16. Januar 2026, 6:31 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Was haben ein scheuer Waldkönig, ein winziger Krebs und ein nachtaktiver Fisch gemeinsam? Sie alle wurden zu „Tieren des Jahres 2026“ gekürt – und stehen damit symbolisch für bedrohte Lebensräume, besondere ökologische Zusammenhänge und die Herausforderungen des Arten- und Klimaschutzes. Hinter jedem Titel steckt eine Geschichte – und eine dringende Botschaft.
Die Kategorien
Unterteilt werden die Tiere des Jahres 2026 in die folgenden Kategorien:
- Vogel des Jahres
- Wildtier des Jahres
- Fledermaus des Jahres
- Lurch des Jahres
- Fisch des Jahres
- Insekt des Jahres
- Schmetterling des Jahres
- Libelle des Jahres
- Höhlentier des Jahres
- Spinne des Jahres
- Wildbiene des Jahres
PETBOOK stellt einige der gekürten Tiere für 2026 vor.
Vogel des Jahres: Rebhuhn als Mahnmal schwindender Kulturlandschaften
Mit dem Rebhuhn rückt der NABU 2026 eine Vogelart ins Zentrum, die als Sinnbild für artenreiche Agrarlandschaften steht. Einst in offenen Steppen und Heiden verbreitet, ist das Rebhuhn heute auf vielfältige Kulturlandschaften angewiesen – Lebensräume, die durch monotone Monokulturen aus Mais, Raps oder Weizen zunehmend verschwinden. Wo maschinell bearbeitetes Grünland dominiert, fehlen nicht nur Insekten als Nahrungsquelle, sondern auch überlebenswichtige Strukturen wie Blühwiesen, Hecken oder Gebüsche. 1
Wildtier des Jahres: Rothirsch – majestätisch und bedroht
Der Rothirsch, das zweitgrößte heimische Wildtier, beeindruckt durch seine Größe, bleibt aber äußerst scheu. Früher in offenen Landschaften heimisch, wurde er durch Jagddruck und Siedlungsentwicklung in Waldgebiete zurückgedrängt. Bei der Wahl der Deutschen Wildtierstiftung setzte sich der „König des Waldes“ gegen Hermelin und Goldschakal durch. Die Stiftung fordert unter anderem, dem Rothirsch wieder mehr Platz zu geben, Muttertiere besser zu schützen und Weichlaubhölzer wie Zitterpappeln und Weiden zu pflanzen, damit der Rothirsch auch in Zukunft Lebensräume hat. 2
Fledermaus des Jahres: Kleiner Abendsegler – später Jäger mit Herausforderungen
Wer den Kleinen Abendsegler entdecken will, braucht Geduld: Anders als sein größerer Verwandter zeigt sich diese Fledermausart erst spät in der Dämmerung. Sie jagt in Wäldern unterhalb der Baumkronen, aber auch entlang von Alleen und Straßenrändern. Während sie in Schleswig-Holstein als stark gefährdet gilt, ist ihr bundesweiter Status mit „Daten unzureichend“ auf der Roten Liste vermerkt. Der Verlust von Insekten und Lebensräumen macht ihr schwer zu schaffen. 3
Lurch des Jahres: Alpensalamander – Spezialist für das Gebirge
Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat den Alpensalamander ausgezeichnet. Der tiefschwarze Amphib lebt in abgelegenen, unwirtlichen Bergregionen – und steht stellvertretend für die Bedrohung alpiner Lebensräume durch den Klimawandel und zunehmende touristische Nutzung. Trotz lokaler Häufigkeit ist die Art durch ihre enge ökologische Spezialisierung besonders gefährdet. 4
Fisch des Jahres: Europäischer Wels – mächtiger Beutegreifer mit Imageproblem
Der Europäische Wels kann bis zu drei Meter lang und 150 Kilogramm schwer werden – er ist damit der größte einheimische Süßwasserfisch. Als wärmeliebende Art profitiert er vom Klimawandel. Dennoch wird er in Medien oft als bedrohlich dargestellt, nicht zuletzt nachdem ein Wels im Juni 2025 Menschen biss und daraufhin erschossen wurde.
Das Bundesamt für Naturschutz stellt jedoch klar: „Dort, wo der Wels ursprünglich verbreitet ist, spielt er eine wichtige Rolle im aquatischen Ökosystem, da er Fischbestände reguliert und durch das Fressen von Aas und kranken Fischen zur Gewässergesundheit beiträgt.“ Seine Ernennung zum Fisch des Jahres stehe stellvertretend für die Bedeutung artenreicher und intakter Gewässerökosysteme, sowie für die Bedeutung einer sachlichen Auseinandersetzung mit dieser heimischen Art. 5
Insekt des Jahres: Warzenbeißer – Spezialist für magere Flächen
Der Warzenbeißer verdankt seinen Namen einem alten Volksglauben, wonach seine kräftigen Kiefer und Verdauungssäfte Warzen heilen könnten. Die Heuschrecke lebt auf mageren, extensiv bewirtschafteten Flächen – und ist durch intensive Landwirtschaft und Aufforstung bedroht. Die Schaffung natürlicher Korridore zwischen Lebensräumen kann helfen, genetische Isolation zu verhindern. Die Tiere sind von Juni bis Oktober aktiv, springen kräftig und ernähren sich sowohl von Pflanzen als auch von anderen Insekten. 6
Schmetterling des Jahres: Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling – komplexes Zusammenspiel
Dieser unscheinbare Tagfalter unter den Tieren des Jahres 2026 ist ein echter Überlebenskünstler mit raffiniertem Lebenszyklus. Er ist auf zwei andere Arten angewiesen: den Großen Wiesenknopf zur Eiablage und Nahrungsaufnahme – sowie auf die Knotenameise. Die Schmetterlingslarve ahmt den Duft von Ameisenlarven nach, wird in die Nester eingeschleppt, frisst dort die Brut, verpuppt sich und schlüpft im Sommer. Diese komplexe Abhängigkeit macht ihn besonders anfällig für Störungen durch Landnutzung. Wer helfen will, pflanzt den bedrohten Großen Wiesenknopf – auch für Wildbienen ein Gewinn. 7
Libelle des Jahres: Winterlibelle – Überwinterung im Erwachsenenstadium
Die Gemeine Winterlibelle ist eine von nur zwei europäischen Arten, die als adulte Insekten überwintern. Im Winter tarnen sie sich gut mit ihrer braunen, schlanken Gestalt. Besonders erstaunlich: Sie überstehen teils starke Minusgrade, oft sitzend unter Baumrinden, Steinen oder sogar offen im Raureif. Ab März lassen sich die ersten wieder fliegend beobachten. 8
Höhlentier des Jahres: Höhlen-Zwergflohkrebs – Spezialist für unterirdisches Leben
Der Crangonyx subterraneus lebt ausschließlich in grundwassergeprägten Habitaten wie Quellen, Brunnen, Höhlen oder Flusssedimenten. Ohne Augen und Farbpigmente angepasst, ist der rund drei Millimeter große Flohkrebs auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen, da er über Kiemen atmet. Wegen seiner extremen Lebensraumspezialisierung wurde er vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher zum Höhlentier 2026 gekürt. 9
Die Tiere des Jahres 2025 in der Übersicht
Insekt des Jahres 2026 – wie der Warzenbeißer zu seinem Namen kam
Spinne des Jahres: Streifenkreuzspinne – winzige Netzwerkerin
Die nur drei bis sechs Millimeter große Streifenkreuzspinne gehört zur Familie der Radnetzspinnen und ist in ganz Europa weit verbreitet. Sie bevorzugt sonnige Lebensräume wie Magerrasen, Wiesen, lichte Wälder oder Gärten. Aufgrund ihrer Häufigkeit gilt sie laut Roter Liste als „nicht gefährdet“. Charakteristisch ist die markante Zeichnung auf ihrem Hinterleib. 10
Wildbiene des Jahres: Glockenblumen-Schmalbiene – Spezialistin im Garten
Die Glockenblumen-Schmalbiene sammelt Pollen fast ausschließlich an Glockenblumen. Mit etwas Glück und dem richtigen Blütenangebot lässt sie sich im Garten beobachten. Auch Sand-, Scheren- und Mauerbienen nutzen Pflanzen der Familie Campanulaceae. Arten wie Knäuel-, Rapunzel- oder Rundblättrige Glockenblume eignen sich besonders. Die Tiere nisten in offenen, sandigen oder lehmigen Bodenstellen – ein Sandarium kann auch künstlich angelegt werden. 11