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6 Menschen mit nur einem Biss

Diese Schlange hat die längsten Giftzähne der Welt

Die Gabunviper hat die längsten Giftzähne unter den Schlangen. Sie befinden sich versteckt in den Hauttaschen am Oberkiefer
Die Gabunviper hat die längsten Giftzähne unter den Schlangen. Sie befinden sich versteckt in den Hauttaschen am Oberkiefer Foto: Getty Images
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Ninja Sinke Autorin

2. Juli 2026, 16:11 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Gabunviper hält einen außergewöhnlichen Rekord: Keine andere Schlange der Welt besitzt längere Giftzähne. Mit ihnen injiziert sie enorme Mengen an Gift. Theoretisch würde die bei einem einzigen Biss abgegebene Giftmenge ausreichen, um bis zu sechs Menschen tödlich zu vergiften. Doch nicht nur ihr beeindruckendes Gebiss macht die Giftschlange so außergewöhnlich. Sie gehört auch zu den schwersten Vipern der Welt, ist perfekt getarnt und verfügt über ein ungewöhnliches Jagdverhalten. PETBOOK stellt die faszinierendsten Eigenschaften der Gabunviper vor.

Die Gabunviper ist im Laub perfekt getarnt

Die Gabunviper gilt als Meisterin der Tarnung. Zwischen Laub und Waldboden ist sie dank ihrer außergewöhnlichen Färbung kaum zu erkennen. Das führt häufig zu dem Eindruck, die Giftschlange sei selten. Tatsächlich lebt sie jedoch in den Regenwäldern und Savannen der afrikanischen Subsahara und kann dort vielerorts angetroffen werden – vorausgesetzt, man entdeckt sie überhaupt.

Von der Gabunviper gibt es zwei Unterarten: die Östliche Gabunviper (Bitis gabonica), die in weiten Teilen Zentral-, Ost- und Südafrikas vorkommt, sowie die Westliche Gabunviper (Bitis rhinozeros), die im südlichen Westafrika lebt. Letztere lässt sich vor allem an ihren auffälligen, hornartigen Nasenschuppen erkennen.

Zu ihrer perfekten Tarnung trägt auch die Körperform bei: Kopf und Körper erinnern an ein abgefallenes Blatt. Dazu kommt ein mosaikartiges Muster aus hell- und dunkelbraunen, rosafarbenen und violetten Flächen mit Rauten und Streifen. Der cremeweiße Kopf macht die Gabunviper zu einer der auffälligsten und zugleich am besten getarnten Schlangen Afrikas.

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Eine Schlange der Extreme

Die Gabunviper gehört in mehrfacher Hinsicht zu den Rekordhaltern unter den Schlangen. Ausgewachsene Tiere werden meist bis zu 1,55 Meter lang, in Ausnahmefällen sogar mehr als zwei Meter. Mit einem Gewicht von bis zu elf Kilogramm zählt sie außerdem zu den schwersten Giftschlangen der Welt. Ihren außergewöhnlichsten Rekord halten jedoch ihre Giftzähne: Mit einer Länge von bis zu 5,5 Zentimetern sind das die längsten aller Schlangen.

Beim Angriff schnellt der Vorderkörper der Gabunviper mit großer Wucht nach vorn. Dabei kann sie ihre Beute aus verschiedenen Winkeln präzise treffen. Zwar zählt sie nicht zu den schnellsten Schlangen, doch mit einer Bissgeschwindigkeit von zwei bis sechs Metern pro Sekunde hat ihre Beute meist keine Chance zu entkommen. Selbst wenn der erste Angriff daneben geht, kann die Schlange blitzschnell nachsetzen.

Diese Aufnahme eines Schädels verdeutlicht die Länge der Giftzähne der Gabunviper. Diese liegen, wie bei anderen Giftschlangen, in Hauttaschen am Gaumen und werden zum Biss herausgeklappt. Herausgerissene oder stumpf gewordene Zähne werden ersetzt, denn neue Zähne bilden sich in der Schleimhaut vor
Diese Aufnahme eines Schädels verdeutlicht die Länge der Giftzähne der Gabunviper. Diese liegen, wie bei anderen Giftschlangen, in Hauttaschen am Gaumen und werden zum Biss herausgeklappt. Herausgerissene oder stumpf gewordene Zähne werden ersetzt, denn neue Zähne bilden sich in der Schleimhaut vor Foto: Getty Images
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Länge der Giftzähne ermöglicht spezielles Jagdverhalten

Das Gift geht ihren Reißzähnen buchstäblich nie aus, denn die Gabunviper produziert die zweitgrößte Menge an Gift unter allen Schlangen. Diese Menge macht ihr Gift so tödlich, denn im Vergleich zum Gewicht anderer Schlangen ist seine Toxizität eher gering. Warum aber diese große Menge an freigegebenem Gift? Das hat mit dem Jagdverhalten dieser Schlangenart zu tun.

Das Jagdverhalten der Gabunviper unterscheidet sich von anderen Vipernarten. Denn die meisten Giftschlangen beißen in ihre Beute, lassen von ihr ab und warten dann, bis sie schwächer wird aufgrund der Wirkung des Gifts. Die Gabunviper dagegen schlägt ihre Giftzähne in ihre Beute und hält diese damit so lange fest, bis sie sich nicht mehr bewegt und stirbt. Erleichtert wird dieses spezielle Jagdverhalten durch die extrem langen Zähne der Schlange. Denn ihr Gift kann so in tiefer liegendes Gewebe vordringen, wo die Blutzirkulation stärker ist. Auch das vergleichsweise lange Festhalten der Beute unterstützt, dass eine größere Menge Gift abgegeben wird.

Dieses Verhalten hat auch damit zu tun, dass die Schlange aufgrund ihrer Größe vergleichsweise viel Nahrung benötigt. Neben einer Vielzahl von Vögeln, Säugetieren und Amphibien stehen auf ihrem Speiseplan auch größere Tiere wie Kaninchen und Stachelschweine. Die Gabunviper erlegt mit ihrem Gift gelegentlich sogar Baumaffen und Antilopen, um ihren Hunger zu stillen. In der Vergangenheit kam es zudem vor, dass auch Rinder häufig gebissen wurden und verendeten – hier vermuten Forscher jedoch eher die Verteidigung der Schlange als einen Angriff auf Beute.

Einziger Biss einer Gabunviper würde sechs Menschen töten

Bei einem einzigen Biss injiziert die Gabunviper fünf bis sieben Milliliter (450 bis 600 Milligramm Trockenmasse) Gift in ihre Beute. Die maximal gemeldete nasse Giftmenge betrug ganze 9,7 Milliliter, die 2400 Milligramm trockenes Gift enthielt. Wie stark die Wirkung dieses Schlangengiftes auf Menschen wirkt, bewerten Experten auf Grundlage der Empfindlichkeit von Affen gegenüber der Toxizität. Demzufolge wären 90 bis 100 Milligramm Trockengift für einen Menschen tödlich. Daher würde das bei einem einzigen Biss der Gabunviper freigesetzte Gift für sechs Menschen ausreichen. 

Es kommt glücklicherweise jedoch nur selten vor, dass Menschen gebissen werden. Denn diese Giftschlange ist Menschen gegenüber in der Regel nicht aggressiv, und ihr Lebensraum beschränkt sich auf Regionen abseits dicht besiedelter Gebiete. Oft bewegen sich Gabunvipern sogar bei einem Zusammentreffen mit einem Menschen meist nicht, sondern vertrauen auf ihre Tarnung. Zu Angriffen kommt es daher eher, wenn Menschen versehentlich auf die Schlangen treten. In diesem Fall ist eine schnellstmögliche ärztliche Behandlung notwendig, um Folgeschäden oder den Tod zu vermeiden.

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