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Sterben sie doch nicht aus?

Eisbären passen sich laut Forschung an wärmeres Klima an

Eisbär mit Jungen (Ursus maritimus) in der Abendsonne im Wapus-Nationalpark
Eine Eisbärin mit ihren beiden Jungen – neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich manche Populationen genetisch an steigende Temperaturen anpassen könnten. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

12. Dezember 2025, 13:21 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Inmitten einer sich schnell erwärmenden Welt wächst die Sorge um das Überleben der Eisbären. Doch eine Studie liefert erste Hinweise, dass bestimmte Populationen von Eisbären sich an ein wärmeres Klima anpassen. Doch was auf den ersten Blick Hoffnung gibt, birgt auch eine ernste Warnung.

Genetische Reaktion auf steigende Temperaturen

Ein Forschungsteam der University of East Anglia hat herausgefunden, dass sich bestimmte Gene von Eisbären in Südostgrönland anders verhalten als die ihrer Artgenossen im kälteren Nordosten des Landes. Untersucht wurden sogenannte „springende Gene“ – das sind mobile Elemente im Genom, die die Aktivität anderer Gene beeinflussen können.

„DNA ist das Anleitungsbuch in jeder Zelle, das vorgibt, wie sich ein Organismus entwickelt und wächst“, erklärte die leitende Forscherin Dr. Alice Godden der britischen Tageszeitung „The Guardian“. „Indem wir die aktiven Gene dieser Bären mit lokalen Klimadaten verglichen haben, konnten wir feststellen, dass steigende Temperaturen offenbar eine dramatische Zunahme der Aktivität dieser springenden Gene in der DNA der Bären aus Südostgrönland verursachen.“

Anpassung an wärmere Lebensbedingungen

Die Analyse der Blutproben zeigte, dass sich bei Eisbären Veränderungen auf genetischer Ebene häufen. Und das vor allem in Regionen mit höheren Temperaturen und stärkerer Klima-Variabilität. Damit sei erstmals ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Erwärmung und Genveränderung bei wildlebenden Säugetieren nachgewiesen worden, so die Autoren. Die Ergebnisse der Forscher wurden im Genetik-Fachmagazin „Mobile DNA“ veröffentlicht.1

Die Gene, die besonders aktiv waren, stehen laut der Studie in Zusammenhang mit Hitzestress, Alterung, Stoffwechsel und Fettverarbeitung. Dies sind entscheidende Faktoren, wenn Eisbären sich an schwindende Meereisflächen und eine veränderte Nahrungssituation anpassen müssen.

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Eisbären schreiben ihre DNA um

„Diese Entdeckung ist wichtig, weil sie zum ersten Mal zeigt, dass eine einzigartige Gruppe von Eisbären im wärmsten Teil Grönlands ‚springende Gene‘ nutzt, um ihre eigene DNA rasch umzuschreiben – möglicherweise ein verzweifelter Überlebensmechanismus angesichts des schmelzenden Meereises“, sagte Godden.

In südlichen Regionen ernähren sich Eisbären zunehmend pflanzlich und fettärmer, während ihre nördlichen Artgenossen auf eine fettreiche Robbennahrung angewiesen sind. Die genetischen Veränderungen könnten den südlichen Tieren helfen, mit der neuen Diät besser zurechtzukommen. Die Forscher fanden zudem mehrere genetische „Hotspots“. Diese befanden sich in Regionen des Genoms, die Proteine codieren. Damit ist dies ein Hinweis auf tiefgreifende genetische Umstrukturierungen.

„Bedeutet nicht, dass Eisbären weniger vom Aussterben bedroht sind“

Die Ergebnisse könnten laut den Autoren helfen, besser zu verstehen, wie sich Eisbären an den Klimawandel anpassen, welche Populationen besonders gefährdet sind und wie Schutzmaßnahmen gezielt verbessert werden können.

Der nächste Schritt sei nun, andere der insgesamt 20 weltweit verteilten Eisbärenpopulationen genetisch zu untersuchen. So wollen die Forscher feststellen, ob ähnliche Prozesse auch dort stattfinden.

Doch trotz der neuen Erkenntnisse mahnen die Forscher zur Vorsicht. Die genetischen Anpassungen seien kein Freifahrtschein für das Überleben der Art. „Wir dürfen nicht selbstgefällig werden, das bietet zwar etwas Hoffnung, bedeutet aber nicht, dass Eisbären weniger vom Aussterben bedroht sind“, sagte Godden. „Wir müssen weiterhin alles tun, um die globalen CO₂-Emissionen zu senken und den Temperaturanstieg zu verlangsamen.“

Quellen

  1. Godden, A.M., Rix, B.T. & Immler, S. (2025) „Diverging transposon activity among polar bear sub-populations inhabiting different climate zones“. Mobile DNA 16, 47. https://doi.org/10.1186/s13100-025-00387-4 ↩︎

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