und Aromastoffe enthält.1,2,3

Machen auch Hummeln Honig?

Auch Hummeln sammeln Nektar und wandeln diesen – ähnlich wie Honigbienen – im Volk zu Honig um. Während Honigbienen ihre Vorräte in Tausenden von Wabenzellen lagern und im Jahr im Schnitt 40 Kilogramm produzieren, läuft das bei den Hummeln sehr viel überschaubarer ab.

Sie lagern die süße Flüssigkeit in kleinen Honigtöpfchen, die aus Wachs gebaut oder aus alten Brutzellen umfunktioniert werden. Der Unterschied liegt vor allem in der Lebensweise. Hummelvölker sind viel kleiner als Bienenstaaten und bestehen meist nur aus 50 bis 500 Tieren. Außerdem überlebt nur die junge Hummelkönigin den Winter – alle anderen Tiere sterben im Herbst.4,5

Kann man Hummelhonig essen?

Theoretisch ja. Und wer sich jetzt fragt, wonach Hummelhonig schmeckt, dem kann ich nur sagen: vor allem süß. Ähnlich wie bei Bienenhonig ergeben sich die Geschmacksnuancen vor allem aus dem Nektar der Pflanzen, von denen die Hummeln sammeln. Allerdings wird man hier keine „Sorten“ herausschmecken wie beim Bienenhonig.

Das liegt zum einen daran, dass Hummeln nicht blütenstet sind wie Bienen. Wenn Honigbienen eine gute Nektarquelle entdeckt haben, werben sie aktiv dafür im Volk mit einem Tanz. Wenn es sich lohnt, legen sie dafür auch mal weitere Strecken zurück.

Hummeln zeigen dies nicht in dem Ausmaß und haben auch viel weniger Individuen. So landet oft Nektar von verschiedenen Pflanzen zusammen in einem Topf. Es kann aber durchaus Geschmacksunterschiede geben– je nach Jahreszeit. Denn im Frühjahr blühen andere Pflanzen als im Sommer.

Warum es keinen Hummelhonig zu kaufen gibt

Während Honigbienenvölker bis zu mehrere Zehntausend Individuen umfassen, besteht ein Hummelvolk nur aus ein paar Hundert. Darum brauchen Hummeln keine großen Vorräte. Der von ihnen produzierte „Hummelhonig“ wird meist schnell verbraucht, vor allem zur Versorgung der Larven. Für uns Menschen bleibt davon praktisch nichts übrig. 6

Was wäre nun aber, wenn man Hummeln wie Honigbienen auf Leistung züchten würde? Auch dann würde sich der Verkauf nicht lohnen. Denn allein die Ernte des Honigs wäre extrem umständlich. Honigbienenvölker sind groß genug, dass Imker hier steuern können, wo der Honig eingelagert wird. Sie entnehmen dann einfach die vollen Waben und ernten diese nacheinander ab.

Ein Hummelnest ist viel kleiner und Honigtöpfe sitzen zwischen Brutzellen. Man müsste also jedes kleine Töpfchen einzeln öffnen und den Honig heraussaugen. Die Hummeln müsste man dafür entweder aus dem Volk verbannen oder mit heftiger Gegenwehr rechnen. Zudem würde man das Volk dafür vermutlich zerstören. Die Ernte wäre also sehr wahrscheinlich mit Tierleid verbunden.

Hummelhonig wäre wohl unbezahlbar

Dazu kommt, dass Hummelvölker nicht überwintern. Man müsste also jedes Jahr neu investieren und die Völker aufbauen. Und dann wäre fraglich, ob überhaupt eine nennenswerte Menge an Honig pro Volk zusammenkommt. Bei Honigbienen kann man von durchschnittlich 20 bis 40 Kilogramm pro Volk ausgehen. Für Hummeln gibt es hierzu keine Angaben, geschätzt wären es aber wahrscheinlich nicht einmal 100 Gramm.

Das bedeutet also: Selbst wenn jemand ehrgeizig genug wäre, Hummelvölker auf Honigertrag zu züchten und alle Strapazen der Ernte auf sich zu nehmen: Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis und Hummelhonig würde wahrscheinlich unbezahlbar sein. Zudem dürfte man ihn – laut der Definition – rechtlich nicht einmal Honig nennen. Denn dieser Begriff bleibt nur für das Erzeugnis der Honigbiene reserviert.

Mehr zum Thema

Diese Bienen machen Honig

Neben Hummeln gibt es aber noch andere Bienenarten, die Honig machen – und deren Honig man sogar in manchen Ländern kaufen kann. Hier ein kleiner Überblick: 7

Riesenhonigbiene (Apis dorsata)

Diese Art aus Süd- und Südostasien ist etwa so groß wie eine Hornisse. Ihre Völker können bis zu 100.000 Tiere umfassen. Statt geschlossener Nester bauen sie riesige offene Waben an Bäumen, die über einen Meter groß werden können. Mehrere Völker können denselben Baum besiedeln – sogenannte „Bienenbäume“. Wird das Nest bedroht, verteidigen die Bienen es äußerst aggressiv.

Kliffhonigbiene (Apis laboriosa)

Noch spektakulärer lebt die größte Honigbiene der Welt. Sie baut ihre Waben an steilen Felsklippen im Himalaya, oft in mehreren tausend Metern Höhe. Der Honig dieser Art ist berühmt – und manchmal sogar berauschend: Wenn die Bienen Nektar bestimmter Rhododendronarten sammeln, kann der Honig halluzinogene Stoffe enthalten. In Nepal wird er deshalb traditionell in riskanten Kletteraktionen geerntet.

Zwerghonigbiene (Apis florea)

Das Gegenteil zu diesen Giganten ist die nur etwa elf Millimeter große Zwerghonigbiene. Sie baut eine einzige kleine Wabe, meist an einem Ast. Ein Großteil des Volkes bildet dabei eine Art lebendigen Schutzmantel um das Nest. Trotz ihrer geringen Größe leben in einem Volk bis zu 20.000 Tiere.

Stachellose Bienen (Meliponini)

Auch viele tropische Bienen ohne Stachel produzieren Honig. Diese Arten leben vor allem in Südamerika, Afrika und Südostasien. Ihr Honig ist meist flüssiger und aromatischer als der unserer Honigbiene, da er mehr Wasser enthält und oft in Waben aus Wachs und Pflanzenharz gelagert wird. In manchen Regionen wird dieser Honig traditionell gesammelt und sogar medizinisch genutzt. 8,9

Fazit: Hummelhonig ist für Hummeln

All das zeigt: Honig ist kein exklusives Produkt unserer heimischen Honigbiene. Verschiedene Bienenarten haben im Laufe der Evolution gelernt, Nektar haltbar zu machen und als Energiequelle zu speichern.

Honig ist also viel mehr als ein Lebensmittel. Für die Bienen selbst ist er Überlebensstrategie – und der Treibstoff für einige der wichtigsten Bestäuber unserer Erde. Aber was Hummeln anbelangt: ausschließlich für die Tiere gedacht.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin

Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin und beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit unter anderem mit dem Verhalten von Honigbienen. Seit über 15 Jahren hält sie eigene Bienenvölker im Botanischen Garten Berlin.

Quellen

  1. deutscherimkerbund.de, „Honiggewinnung“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  2. lgl.bayern.de, „Honige, Imkereierzeugnisse und Brotaufstriche“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  3. die-honigmacher.de, „Honig und Bienen“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  4. biologiedidaktik.uni-mainz.de, „Machen Hummeln Honig?“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  5. bund.net, „Hummeln – Die pelzigen Bestäuber im Überblick“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  6. plantura.garden, „Hummelhonig: Machen Hummeln Honig?“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  7. nearbees.de, „Bienenarten im Überblick - Verbreitung, Aussehen und Eigenschaften“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  8. spektrum.de, „Stachellose Bienen“ (aufgerufen am 16.03.2026) ↩︎
  9. biowisskomm.de, „Stachellose Bienen“ ((aufgerufen am 16.03.2026)) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.