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Infektionen in Deutschland gestiegen

So gefährlich ist der Fuchsbandwurm für Hund und Mensch

Laut einer Studie steigen die Fuchsbandwurm-Fallzahlen in Europa
Laut einer Studie steigen die Fuchsbandwurm-Fallzahlen in Europa Foto: Getty Images & picture-alliance / dpa | Frank Mächler
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

12. August 2025, 18:57 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Laut einer neuen Studie steigen in Europa die Fuchsbandwurm-Infektionen an. Konkret geht es um eine gefährliche Infektion, die über Jahre unbemerkt verlaufen kann und unbehandelt für Menschen fast immer tödlich endet. Zwar sind die Zahlen noch verhältnismäßig niedrig, allerdings ist der Trend besorgniserregend. Doch was bedeutet das konkret für Hunde?

Infektion mit Fuchsbandwurm kann tödlich sein

Neue Daten zeigen: Die Zahl der Fuchsbandwurm-Infektionen beim Menschen steigt – vor allem in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz.1 Der Fuchsbandwurm – medizinisch Echinococcus multilocularis – ist ein gefährlicher Parasit, der zwar selten, aber für Menschen sehr bedrohlich sein kann.

Die Infektion erfolgt über die Ausscheidungen infizierter Füchse. Mit deren Kot gelangen winzige, mit bloßem Auge kaum sichtbare Eier des Fuchsbandwurms in die Umwelt – auf Gräser, Erde, Pilze oder Beeren. Wer etwa ungewaschene Waldfrüchte isst oder kontaminierte Flächen berührt und sich danach an den Mund fasst, kann die Eier aufnehmen. Diese gelangen in den Körper, nisten sich bevorzugt in der Leber ein und entwickeln dort tumorartig wachsendes Larvengewebe, das sich auch auf andere Organe ausbreiten kann.

„Erst nach zehn bis fünfzehn Jahren treten erste Symptome auf“

„Der Mensch infiziert sich meist unbemerkt“, erklärt Veterinärin Dr. Vanessa Herder im Gespräch mit PETBOOK. „Erst nach zehn bis fünfzehn Jahren treten erste Symptome auf – dann ist die Krankheit oft schon weit fortgeschritten und kann unbehandelt tödlich sein.“

Anders als viele andere Parasiten wächst er nicht in einer Kapsel, sondern infiltriert das Gewebe – vergleichbar mit einem bösartigen Tumor. „Eine Operation ist dadurch oft schwierig“, so Dr. Herder. Leider wird die Erkrankung oft erst erkannt, wenn der Schaden bereits erheblich ist. Von Mensch zu Mensch kann sie nicht übertragen werden.

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Auch Hunde können sich infizieren

Doch warum nehmen die Fuchsbandwurm-Fälle gerade jetzt in Europa zu? Die Wissenschaftler der Studie nehmen an, dass es einen Zusammenhang mit der wachsenden Fuchspopulation sowie dem engeren Kontakt zwischen Wildtieren, Haustieren und Menschen gibt, etwa bei Ausflügen in die Natur. Zudem siedeln sich Füchse vermehrt in Siedlungen und Städten an und breiten sich weiter aus. „Ein weiterer Grund dafür war die Impfung der Füchse gegen Tollwut“, sagt Dr. Herder. Da weniger Füchse an Tollwut sterben, können mehr von ihnen den Bandwurm übertragen.

Auch Hunde können sich infizieren. Zwar zeigen Studien, dass nur weniger als ein Prozent der getesteten Hunde in Deutschland betroffen sind, doch die tatsächliche Zahl dürfte laut Dr. Vanessa Herder höher liegen. Besonders betroffen sind Jagdhunde – also Hunde, die direkten Kontakt zu Wildtieren wie Füchsen haben. „Stadthunde ohne Wildtierkontakt haben hingegen nur ein sehr geringes Risiko“, erklärt sie.

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Infizierte Hunde können den Erreger an den Menschen weitergeben

Die Infektion verläuft bei Hunden in den meisten Fällen unauffällig. Sie zeigen in der Regel keine Symptome – viele Halter merken daher gar nicht, dass ihr Tier infiziert ist. In sehr seltenen Fällen, etwa wenn Hunde selbst als Zwischenwirt fungieren und die Larvenstadien sich im Körper entwickeln, kann es zu organischen Veränderungen kommen, zum Beispiel an der Leber. „Das kommt aber extrem selten vor“, so die Veterinärin. In der Praxis bleibe die Infektion meist symptomlos und werde nur durch gezielte Kotuntersuchungen oder serologische Tests beim Tierarzt festgestellt.

Was viele nicht wissen: Infizierte Hunde können den Erreger wieder an den Menschen weitergeben – über den Kot oder sogar über schmutziges Fell. Das ist besonders riskant, wenn der Hund sich in Waldgebieten wälzt, wo auch Füchse unterwegs sind.

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Hände waschen kann Leben retten

Umso wichtiger ist es, als Tierhalter richtig vorzusorgen. Daher hat Dr. Herder klare Empfehlungen: „Hygiene, Hygiene, Hygiene.“ Regelmäßige Wurmkuren sind Pflicht – besonders für Hunde, die oft draußen unterwegs sind. Nach dem Spaziergang im Wald sollten auch Hund und Zubehör wie Leine oder Spielzeug gründlich gereinigt werden.

Und natürlich gilt: Hände waschen nicht vergessen – vor allem nach dem Kontakt mit dem Tier oder nach dem Gassigehen. Halter sollten zudem darauf achten, dass ihre Vierbeiner keine Mäuse fangen oder andere Wildtiere jagen.

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Doch was genau bedeutet das in Zahlen und in welchen Regionen besteht ein besonders großes Risiko einer Infektion? Laut der aktuellen Studie gelten der Alpenraum und das Baltikum als Risikogebiete für den Fuchsbandwurm. Zwischen 1997 und 2023 wurden europaweit 4207 Fälle der sogenannten alveolären Echinokokkose dokumentiert.

In diesen Regionen ist das Fuchsbandwurm-Risiko besonders groß

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) tragen 26 bis 32 Prozent der in Deutschland lebenden Füchse den Erreger in sich. Diese Verteilung sei aber nicht überall gleich: So gebe es innerhalb von Deutschlands sogenannte Hochendemiegebiete, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg. Dazu gehören zum Beispiel die Schwäbische Alb, das Allgäu und Oberschwaben. Laut der Studie sei das Erfassen der Zahlen aber gar nicht so einfach, da in vielen Ländern Fuchsbandwurmfälle nicht erkannt oder gemeldet werden.2

Da es keine zentrale Erfassung für infizierte Haustiere gibt, bleiben auch hier viele Fälle unbemerkt. Auch deshalb gehen Fachleute davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Besonders in Regionen mit hoher Fuchsdichte und häufigerem Wildtierkontakt kann das Risiko entsprechend unterschätzt werden.

Quellen

  1. tagesschau.de“, „Immer mehr Fuchsbandwurm-Infektionen“, (aufgerufen am 12.08.2025) ↩︎
  2. apotheken-umschau.de“, „Der Fuchsbandwurm breitet sich aus: Was Sie darüber wissen sollten“, (aufgerufen am 12.08.2025) ↩︎

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