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Diese Falkenarten gibt es in Deutschland und so erkennt man sie

Turmfalke im Flug
In Deutschland leben drei Falkenarten – der Turmfalke ist die häufigste und lebt sogar in Großstädten. Foto: Getty Images
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11. Februar 2026, 6:12 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Sie jagen mit hoher Geschwindigkeit, leben teils mitten in Städten – und sind streng genommen keine Greifvögel. In Deutschland sind verschiedene Falkenarten heimisch, vom Turmfalken bis hin zum kaum bekannten Rotfußfalken. Doch woran erkennt man sie – und was unterscheidet sie biologisch von echten Greifvögeln? PETBOOK hat mit Ferdinand Baer, Falkner und fachlicher Leiter der LBV-Vogelstation in Regenstauf, beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), über die Besonderheiten dieser faszinierenden Tiere gesprochen.

Welche Falkenarten in Deutschland vorkommen

Drei Falkenarten sind in Deutschland regelmäßig als Brutvögel anzutreffen. Darüber hinaus lassen sich zwei weitere Arten beobachten, allerdings nur als Zug- oder Wintergäste.

Turmfalke (Falco tinnunculus): Deutschlands häufigster Falke

Der Turmfalke ist der am weitesten verbreitete Vertreter seiner Familie und hat sich hervorragend an das Leben in der Nähe des Menschen angepasst. Er besiedelt sowohl städtische als auch ländliche Räume. Besonders markant ist sein sogenannter „Rüttelflug“, bei dem er regungslos in der Luft zu stehen scheint, während er nach Beute sucht.

„Der Turmfalke ist als absoluter Kulturfolger und Mäusejäger der häufigste Falke in Deutschland“, erklärt LBV-Experte Ferdinand Baer. Typisch sind sein rostbraunes Gefieder, die feine Strichelung auf der Brust und die Querbänderung bei Weibchen und Jungvögeln. Männchen sind anhand von herzförmigen Tropfen auf dem Rücken erkennbar.

Turmfalke sitzt auf Ast
Der Turmfalke gilt als Kulturfolger. Man kann ihn daher auch in der Stadt beobachten. Foto: Getty Images

Baumfalke (Falco subbuteo): unauffälliger Sommergast

Baumfalke im Flug
Der Baumfalke ist deutlich seltener zu sehen. Man erkennt ihn an seinen Bartstreifen, seitlich am Kopf. Foto: Getty Images

Deutlich seltener ist der Baumfalke. In Deutschland brüten laut LBV rund 6000 Brutpaare. Er ist nur von April bis September hierzulande zu sehen, da er als Langstreckenzieher überwintert.

Der Baumfalke jagt vor allem Insekten und kleinere Vögel im Flug. Sein Erscheinungsbild erinnert an den Wanderfalken: dunkler Kopf, auffällige Bartstreifen und ein dunkelgrauer Rücken. Aufgrund rückläufiger Bestände steht er in Deutschland auf der Vorwarnliste (Rote Liste Kategorie 3).

Wanderfalke (Falco peregrinus): Rekordhalter der Lüfte

Wanderfalke auf Ast
Damals fast verschwunden, heute wieder häufig anzutreffen – auch in Städten: der Wanderfalke Foto: Getty Images

Der Wanderfalke ist ganzjährig in Deutschland anzutreffen. Mit rund 1.500 Brutpaaren ist er deutlich seltener als der Turmfalke. „Der Wanderfalke hat sich nach dem Zusammenbruch seiner Population in den 1960er-Jahren aufgrund des Pestizids DDT wieder gut erholt“, sagt Baer. Heute brütet er nicht mehr nur an Felswänden, sondern auch an städtischen Bauwerken wie Kirchtürmen oder Hochhäusern.

Merlin (Falco columbarius) und Rotfußfalke (Falco vespertinus) – nur auf Durchreise

Merlin sitzt auf Ast
Der Merlin ist ein häufiger Wintergast in Deutschland und wird wegen seiner geringen Größe oft nicht gleich als Falke erkannt. Foto: Getty Images

Neben den typischen Brutvögeln tauchen zwei weitere Falkenarten in Deutschland als Gäste auf:

  • Merlin: ein Wintergast aus Skandinavien, der zwischen Oktober und April in verschiedenen Regionen Deutschlands beobachtet werden kann.
  • Rotfußfalke: vor allem während des Frühjahrs- und Herbstzugs anzutreffen, gelegentlich in größeren Gruppen. In Europa gilt er als gefährdet und wird hierzulande nur selten gesichtet.
Rotfußfalke (Falco vespertinus) auf Ast
Der Rotfußfalke fällt durch seine rostrote Befiederung der roten Beine besonders auf. Allerdings bekommt man diese Falkenart in Deutschland nur selten zu Gesicht. Foto: Getty Images

So erkennt man Falken im Feld

Falken lassen sich anhand mehrerer Merkmale von anderen Vögeln unterscheiden, sowohl im Sitzen als auch im Flug.

Turm- und Baumfalke sind etwa so groß wie eine Taube und wiegen rund 200 Gramm. Der Wanderfalke hingegen ist deutlich größer: Männchen bringen etwa 600 Gramm auf die Waage, Weibchen in Mitteleuropa bis zu 800 Gramm.

Markante Merkmale sind Kopf und Rücken: Bei Wander- und Baumfalken ist der Kopf dunkel mit einem charakteristischen Bartstreif. Der Rücken ist schwarzgrau. Der Wanderfalke weist zusätzlich im Alter eine Querbänderung auf der Brust auf – die sogenannte „Sperberung“.

Im Flug erkannt man Falken an ihren langen, spitzen Flügel. Sie wirken damit schlanker und aerodynamischer als breiter gebaute Greifvögel wie Bussarde oder Habichte.

Warum Falken keine Greifvögel sind

Obwohl Falken im Alltag fast immer zu den Greifvögeln gezählt werden, ist diese Einordnung wissenschaftlich nicht korrekt.

„Molekulargenetische Studien haben gezeigt, dass Falken nicht eng mit den Accipitriformes, den Adlern, Bussarden etc. verwandt sind“, erklärt Baer. „Stattdessen sind sie evolutionär näher mit Papageien und Singvögeln verwandt.“

Trotz dieser genetischen Erkenntnisse werden Falken aus pragmatischen Gründen weiterhin oft unter dem Begriff „Greifvögel“ geführt. Biologisch gibt es aber deutliche Unterschiede: Falken töten ihre Beute mit einem gezielten Biss und nicht mit den Krallen. Ein weiteres typisches Unterscheidungsmerkmal: ein rundes Nasenloch mit einem zapfenförmigen Fortsatz.

Bemerkenswert ist auch ihr Sehvermögen: Falken können bei Dämmerung besonders gut sehen und sogar UV-Licht wahrnehmen.

Verwechslungsgefahr mit Habicht und Sperber

Obwohl sie sich mit Blick auf Äußeres und Flugweise unterscheiden, wird besonders der Wanderfalke oft mit Habichten oder Sperbern verwechselt. „Falken haben immer dunkle Augen, während Habichte und Sperber immer gelbe – selten auch rote – Augen haben“, betont Baer. Zudem unterscheiden sie sich in der Flugweise: Falken haben spitz zulaufende Flügel, Greifvögel breite, gefingerte Schwingen.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die sogenannten „Haltenoppen“ an den Zehen. Falken halten mit ihnen ihre Beute fest, bevor sie sie mit einem Biss töten – ein Verhalten, das sich deutlich vom Beutefang mit den Fängen echter Greifvögel unterscheidet.

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Jagdverhalten und Fortpflanzung

Falken sind hochspezialisierte Jäger, die meist im offenen Luftraum auf Beuteflug gehen. Ihre Jagdflüge gelten als spektakulär, insbesondere der Sturzflug des Wanderfalken, der extreme Geschwindigkeiten erreicht.

Turmfalken jagen zusätzlich mit dem Rüttelflug über Wiesen. Dabei hilft ihnen eine besondere Fähigkeit: Sie können UV-Licht sehen und so Mäuse-Urin erkennen, der im Gras reflektiert wird.

Anders als viele Greifvögel bauen Falken keine eigenen Nester. „Sie legen ihre Eier entweder direkt auf den Boden oder nutzen alte Nester“, erklärt Baer. Baumfalken verwenden häufig alte Krähennester. Turmfalken brüten in Mauernischen oder Kirchtürmen.

Fazit: Präzise Jäger mit einzigartiger Abstammung

Vom weit verbreiteten Turmfalken bis zum seltenen Rotfußfalken auf Durchreise: Falken sind in Deutschland mit mehreren Arten vertreten. Aufgrund ihrer besonderen Jagdtechniken, ihres charakteristischen Äußeren und nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit gehören sie zu den eindrucksvollsten Vögeln, die sich hierzulande beobachten lassen.

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