Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Laut Tierschutzorganisation

Gezielte Tötung! In diesen Ländern haben es Straßenhunde besonders schwer

Ein trauriger Straßenhund liegt am Boden
In einigen Ländern wäre man wohl nicht gern Straßenhund Foto: Getty Images
Artikel teilen
Louisa Stoeffler
Redakteurin

1. April 2026, 16:35 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Weltweit kämpfen Millionen Tiere täglich ums Überleben – doch ihre Lebensbedingungen könnten kaum unterschiedlicher sein. Während einige Länder auf nachhaltige Lösungen setzen, greifen andere weiterhin zu drastischen Maßnahmen. Ein Ranking zeigt nun, in welchen Ländern Straßenhunde besonders leiden – und wo sich ihre Situation deutlich verbessert hat. PETBOOK hat nachgefragt, wie das Ranking zustande kam.

Millionen Tiere ohne Zuhause weltweit

Anlässlich des Weltstreunertags am 4. April hat die Tierschutzorganisation Humane World for Animals eine Übersicht der nach ihrer Ansicht fünf besten und fünf schlechtesten Länder für Straßenhunde veröffentlicht. Weltweit leben schätzungsweise rund 362 Millionen heimatlose Hunde und Katzen, darunter etwa 143 Millionen Hunde auf der Straße.

Für viele dieser Tiere ist der Alltag geprägt von Hunger, Krankheiten und Gewalt. Sie werden vergiftet, erschossen oder in schlecht ausgestatteten Einrichtungen eingesperrt. In Teilen Asiens geraten sie zudem in den Hundefleischhandel, nachdem sie von der Straße oder sogar aus Haushalten gestohlen wurden.

Wie die Liste zustande kam, basiert laut Susan Wolters von Humane World for Animals nicht auf einem starren Bewertungssystem, sondern auf langjähriger Erfahrung: „Neben unserer eigenen Arbeit vor Ort sind wir Teil globaler Bündnisse und haben dadurch einen umfassenden Einblick in die Situation in vielen Ländern.“ Ein formales Punktesystem gebe es dabei nicht. Stattdessen fließen Erkenntnisse aus praktischer Arbeit und internationalen Partnerschaften in die Bewertung ein.

Länder mit besonders schlechten Bedingungen für Straßenhunde

In einigen Staaten hat sich die Lage für Straßenhunde zuletzt deutlich verschlechtert oder bleibt kritisch:

Türkei: Vom Vorbild zum Problemfall

Lange galt die Türkei als Vorreiter im humanen Umgang mit Straßenhunden. Doch ein Gesetz aus dem Jahr 2024 markiert einen drastischen Kurswechsel: Rund vier Millionen Hunde sollen eingefangen und in Tierheimen untergebracht werden. In der Praxis endet das für viele Tiere mit Einschläferung, da die Einrichtungen völlig überlastet sind. Gegen das Gesetz regt sich massiver Widerstand in der Bevölkerung, auch politisch könnte es noch gekippt werden – für die Tiere bleibt die Lage vorerst unsicher.

Marokko: Tötungen für ein „sauberes“ Bild

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 greift Marokko erneut zu großangelegten Tötungsaktionen. Ziel ist es, die Straßen von Hunden zu „säubern“. Solche Maßnahmen wurden bereits vor früheren Großereignissen eingesetzt – trotz internationaler Kritik. Die Aktionen gelten als kurzfristig, ineffektiv und besonders grausam.

China: Millionen Hunde im illegalen Handel

China ist das Zentrum des weltgrößten Hundefleischhandels. Jährlich werden schätzungsweise rund zehn Millionen Hunde eingefangen oder gestohlen – darunter auch Haustiere – und über weite Strecken transportiert, um schließlich getötet zu werden. Auch wenn der Konsum von Hundefleisch in der Bevölkerung zurückgeht, sind die Tiere weiterhin kriminellen Netzwerken schutzlos ausgeliefert.

Pakistan: Gift statt nachhaltiger Lösungen

In Pakistan wird die Überpopulation von Straßenhunden häufig mit Massentötungen bekämpft – insbesondere durch Gift. Vor allem in Großstädten wie Karatschi geschieht dies im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Tollwut. Zwar gibt es politische Zusagen, verstärkt auf Impfprogramme zu setzen, doch in der Praxis bleiben Tötungen weitverbreitet. Berichten zufolge erwischt es dabei sogar bereits geimpfte Hunde.

Ägypten: Gewalt mit unsicherem Wandel

Straßenhunde leben in Ägypten unter besonders harten Bedingungen. Regelmäßig werden sie von Behörden mit Gift wie Strychnin getötet oder erschossen. Gleichzeitig kümmern sich viele Menschen vor Ort um die Tiere und versorgen sie. Die Regierung hat inzwischen eine 180-Tage-Kampagne angekündigt, die auf Kastration und Impfungen setzt, um bis 2030 Tollwut zu eliminieren. Ob dies zu einem dauerhaften Strategiewechsel führt, ist jedoch unklar.

Mehr zum Thema

Positive Beispiele: Wo Straßenhunde besser geschützt sind

Einige Länder zeigen, dass ein anderer Umgang möglich ist – mit langfristigen und tierschutzgerechten Strategien:

Indien: Fortschritt mit ungewisser Zukunft

Indien gilt seit Jahren als Vorreiter beim sogenannten „Catch-Neuter-Vaccinate-Return“-Ansatz, also Fangen, Kastrieren, Impfen und Freilassen. Immer mehr Städte setzen auf diese Methode, die als effektiv und tierfreundlich gilt. Allerdings steht eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs an, die diesen Ansatz gefährden könnte. Sollte er gekippt werden, drohen wieder Masseneinfänge und schlechte Haltungsbedingungen in überfüllten Einrichtungen.

Dass Indien dennoch positiv bewertet wird, begründet Wolters so: „Indien gilt seit vielen Jahren als weltweit führend im nachhaltigen Populationsmanagement von Straßenhunden.“ Zwar beobachte man aktuelle Entwicklungen mit Sorge, dennoch dürften bestehende Fortschritte nicht ignoriert werden.

Mexiko: Tierschutz wird Staatsziel

Mit einer Verfassungsreform hat Mexiko 2024 den Tierschutz als grundlegenden Wert verankert. Das ermöglicht strengere Gesetze und verpflichtet sogar zu Tierschutzunterricht in Schulen. Gleichzeitig laufen landesweit Impf- und Kastrationsprogramme, die bereits zu einem deutlichen Rückgang von Tollwut geführt haben. Zwar leiden auch hier viele Hunde unter Vernachlässigung, doch vielerorts kümmern sich Gemeinschaften aktiv um die Tiere – die Entwicklung gilt insgesamt als klar positiv.

Auch hier spiele die Richtung eine entscheidende Rolle: „In Mexiko gab es bedeutende Fortschritte in Gesetzgebung und Praxis. Auch wenn noch viel zu tun ist, ist es wichtig anzuerkennen, wenn sich Behörden ernsthaft in die richtige Richtung bewegen“, so Wolters gegenüber PETBOOK.

Niederlande: Erfolgsmodell ohne Straßenhunde

Die Niederlande sind eines der wenigen Länder weltweit, in denen es praktisch keine Straßenhunde mehr gibt. Möglich wurde das durch jahrzehntelange, konsequente Politik: verpflichtende Registrierung und Mikrochip-Kennzeichnung, hohe Strafen von bis zu 16.000 Euro für das Aussetzen von Tieren, großangelegte Kastrationsprogramme sowie Kampagnen zur Adoption. Zusätzlich verteuern Steuern den Kauf von Hunden, während Tierheime kaum überfüllt sind.

Bhutan: Population kastriert und geimpft

Das kleine Königreich Bhutan zeigt, wie effektiv langfristige Strategien sein können. In Zusammenarbeit mit Humane World for Animals wurde über 14 Jahre ein landesweites Programm umgesetzt. Das Ergebnis: Nahezu alle frei lebenden Hunde sind kastriert und geimpft. Mehr als 150.000 Tiere wurden erfasst, zusätzlich wurden zehntausende Haustiere registriert und gechippt – ein weltweit einzigartiger Erfolg.

Thailand: Mitgefühl als gesellschaftliches Prinzip

Thailand setzt statt auf Ausgrenzung auf Integration. Straßenhunde werden vielerorts toleriert, gefüttert und medizinisch versorgt – auch geprägt durch das buddhistische Prinzip der „Metta“ (liebende Güte). Tempel dienen häufig als sichere Zufluchtsorte für Tiere. Gleichzeitig investieren Behörden und Organisationen in Impf- und Kastrationsprogramme. In vielen Regionen konnte so die durch Hunde übertragene Tollwut beim Menschen bereits eliminiert werden.

„Mitgefühl ist der effektivste Weg“

Kellye Pinkleton, Vice President of Companion Animals bei Humane World for Animals, betont außerdem: „Das Leben für Hunde und Katzen auf der Straße ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich.“ Oft seien frei lebende Hunde und Katzen tatsächlich Tiere mit Besitzern oder würden von Menschen aus der Gemeinschaft gefüttert. „Ob Haustiere, Tiere in gemeinschaftlicher Obhut oder Streuner – sie alle können unter Grausamkeit leiden. Länder mit den besten oder sich verbessernden Ergebnissen sind diejenigen, die das Töten zur Populationskontrolle abgelehnt haben.“

Stattdessen setzten sie auf Kastrationen, Impfungen und Freilassen als die einzige nachweislich wirksame und mitfühlende Methode, um gesunde, überschaubare Bestände zu erhalten. „Unsere Arbeit weltweit zeigt, dass die mitfühlendsten Methoden auch die wirksamsten sind.“

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Indien ganz oben im Ranking?

„Bei diesem Ranking hat mich irritiert, dass es ein Land wie Indien in die Top 5 der besten Länder für Straßenhunde geschafft hat. Auch wenn ich die Begründung der Tierschützer durchaus nachvollziehen kann, muss ich sagen, dass ich noch in keinem Land, das ich bereist habe, ein solches Hundeelend gesehen habe wie in Indien. Die Tiere hatten Räude und auch Tollwut existiert dort noch. Zwar habe ich nie offen Gewalt an den Hunden erlebt, aber die Tiere waren in einem derart erbärmlichen Zustand, dass es mir schwerfiel, Tempelanlagen und die Natur im Land zu genießen.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.